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Germany v Norway - FIFA 2018 World Cup Qualifier
Timo Werner (M.) traf doppelt an alter Wirkungsstätte in Stuttgart © Getty Images

Stuttgart - Deutschland kann fast sicher für die WM in Russland planen. Gegen überforderte Norweger schießt sich das DFB-Team in einen Rausch. Timo Werner glänzt.

Die deutsche Nationalmannschaft hat mit einer Torgala einen großen Schritt Richtung WM-Teilnahme gemacht.

Angeführt von Doppeltorschütze Timo Werner spielte der Weltmeister beim 6:0 (4:0) gegen Norwegen berauschend und benötigt nur noch einen Punkt gegen den Verfolger Nordirland am 5. Oktober für die erfolgreiche Qualifikation zur Endrunde 2018 in Russland. Die Nordiren wahrten mit einem 2:0-Sieg im Verfolgerduell gegen Tschechien zumindest ihre Minimalchance auf die direkte Quali. (SERVICE: Die Tabelle der Gruppe C)

Werner (21./40.), am Freitag noch von deutschen Anhängern verunglimpft, erzielte im achten Länderspiel seine Tore Nummer fünf und sechs. Bei seiner vorab als brisant eingeschätzten Rückkehr nach Stuttgart wurde der 21-Jährige immer wieder mit aufmunternden Sprechchören bedacht. 

Werner bedankt sich bei Fans

"Das bedeutet mir sehr viel, weil es hier in meiner Heimat ist. Ich bin hier groß geworden. Ich freue mich doppelt, dass ich so aufgenommen wurde und ich das so zurückzahlen konnte", sagte Werner anschließend bei RTL. (Die Stimmen)

Auch Bundestrainer Joachim Löw freute sich mit dem Matchwinner: "Das zeigt die Schönheit des Fußballs. Es war eine tolle Stimmung von Anfang an."

Zudem trafen Mesut Özil (10.), Julian Draxler (17.), Leon Goretzka (50.) und Mario Gomez (79.) für die Mannschaft von Bundestrainer Löw, die im 17. Spiel in Serie ohne Niederlage blieb.

Fans setzen Zeichen gegen Rassismus

Die Versöhnung der Fans mit Werner passte ins Bild an einem Tag, an dem sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und seine Anhänger nochmals entschieden von den widerlichen Vorfällen in Prag distanzierten. So rollte der Fan Club Nationalmannschaft ein 70 Meter langes Plakat aus, auf dem zum Eintreten "gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit" aufgerufen wurde.

Mit ihrem erfrischenden Auftritt trugen zudem die Protagonisten auf dem Feld zur gelösten Partystimmung unter den 53.814 Zuschauern bei. Werner stach dabei heraus, die gesamte Mannschaft aber trat konzentrierter, dominanter und zielstrebiger auf als noch beim glücklichen 2:1-Erfolg gegen Tschechien.

Ein Grund für die Dominanz lag sicher auch in Löws Rückkehr zum bewährten 4-2-3-1-System. Mit den ehemaligen Stuttgartern Antonio Rüdiger in der Innenverteidigung und Sebastian Rudy im defensiven Mittelfeld sowie Offensivspieler Julian Draxler als dritte Startelf-Änderung ließ der Gastgeber den Norwegern selten Raum zur Entlastung. (Der Liveticker zum Nachlesen)

Werner ständig gefährlich

Ballverluste waren im Mittelfeld anders als am Freitag eine Seltenheit, mit wenigen Pässen wurde hingegen der direkte Weg nach vorne gesucht. Permanenter Gefahrenherd war dabei der quirlige Werner, der schon vor seinen beiden Toren zweimal hätte treffen können (2./14.).

Auch an der ersten gefährlichen Aktion im zweiten Durchgang war Werner, diesmal als Passgeber, beteiligt. Mit schnellen Schritten schlich er seinem Gegenspieler davon, legte den Ball in den Rücken der behäbigen norwegischen Abwehr auf Toni Kroos ab. Der Schuss des genialen Taktgebers von Real Madrid wurde aber in letzter Sekunde geblockt.

Ex-Stuttgarter Khedira und Gomez gefeiert

Und auch wenn das DFB-Team nach einer knappen Stunde seinen Offensivdrang ein wenig drosselte, tat dies der Atmosphäre in der ausverkauften WM-Arena keinen Abbruch. Im Gegenteil: Als Löw die Ex-Stuttgarter Sami Khedira (61.) und Gomez (66.) einwechselte, heizte er die Stimmung noch einmal zusätzlich an.

Die 90 Minuten boten damit einen würdigen Ausgang eines turbulenten Tages, an dem der Nazi-Eklat von Prag zuvor das beherrschende Thema gewesen war. Vor dem Anpfiff war das Verhalten von etwa 200 Personen, die beide Nationalhymnen und die Schweigeminute gestört sowie rechtsextreme Parolen gerufen hatten, auf diversen Ebenen diskutiert und scharf kritisiert worden. DFB-Präsident Reinhard Grindel erwartete "eine ganze Reihe von Strafverfahren", DFL-Präsident Reinhard Rauball nahm die Politik in die Pflicht.

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