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Markus Baur wurde 2007 mit der deutschen Mannschaft Weltmeister © SPORT1 Grafik: Gabriel Fehlandt/Getty Images/dpa Picture Alliance

München - Die Änderungen im Handball schlagen hohe Wellen. Bei SPORT1 berichtet Ex-Weltmeister und Junioren-Nationaltrainer Markus Baur von seinen Erfahrungen und zeigt Folgen auf.

Ab dem 1. Juli 2016 wird sich der Handball verändern.

Wie der Weltverband IHF am Montag mitteilte, gelten ab diesem Zeitpunkt die im Oktober ausgearbeiteten Regeländerungen.

Diese Änderungen besagen unter anderem, dass durch die Einführung einer Blauen Karte im Handball zukünftig Platzverweise nachvollziehbarer weitere Strafen wie Sperren nach sich ziehen. Auch das Zeitspiel wird grundlegend überarbeitet.

Nun ist von einer Regel-Revolution die Rede. Doch wie drastisch sind die Neuerungen wirklich - und wie sind sie zu bewerten?

Baur zieht positives Fazit

"Ich finde keine einzelne Regel unschlüssig", sagte Markus Baur im Gespräch mit SPORT1.

Der Weltmeister von 2007 kennt den Großteil der neuen Regularien bereits. Bei den Junioren- und Jugend-Weltmeisterschaften 2015 wurden die Neuerungen bereits getestet. Baur, der für die DHB-Junioren als Trainer verantwortlich ist, machte in Brasilien "gute Erfahrungen."

Positiv bewertet Baur beispielsweise, dass ein verletzungsbedingt behandelter Spieler das Feld verlassen muss und erst nach drei abgeschlossenen Angriffen seiner Mannschaft wieder zurückkehren darf.

Sieben gegen sechs? Kein Handball mehr

"Es gab im gesamten Turnierverlauf nur zwei oder drei Spieler, die bei einer Verletzung liegengeblieben sind. Die hätten aber ohnehin nicht weiter spielen können. Es gab so gut wie keine Unterbrechungen", erklärte der zweimalige Handballer des Jahres (2000 und 2002).

Dass ein Feldspieler, der für einen Torwart fliegend eingewechselt wird, zukünftig kein spezielles Leibchen mehr tragen muss, wird laut Baur "zur Folge haben, dass viel mehr sieben gegen sechs gespielt wird. Das ist eigentlich nicht mehr Handball."

Als Kritik will der 45-Jährige diese Aussage aber nicht verstehen. "Diese Regel ist so bei uns nicht getestet worden. Das heißt nicht, dass es schlecht sein muss. Handball wird noch schneller und interessanter." Auf jeden Fall sieht er darin einen Überraschungseffekt: "Vielleicht wird sich durch diese Regel etwas ändern, woran wir noch gar nicht denken."

Nicht mehr "gewartet, gewartet und gewartet"

Weniger dramatisch sieht Baur die Veränderungen bezüglich des Zeitspiels. Nach der Anzeige des "passiven Spiels" durch die Schiedsrichter sind für das angreifende Team nur noch maximal sechs Pässe erlaubt, bevor die Referees das Zeitspiel abpfeifen. Bislang lag diese Entscheidung im Ermessen der Schiedsrichter.

"Darüber werden sich die Trainer und Mannschaften Gedanken machen. Wenn es jetzt heißt, dass man nur noch fünf bis acht Pässe spielen kann, wird es Abschlüsse in dieser Phase geben und nicht gewartet, gewartet und gewartet bis der Schiri meint, es sei doch Zeitspiel", glaubt Baur.

Auf die Leute am Kampfgericht komme mehr Verantwortung zu, da sie aufpassen müssen, dass "kein Spieler zu früh wieder das Feld betritt." Insgesamt aber würden die Regel-Änderungen eine Vereinfachung bewirken und "den Mannschaften und den Schiedsrichtern helfen, da alles klarer geregelt ist."

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