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Theo Zwanziger - Court Appearance
Theo Zwanziger bezeichnet die Neuentwicklung in der WM-Affäre als "Luftnummer" © Getty Images

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger weist die neuen Vorwürfe in der Steueraffäre um die WM 2006 zurück. Demnach droht dem DFB eine Steuer-Nachzahlung.

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger bezeichnet die Neuentwicklung in der Steueraffäre um die Fußball-WM 2006 als "Luftnummer".

Es gebe entgegen eines am Donnerstag öffentlich gewordenen Zwischenberichts der Steuerfahnder des Finanzamtes Frankfurt I "keinen einzigen Anhaltspunkt dafür", dass eine Millionenzahlung der WM-Macher an den Weltverband FIFA im Jahr 2005 "keine betriebliche Ausgabe gewesen ist", sagte der 71-Jährige am Freitag.

Steuerfahndung geht von schwerer Steuerhinterziehung aus

Die Steuerfahndung geht einem neunseitigen Vermerk vom 24. Januar dieses Jahres zufolge nach mehr als einjährigen Ermittlungen von schwerer Steuerhinterziehung seitens früherer Funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aus. Der DFB habe ein privates Darlehen für WM-OK-Chef Franz Beckenbauer über 6,7 Millionen Euro verschleiert. Die SZ zitiert in diesem Zusammenhang die Begriffe "Luftbuchungen" und "Scheingeschäfte".

Ganz anders sieht das laut SZ neben dem Beschuldigten Zwanziger auch der DFB-Steueranwalt Jan Olaf Leisner. Er bezeichnete die Zahlung als "betrieblich veranlasst", eine kolportierte Steuernachforderung in Höhe von insgesamt möglicherweise 20 bis 25 Millionen Euro nannte er daher "ungerechtfertigt".

Die geforderte Summe ergibt sich laut Bild-Zeitung aus 2,72 Millionen Euro Steuernachzahlung sowie eventuellen Rückzahlungen durch eine Aberkennung der DFB-Gemeinnützigkeit für das WM-Jahr 2006. Laut DFB fehlen dafür und für den Erlass geänderter Steuerbescheide "die Voraussetzungen".

Die WM-Organisatoren hatten 2005 6,7 Millionen Euro an die FIFA überwiesen. Der Betrag war als Zuschuss für eine WM-Gala deklariert worden, die später abgesagt wurde. Der Weltverband leitete das Geld an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus weiter, der dem WM-OK die Summe 2002 gegen einen Schuldschein Beckenbauers vorgeschossen haben soll. Mit dem Geld sollte angeblich ein späterer Organisationszuschuss der FIFA über 170 Millionen Euro abgesichert werden.

Verwendungszweck ist unklar

Der tatsächliche Verwendungszweck des Geldes allerdings ist unklar. Es gab entsprechende Geldflüsse über ein auf Beckenbauer laufendes Konto in Katar im Einflussbereich des früheren FIFA-Strippenziehers Mohamed Bin Hammam.

Die Frankfurter Steuerfahnder vermuten nun, der DFB habe mit der Rückzahlung 2005 ein privates Darlehen von Beckenbauer getilgt. Zwanziger nannte diese Variante auf SZ-Anfrage "Unsinn". Er habe sich "nichts vorzuwerfen", sagte er.

Zwanziger fordert wegen "Persönlichkeitsverletzung" durch das vermeintlich ungerechtfertigte Vorgehen gegen ihn 25.000 Euro Schmerzensgeld vom Land Hessen. Für Ende März ist eine Gerichtsverhandlung angesetzt, wie Zwanziger bestätigte.

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