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Hannover - Der DHB hat nach dem langen Machtkampf wieder einen Präsidenten, aber 46 Nein-Sager werden dem Gespann Michelmann und Hanning das Leben nicht leicht machen.

Als strahlender Sieger gab der neue DHB-Boss sich nicht. Dazu waren die Vorzeichen dann doch zu zwiespältig.

73 von 119 Delegierten stimmten am Samstag beim Verbandsbundestag in Hannover für Andreas Michelmann als neuen Präsidenten - das ist noch nicht mal eine Zweidrittel-Mehrheit.

Zu großer Euphorie besteht da kein Anlass, das weiß der Bürgermeister von Aschersleben. Aufräumarbeiten sind das Gebot der Stunde.

"Das Vertrauensverhältnis zwischen Präsidium und Landesverbänden wiederherstellen", nannte bei SPORT1 als wichtiges Ziel seiner Regentschaft. Er weiß ja, dass dieses "im letzten halben Jahr ein bisschen gelitten hat". Wohl wahr.

46 kritische Nein-Sager

Dass das die 46 Nein-Sager Michelmanns Arbeit in den kommenden zwei Jahren mit Argusaugen beobachten werden, daran ließen die Kritiker keinen Zweifel.

Hans Artschwager, Präsident des mächtigen Landesverbandes Württemberg ließ es sich nicht nehmen, unmittelbar vor der Wahl zum wiederholten Mal auf das Misstrauen der Landesverbände in die Arbeit des Präsidiums hinzuweisen.

"Die Landesverbände sind der Leuchtturm, die Basis, aber eine anständige Kommunikation seitens der Verbandsspitze gibt es nicht", sagte Artschwager.

Lobende Worte für Hanning

Genau da will Michelmann ansetzen. "Ein direktes Gespräch ist durch nichts zu ersetzen", sagte der 55-Jährige. Und er kann das - im Gegensatz zu seinem Vorgänger - auch mit Reizfigur Bob Hanning führen.

Seinen Vizepräsidenten Leistungssport, mit dem der im März überraschend zurückgetretene Bernhard Bauer um keinen Preis mehr zusammenarbeiten wollte, schätzt Michelmann als "einen Mann des offenen Wortes".

Keinesfalls wolle er, wie es Bauer nach eigener Aussage bisweilen getan hat, "nachzählen, wie oft Bob Hanning in einem Interview das Wort 'ich' benutzt".

Hanning ist "sehr, sehr zufrieden"

Hanning selbst, am Tag der Präsidentenwahl von Bauer im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung noch einmal heftig attackiert, blieb wie immer in den vergangenen Monaten äußerlich gelassen.

"Sehr, sehr zufrieden" zeigte er sich bei SPORT1 mit Michelmanns Wahl. Die Attacken auf seine eigene Person nahm er derweil kühl hin.

Er habe einen Machtkampf "weder gewollt noch geführt", sagte der Manager des Bundesligisten Füchse Berlin, der bis 2020 Vizepräsident des DHB bleiben: "Ich habe dieses Amt nicht angetreten, um neue Freunde zu gewinnen. Aber wenn man alte Zöpfe abschneidet und etwas bewegen will, findet das eben nicht jeder gut."

Ruhe? Eher nicht

Am Montag also geht der DHB mit seinem neuen Präsidenten und neuer Zuversicht in die Zukunft. Die ist zunächst auf zwei Jahre angelegt, dann finden auf dem ordentlichen Bundestag im Herbst 2017 erneut Wahlen statt.

Ob er denn die Hoffnung habe, bis dahin in Ruhe arbeiten zu können, wurde Michelmann in Hannover gefragt: "Das würde mich sehr überraschen."

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