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Bob Hanning (l.) und Bernhard Bauer hatten nicht das beste Verhältnis © imago

München - Bernhard Bauers Rücktritt reißt beim DHB alte Wunden auf, die offene Nachfolge rückt Reizfigur Bob Hanning in den Fokus. Andreas Thiel erteilt dem Präsidenten-Amt bei SPORT1 eine Absage.

Nur gut eineinhalb Jahre hat es Bernhard Bauer als Präsident des Deutschen Handballbundes ausgehalten, so muss man es wohl formulieren. Und mit einem Schlag liegen die notdürftig zugeschütteten Gräben wieder offen.

Wenig unverblümt gab Bauer am Montag anlässlich seines überaschenden Rücktrittes zu Protokoll, er habe "erkennen müssen, dass immer wieder Eigeninteressen eine gewichtige Rolle spielen".

Schon Anfang des Jahres hatte er seinem Vize Bob Hanning Alleingänge und mangelnde Teamfähigkeit vorgeworfen, und auch diesmal dürfte zwischen den Zeilen der ambitionierte Berliner gemeint sein. Der beim All Star Game Anfang Februar geschlossene Burgfrieden der beiden war ganz offensichtlich von Beginn an brüchig.

"Ein echter Rückschlag"

Kalt erwischt von den Entwicklungen wurde auch Torwartlegende Andreas Thiel. "Das ist ein echter Rückschlag und tut uns weh", sagte er im Gespräch mit SPORT1: "Bernhard Bauer hat uns gerade international wieder einen ordentlichen Stellenwert verschafft."

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar lobte Bauer zudem als Vermittler: "Die Kommunikation zwischen dem DHB und der Liga ist in letzter Zeit immer besser geworden", sagte der Ex-Nationalspieler: "Auch das war zum großen Teil ein Verdienst von Bernhard Bauer."

Generalsekretär Schober übernimmt

Thiel, praktizierender Anwalt und Justitiar der DKB Handball-Bundesliga stellte aber auch klar: "Der DHB ist weiter handlungsfähig und hat mit Mark Schober einen absoluten Fachmann an der richtigen Stelle."

Schober, der erst Mitte 2014 von Bauer installierte Generalsekretär, oder die fachlich zuständigen fünf Vizepräsidenten - darunter Hanning - übernehmen vorerst Bauers Aufgaben.

Bei einem noch nicht terminierten außerordentlichen Bundestag soll dann ein neuer Präsident gewählt werden. Schober betonte zwar, durch Bauer seien "maßgebliche Weichen" gestellt worden, und sagte: "Unsere Aufgabe ist es nun, diesen Prozess unabhängig von den handelnden Personen im Sinne der Sache erfolgreich fortzusetzen."

Reizfigur Hanning im Fokus

Doch mittelfristig muss das oberste Amt im deutschen Handball natürlich neu besetzt werden. Weltmeister-Trainer Heiner Brand schien prädestiniert, sagte jedoch umgehend ab.

"Es ist mir schon klar, dass mein Name wieder ins Spiel gebracht wird, aber ich habe eine andere Lebensplanung", sagte der 63-Jährige zu Sky.

Bob Hanning-DHB
Bob Hanning ist seit September 2013 Vizepräsident des DHB © Getty Images

Auch dem von Kretzschmar ins Spiel gebrachte Martin Schwalb wird kein guter Draht zu Hanning nachgesagt.

Thiel wäre als Anwalt und mit der entsprechenden sportlichen Reputation ein Kandidat, wiegelte im Gespräch mit SPORT1 aber ab: "Keine Ambitionen".

Nicht wenige vermuten, dass Hanning selbst nach dem Posten strebt, was allerdings mit seinem Job als Geschäftsführer der Füchse Berlin kaum vereinbar wäre.

Den Rücktritt Bauers ließ Hanning bislang unkommentiert, war auch für SPORT1 am Dienstag nicht zu erreichen. Die Affäre dürfte jedenfalls auch an seiner Person nicht spurlos vorübergehen.

Große Aufgaben vor der Tür

Und aktuell ist völlig unklar, wer das schlingernde Schiff wieder auf Kurs bringen soll. Schließlich stehen große Ziele an: Die Frauen-WM 2017 im eigenen Land, die Ausrichtung der Männer-WM 2019 zusammen mit Dänemark, das Projekt Olympiagold 2020.

Apropos Olympia: Bauer soll sich zuletzt im Rennen um die Spiele 2024 zwischen Hamburg und Berlin für die Hansestadt  stark gemacht haben. Und damit gegen die Hauptstadt.

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