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Die SG Flensburg-Handewitt stößt an Grenzen

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar erklärt in seiner Kolumne die Bedeutung von Kiels Sieg bei PSG. Flensburg stößt an Grenzen.

Hallo Handball-Fans,

der Sieg des THW Kiel bei Paris St. Germain ist ein Ausrufezeichen sondergleichen - vor allem wen man sich bewusst macht, dass der THW das ohne die verletzten Filip Jicha und Aron Palmarsson geschafft hat.

Joan Canellas und Domagoj Duvnjak haben in diesem Spiel wieder einmal eine hervorragende Leistung gezeigt, genauso wie Johan Sjöstrand im Tor.

Kiel hat mit diesem Triumph seine Ambitionen auf das Final Four schon eindrucksvoll untermauert und auch gezeigt, dass man dieses Ziel trotz der Aufrüstung der Konkurrenten in Europa erreichen kann.

Der THW hat gerade im individuellen Bereich die Qualität, um solche Spiele zu gewinnen - auch in Paris. Von der Bedeutung kann dieser Erfolg mit einem Sieg in Barcelona oder in Veszprem vergleichen. Denn das sind die besten Mannschaften Europas.

Kiel scheint sich immer besser zu finden und ist nun in der DKB HBL relativ souverän unterwegs, auch wenn sie gegen Erlangen nur knapp mit 23:22 gewonnen haben. An dieser Stelle muss ich dem Außenseiter für diese kämpferische Leistung großen Respekt aussprechen. Sie haben Kiel super Paroli geboten.

Die SG Flensburg-Handewitt hat dem FC Barcelona, die vermeintlich beste Mannschaft Europas, in der Neuauflage des denkwürdigen Halbfinales der vergangenen Saison auch einen guten Fight geliefert und seinen Zuschauern ein großes Handballspiel geliefert.

Aber man muss auch ehrlich sagen: Barcelona ist da eine Nummer zu groß, vom Kader her einfach besser aufgestellt.

Das zeigt nur noch einmal, wie groß die "Flensation" im Halbfinale im Mai war, als die SG dieses eigentlich verlorene Spiel mit unorthodoxen Mitteln überraschend noch gedreht hat.

Und Flensburg ist mit seiner mannschaftlichen Geschlossenheit, wie sie kaum ein anderes Team hat, für eine solche Überraschung gut.

In der HBL hat der HSV Hamburg im Verfolgerduell mit den Füchsen Berlin einen deutlichen Sieg gefeiert. Die Wandlung, die der HSV genommen hat, hat auch mich überrascht.

Vor der Saison hatte ich ihnen nicht viel zugetraut.

Aber mit welcher Leidenschaft und Einstellung die Spieler gegenüber dem der Verein, den Fans und der Stadt agieren, ist beeindruckend. Hervorheben muss man hier Trainer Christian Gaudin, der diese Mannschaft zu einer echten Einheit geformt hat.

Das Team ist fit und gibt immer alles. Ein gutes Beispiel ist Adrian Pfahl, der sich noch einmal verbessert hat. Dass die Verantwortung auf der halbrechten Position ganz alleine auf seinen Schultern ruht, gibt ihm sicherlich Selbstvertrauen. Er scheint auf dem Weg zurück zu alter Stärke zu sein.

Ich will für die Hamburger jetzt keine Luftschlösser bauen. Ein Platz unter den ersten zehn, der vor der Saison als Ziel ausgegeben wurde, ist realistisch. Auch der Europacup könnte nach dieser Entwicklung schon wieder eine Möglichkeit sein.

Mit den Champions-League-Plätzen hat der HSV jedoch nichts zu tun, das dürfte klar sein. Aber die Entwicklung ist sympathisch. Der Weg in Hamburg ist ein sehr schwerer - Spieler und Trainer haben sich da aber nichts vorzuwerfen.

Die Füchse haben dagegen mit den Ausfällen von Abwehrchef Denis Spoljaric und Regisseur Bartlomiej Jaszka zu kämpfen. Die Beiden haben die Erfolge der letzten Jahre mitgarantiert und ihr Fehlen schlägt gegen sehr gute Mannschaften ordentlich ins Kontor. Du kannst sie nicht Eins-zu-Eins ersetzen.

Berlin hat ein durchwachsenes Jahr vor sich, aber man muss das relativieren. In den letzten Spielzeiten haben sie immer viel mehr aus ihren Möglichkeiten gemacht und das absolut Maximale rausgeholt.

Sicherlich gehen die Füchse auch wirtschaftlich gewissen Grenzen entgegen. Man muss in Berlin realistisch und nüchtern sein. Da muss sich das Team jetzt durchbeißen und auch darauf hoffen, dass Jaszka und Spoljaric möglichst bald wiederkommen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 41, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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