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Dominik Klein erzielte für Kiel gegen Veszprem den entscheidenden Treffer
Dominik Klein erzielte für Kiel gegen Veszprem den entscheidenden Treffer © Getty Images

Dominik Klein wirft beim Sieg des THW Kiel gegen Veszprem das entscheidende Tor und feiert ein Traumcomeback. Doch viele dieser Momente wird es nicht mehr geben.

In seinem letzten Angriff hat der THW Kiel die Chance zum Sieg. Im Champions-League-Spiel gegen den MKB Veszprem steht es zehn Sekunden vor dem Ende 24:24.

Marko Vujin sieht, dass sich Dominik Klein von der Defensive der Ungarn weggeschlichen hat und passt seinen Linksaußen an.

Die Halle hält für einen kurzen Moment die Luft an - und explodiert dann komplett. Denn Klein überwindet Torwart Roland Mikler, wirft Kiel zum 25:24-Sieg und sorgt für ein märchenhaftes Comeback.

Ein Traumcomeback

Denn Klein war nach seinem im März erlittenen Kreuzbandriss und monatelanger Zwangspause erst vier Minuten zuvor aufs Parkett zurückgekehrt.

Während andere nach einer langen Pause in einem bereits entschiedenen Bundesligaspiel wieder etwas Spielpraxis sammeln, schickte Trainer Alfred Gislason den 31-Jährigen in der Königsklasse in der heißen Schlussphase gegen den Tabellenführer aufs Feld.

Die Zuschauer feierten erst seine Einwechslung, dann seinen Ausgleichstreffer im zweiten Versuch zum 23:23 - und schließlich den Höhepunkt. "Das ist ein toller Moment. Das kann ja so keiner besser schreiben", sagte Klein bei Sky.

In diesem Moment schien alles perfekt zwischen Klein und dem THW. Auch wenn sich die Wogen spätestens am Sonntag wieder geglättet haben - das Verhältnis zwischen dem Rekordmeister und der Identifikationsfigur hatte in den letzten Wochen etwas gelitten.

Abschied im Sommer

Denn Kleins Kapitel bei den Norddeutschen endet im Sommer nach neun Jahren. Die Zebras hätten ihr dienstältestes Mitglied zwar gerne behalten, allerdings nur für ein Jahr. Zu wenig für den Publikumsliebling, der in Zukunft für den französischen Erstligisten HBC Nantes aufläuft.

Final Germany v Poland Handball World Championship
Dominik Klein (l.) ist das letzte Mitglied der WM-Mannschaft von 2007, das seitdem in Kiel geblieben ist © Getty Images

"Ich hatte mir gewünscht, meine Karriere in Kiel zu beenden. Ich fühle mich noch voll im Saft und habe nicht vor, nach einem weiteren Jahr sportlich meine Segel zu streichen", bekannte Klein Anfang November in den Kieler Nachrichten. Er verhehlte auch nicht, dass er "schon enttäuscht" darüber war, dass es anders kam.

Neben einem "sportlich großen Anreiz" und einem "guten Bauchgefühl" sei seine Freude darüber, dass "der Trainer auf mich baut", entscheidend gewesen. Die Kieler wollten nur noch kurzfristig auf den Weltmeister von 2007 bauen.

Fans äußern Unverständnis

Sportlich gesehen ist die perspektivische Planung der Kieler, bei denen Rune Dahmke und ab Sommer Raul Santos (kommt vom VfL Gummersbach) die Lücke schließen sollen, nachvollziehbar.

Mit Santos könnten sich die Kieler "sicherlich zukunftsorientierter aufstellen", sagte vergangene Woche auch SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar in seiner Kolumne: Mit Dahmke und Santos hätten sie natürlich eine hervorragende Linksaußen-Besetzung."

Viele Fans äußerten dennoch ihr Unverständnis, denn der Sympathisant setzte sich stark für den Nachwuchs ein und ist omnipräsenter Werbeträger des Klubs. Schon vor dem Spiel gegen Veszprem wurde er von den Anhängern "berührend" begrüßt.

"Ich werde jeden Moment in der Sparkassen-Arena mit euch aufsaugen und genießen", hatte das "Vollblut-Zebra" nach seiner Wechselankündigung gesagt.

Einen besseren Anfang der Abschiedstournee hätte sich Klein nicht vorstellen können.

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