vergrößernverkleinern
Im Januar 2011 erhielten die Kataris in Malmö den Zuschlag für die Handball-WM 2015

München - Nebulöse Absagen vor der WM 2015: Die IHF spielt bei Nachrückern und Sanktionen auf Zeit. Die Deutschen könnte es hart treffen.

Fragwürdige Wildcard, nebulöse Absagen, mangelnde Informationspolitik des Veranstalters: Die Handball-Weltmeisterschaft in Katar steht unter keinem guten Stern.

Neun Wochen vor dem Turnier am Persischen Golf, das auch als Testballon für die Fußball-WM 2022 gilt, geht es beim Weltverband IHF mal wieder drunter und drüber.

Jeweils zwei Sätze - mehr verlor die Internationale Handball-Föderation (IHF) in ihren veröffentlichten Statements nicht über die offenbar politisch motivierten Startverzichte von Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Kretzschmar setzt sich für Australien ein

Und während die Handball-Szene bereits seit Tagen über mögliche Nachrücker spekuliert, spielt der Verband auf Zeit. Erst auf ihrem nächsten Konzil am 21. November wollen der umstrittene IHF-Präsident Hassan Moustafa und seine Kollegen über das endgültige Teilnehmerfeld der WM entscheiden.

"Unser Sport steht auf dem Prüfstand", sagte Handball-Ikone Stefan Kretzschmar in seiner SPORT1-Kolumne und mahnte einen verantwortungsvollen Umgang mit den beiden plötzlich frei gewordenen Startplätzen an.

Im schwebenden Verfahren macht sich der frühere Weltklasse-Linksaußen für eine Nominierung von Australien stark. Jene ursprünglich für die WM qualifizierte Nation also, die der fragwürdigen Wildcard für die deutsche Mannschaft zum Opfer gefallen war.

Ungarn und Serbien hoffen

"Jeder von den australischen Spielern hat aus eigener Tasche bis zu 3000 Dollar bezahlt, um die Länderspielreisen bezahlen und damit überhaupt die Qualifikation in Ozeanien spielen zu können", sagte Kretzschmar: "Australien sollte als erstes nachnominiert und für ihre Qualifikation belohnt werden. Das steht für mich außer Frage."

Die australischen Chancen dürften allerdings gering sein. Als deutlich wahrscheinlicher gelten zwei andere Szenarien:

Entweder die Plätze werden vom Kontinentalverband besetzt, aus dem die Absagen kommen. Dann wären Südkorea und Saudi-Arabien als Fünft- und Sechstplazierte der vergangenen Asienmeisterschaften an der Reihe.

Warten auf Sanktionen

Oder aber es rücken - für den Fall, dass der Kontinentalverband auf die Schnelle keine Bewerber mehr auftreiben kann - die bestplatzierten, sportlich nicht qualifizierten Teams der letzten WM (wie Deutschland) nach. Dies wären Ungarn und Serbien.

DHB-Präsident Bernhard Bauer plädiert für die Einhaltung dieser Regel. "Alles andere wäre willkürlich", sagte der Verbandspräsident.

Dass die deutsche Vorrundengruppe, zu der ursprünglich auch Handball-Zwerg Bahrain gehören sollte, durch eine Teilnahme weiterer europäischer Teams deutlich schwerer werden könnte, spielt

für Bauer keine Rolle. "Dies müsste man akzeptieren. Wir sind froh, überhaupt in Katar dabei zu sein."

Nun ist die IHF am Zug. Denn um weiteren Schaden am Handball zu verhindern, muss der Weltverband sowohl in der Frage der Nachbesetzung als auch in der Frage einer möglichen Sanktionierung der absagenden Teams schleunigst klare Kante zeigen.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel