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Zach Johnson British Open
Zach Johnson setzte bei seinem Sieg der British Open auf Beistand von oben © Getty Images

St. Andrews - Zach Johnson setzt bei seinem dramatischen Gewinn der British Open auf göttlichen Beistand. Der überraschende Triumph ist typisch für den streng religiösen Underdog.

Als Zach Johnson die große Chance auf den British-Open-Sieg erblickte, holte er mal wieder Rat von ganz oben ein.

Immer wieder, das verriet der streng religiöse US-Golfer nach seinem zweiten Major-Triumph am Montag, habe er in der entscheidenden Phase des Turniers Psalm 27,14 vor sich hingebetet.

144th Open Championship - Final Round
Zach Johnson hat zum ersten Mal in seiner Karriere die British Open gewonnen © Getty Images

"Sei mutig, und dein Herz sei stark. Harre auf den Herrn", heißt es dort. "Und ich denke, die Geduld hat sich ausgezahlt", sagte Johnson.

Johnson siegt im Stechen

Wenn ein Wort den sportlichen Werdegang des bodenständigen Amerikaners beschreiben müsste, wäre Geduld wohl tatsächlich am passendsten.

Das gilt zunächst für seinen Erfolg im schottischen St. Andrews, der wegen einer Regen- und Windunterbrechung erst am späten Montagabend perfekt war.

Und selbst dafür musste Johnson noch ins Stechen über vier Löcher gegen Marc Leishman (Australien) und Louis Oosthuizen (Südafrika).

Langer Weg zum ersten Major-Sieg

In Geduld aber hatte sich Johnson auch die Jahre zuvor üben müssen. Erst 2007, damals im Alter von 31 Jahren, gewann der zweifache Familienvater beim US Masters seinen ersten Major-Titel.

Größen wie Tiger Woods, Bernhard Langer oder Youngster Jordan Spieth waren bei ihren Premieren deutlich jünger gewesen.

"Ich habe ja wirklich nicht gedacht, dass ich überhaupt ein Major gewinne", sagte Johnson rückblickend: "Und dann gewinnst du plötzlich eins und denkst: Hey, du kannst auch ein zweites gewinnen. "

Diese Gewissheit, erklärte der 39-Jährige, "motiviert sehr und spornt im Training extrem an, die Dinge weiter zu verbessern."

Der vielleicht meistunterschätzte Spieler er Tour

Johnson ist vielleicht der meistunterschätzte Spieler auf der Tour.

Gewiss hat er sich im Laufe der Jahre auf und neben den Grüns Schritt für Schritt entwickelt. Aber Hand aufs Herz: Wer hatte ihn im Vorfeld des wichtigsten Turniers der Saison auf dem Zettel?

Und wer hatte jemals vernommen, dass er es mittlerweile zu zwölf Turniererfolgen auf der keinesfalls einfachen US-PGA-Tour gebracht hat?

"Dort sind einige Champions und wirklich tolle Spieler draußen", sagte Johnson nach dem Open-Erfolg in erster Linie lobend, aber auch mit einer Portion Genugtuung.

"Sicherlich bin ich nicht der charismatischste, lustigste und emotionalste Typ der Szene", äußerte Johnson, "aber ich praktiziere eine fantastische Sportart und bin so unglaublich stolz, ein Teil davon zu sein."

Watson und Spieth verneigen sich

Und vor allem genießt er eine riesige Wertschätzung unter seinen Kollegen.

Landsmann Tom Watson, der die British Open immerhin fünfmal gewonnen hat, gratulierte via Twitter: "Du hast allen Leuten gezeigt, was wir schon längst wussten", schrieb der 65-Jährige.

US-Wunderkind Jordan Spieth, der in St. Andrews eigentlich seinen dritten Major-Sieg in diesem Jahr feiern wollte, lobte seinen Kollegen ebenfalls über den Klee: "Ich gratuliere dir und bin stolz auf dich, mein Freund. Du bist ein wahres Vorbild."

Auf und neben dem Platz. 

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