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Belo Horizonte und München - Argentinien und Lionel Messi droht bei der WM in Russland die Zuschauerrolle. Das 0:3 beim Erzrivalen Brasilien war ernüchternd, die Presse lässt kein gutes Haar an der Seleccion.

Lionel Messis Stimmung war so schwarz wie sein neuerdings komplett zutätowierter linker Unterschenkel.

"Das einzig Gute ist, dass wir es noch selbst in der Hand haben. Aber so dürfen wir nicht weitermachen", sagte Argentiniens Fußball-Superstar nach der 0:3 (0:2)-Demütigung seiner Gauchos in der WM-Qualifikation beim großen Rivalen Brasilien und schlich wie ein geprügelter Hund von dannen.   

Das bislang Undenkbare wird spätestens mit dem fußballerischen Offenbarungseid des zweimaligen Weltmeisters beim "Superclasico" in Belo Horizonte zum realistischen Szenario: Zum erst zweiten Mal könnte Argentinen die Endrunden-Qualifikation verpassen - sportlich gescheitert war die "Biancoceleste" nur 1970.

Tite: "Leichter als gedacht"

"Die Brasilianer haben uns hart getroffen, davon haben wir uns nicht erholt", sagte Messi. Dabei hatten die Gauchos, bei denen der fünfmalige Weltfußballer nach drei Partien Verletzungspause wieder mitwirkte, zunächst mehr Spielanteile und Chancen.

Doch Philippe Coutinho (25.) und Messis Barca-Klubkollege Neymar (45.) mit seinem 50. Tor im 74. Länderspiel bescherten den Gastgebern eine glückliche Pausenführung, die China-Legionär Paulinho (59.) nach dem Wechsel für die nun dominierende Selecao ausbaute.

"Das war leichter, als ich gedacht habe", sagte Brasiliens Nationaltrainer Tite - ein Stich in stolze argentinische Herzen. Während der Rekordweltmeister nach dem fünften Sieg in Folge unter Tites Regie als Spitzenreiter der südamerikanischen WM-Qualifikation mit 24 Punkten nach elf von 18 Spieltagen schon für Russland planen kann, liegt Argentinien im Kampf um die vier Direkttickets nur auf Platz sechs (16).

Nach den Prügeln auf dem Rasen folgte für Messi und Co. die Abreibung in gedruckter Form. "Argentinische Katastrophe in Belo Horizonte. Nicht einmal Messi kann uns retten", schrieb die Sportzeitung Olé: "Ein Team, das kein Team ist, Brasilien hat auf uns eingeprügelt." (Pressestimmen: "Seleccion voller Versager")

Kein Fluch mehr auf Belo Horizonte

Harte Kritik muss vor allem Trainer Edgardo Bauza nach nur einem Sieg in fünf Spielen unter seiner Regie einstecken. "Wir müssen Geduld haben, mit dem neuen Coach und dem Team", sagte Messi fast schon flehentlich. Seine bislang nicht allzu glückliche Karriere im Nationaltrikot steuert auf einen neuen Tiefpunkt hin.

Brasiliens Fans finden derweil die Lust am Nationalteam zurück, die ihnen 2014 nach dem 1:7-Debakel gegen Deutschland vergangen war. Unter brausendem Applaus verließen die Sieger, die eine schwarze Kapitänsbinde für den jüngst verstorbenen "Capita" Carlos Alberto Torres, WM-Spielführer 1970, trugen, das Mineirao-Stadion. Die bösen Geister von Belo Horizonte scheinen vertrieben.  

Uruguay (23) verteidigte mit einem mühsamen 2:1 gegen Ecuador (4./17) Platz zwei erfolgreich. Der Tabellendritte Kolumbien (18) verpasste mit einem tor- und trostlosen Remis gegen Chile (17) die Chance, sich von einem direkten Verfolger abzusetzen. Peru (14) verbesserte vor dem Duell am kommenden Dienstag gegen Brasilien seine Ausgangslage durch ein überraschendes 4:1 (0:1) in Paraguay (15).

Damit sind immerhin acht von zehn Teams noch im Rennen um eine WM-Fahrkarte, während Venezuela (5) im Tabellenkeller dank eines 5:0 (2:0) mit Bolivien (4) die Plätze tauschte.

Für Argentinien geht der steinige Weg Richtung Russland Dienstag daheim gegen Kolumbien und parallel mit einem Blick auf die Partie Chile gegen Uruguay weiter. Spiele, prädestiniert für "Ruleta Rusia".

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