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Philippe Coutinho (l.) und Neymar (M.) schossen jeweils ein Tor
Philippe Coutinho (l.) und Neymar (M.) schossen jeweils ein Tor © Getty Images

Belo Horizonte - Brasilien lässt im Superclasico Argentinien keine Chance und betreibt am Ort des Deutschland-Debakels Wundenheilung. Die Gauchos wanken, Lionel Messi flucht.

Superstar Lionel Messi hat mit Vize-Weltmeister Argentinien beim 0:3 (0:2) gegen Erzrivale Brasilien den nächsten Tiefschlag auf dem Weg zur WM-Endrunde 2018 einstecken müssen.

Die vom fünfmaligen Weltfußballer angeführten Gauchos müssen als Tabellensechster weiter um eines der vier südamerikanischen WM-Tickets bangen, während die Selecao dank der Treffer von Philippe Coutinho (25.), Neymar (45.) und Paulinho (59.) nach dem fünften Sieg in Folge unter Trainer Tite als Spitzenreiter für Russland planen kann. Der WM-Rekord-Champion führt die Eliminatorias nach elf von 18 Spieltagen mit 24 Punkten an.

Rückkehr an Ort des Debakels

Dabei war vor allem die 2:0-Pausenführung für die Brasilianer durchaus glücklich. Denn im Gegensatz zum Plan von Bayerns Douglas Costa, der im SPORT1-Interview Ballbesitzfußball ins Auge genommen hatte, nahmen die Argentinier zu Beginn das Heft in die Hand.   

Nichtsdestotrotz gelang der Selecao im Mineirao, wo sie vor zwei Jahren im WM-Halbfinale gegen Deutschland ein 1:7 kassiert hatte, ein klarer Sieg.

Dabei spielte die brasilianische Nationalmannschaft nicht nur effektiv, sondern auch schön, wie es die Brasilianer gerne mögen. Das Tor durch Philippe Coutinho, der zum 1:0 so traf wie beim FC Liverpool (24.) und danach sein Trikot küsste, und Gabriel Jesus' Vorlage, die Neymar selbst mit Geschwindigkeit und Übersicht zum 2:0 verwandelte (45.), waren beste Beispiele für brasilianische Fußballkunst.

Argentinien am Boden

Die Selecao versöhnte sich an diesem Abend mit ihren Fans, die zum ersten Mal seit langer Zeit wieder stolz auf ihr Team waren und das Stadion Mitte der zweiten Halbzeit in einen Karneval verwandelten. Sie schwangen Nationaltrikots, sangen "Ooolee" und riefen Tites Namen.

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Seit der ehemalige Trainer des SC Corinthians Paulista die brasilianische Nationalmannschaft im Juni übernommen hat, hat diese fünfmal nacheinander gewonnen und Platz eins in der Südamerika-Gruppe erklommen. "Ich habe mehr Schwierigkeit erwartet", sagte er in der Pressekonferenz in Bezug auf Argentinien.

Der Rivale steht dagegen da, wo Brasilien vor fünf Monaten war. Mit 15 Punkten auf Rang sechs muss die Albiceleste sogar um die Teilnahme an der WM in Russland 2018 bangen. "Ich weiß nicht, ob wir schon den Boden erreicht haben. Aber wir können nicht tiefer fallen", sagte Javier Mascherano.

Messi flucht

Messi, der zuletzt drei Mal verletzungsbedingt gefehlt hatte, ließ während des Spiels teilweise den Kopf hängen und fuhr sich durch die Haare. Das machte den Eindruck, als ob er sich gefragt hätte, aus welchem Grund er nach seinem Rücktritt aus der argentinischen Nationalmannschaft wieder zurückgekommen ist. Er schimpfte nach der Niederlage in der Mixed Zone: "Wir müssen diese Sch...situation ändern."

Und Coach Edgardo Bauza, der sein Amt im September übernahm, hat im Gegensatz zu Tite seine Mannschaft noch nicht gefunden (und auch kein Mittel, um Messi zu entlasten) und muss schon wieder um seinen Job fürchten. Für ihn ist es ungemütlich geworden.

Das Vorgeplänkel des Super-Klassikers zwischen den Rivalen, die "lieben sich zu hassen und hassen sich zu lieben", war selten so friedlich gewesen wie vor dieser Partie. Das mag an den ruhigen Gemütern der Trainer liegen und daran, dass die größten Stars der beiden Mannschaften Mannschaftskollegen beim FC Barcelona und Kumpels sind.

So hatte Neymar Messi und Javier Mascherano in seinem Privatjet mit nach Belo Horizonte genommen. Doch als der Ball rollte, ging es hart zur Sache - mit dem besseren Ende für Brasilien. Der Erfolg bei der Rückkehr an den Ort des Debakels, und das gegen den Nachbarn und Erzrivalen, hilft, die Wunde weiter zu heilen.

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