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SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar schwärmt in seiner Kolumne von Uwe Gensheimer © SPORT1 Grafik: Paul Haenel/Imago

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne den Champions-League-Start. Kiel und Uwe Gensheimer beeindrucken, den Löwen traut er trotz Remis Großes zu.

Hallo Handball-Fans,

was für ein super Fight des THW Kiel!

Das war ein echtes Achtungszeichen gegen Paris Saint-Germain - eine Mannschaft mit einem Etat von 19 Millionen Euro und der große Favorit auf den Titel.

Dass Uwe Gensheimer dort relativ schnell Fuß gefasst hat und mit zehn Treffern gleich bester Werfer der Partie war, überrascht mich nicht. Er ist ein Weltklassespieler und würde in jedem Verein der Welt eine große Rolle spielen.

Gensheimer ist ein außergewöhnlicher Linksaußen, der in einer Eins-gegen-Eins-Situation gegen den Torwart über unglaubliche Wurfvarianten verfügt und vielleicht das beste Handgelenk auf diesem Planeten hat.

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Doch auch das hat gegen den THW nicht gereicht. Paris gleich am Anfang zu schlagen, gibt Kiel Selbstvertrauen und Auftrieb auch für die Liga.

Für Kiel kommt dieser Sieg genau zum richtigen Moment. In der Art und Weise hätte man das nicht erwarten können. Deswegen kann man davon ausgehen, dass die Kieler mit breiter Brust in die nächsten Spiele gehen werden.

Sie haben in der Liga in Wetzlar schon einmal Federn gelassen und noch nicht so richtig zum Spielsystem gefunden. Gegen Paris hat man das Potenzial der Kieler gesehen.

Das Unentschieden der SG Flensburg-Handewitt gegen Veszprem ist keine gefühlte Niederlage, sondern ein Punktgewinn gegen einen Mitfavoriten auf den Titel. Die Ungarn waren auch in der vergangen Saison im Final Four. Das ist eine der besten europäischen Mannschaften. Insofern ist alles in Ordnung.

Die Rhein-Neckar Löwen haben die vermeintlich leichtere Gruppe, sind aber auch mit einem Remis gestartet. Pick Szeged ist aber vor allem auswärts ein unangenehmer Gegner, da kann man unentschieden spielen. Das ist keine große Überraschung.

Kim Ekdahl du Rietz hat dabei wie schon in Leipzig das entscheidende Tor gemacht. Das ist nicht überraschend, aber ich würde mir von ihm ein bisschen mehr Konstanz wünschen.

Er ist der stärkste Eins-gegen-Eins-Spieler der Löwen. Mit seiner Wucht und seiner Durchschlagskraft ist er prädestiniert dafür, in der entscheidenden Phase noch mal den Akzent zu setzen.

Dieses Niveau, das er jetzt zweimal in der Schlussphase abgerufen hat, muss er bei einer Spitzenmannschaft wie den Löwen konstanter bringen. Er muss mehr Verantwortung übernehmen und bei seiner Wurfauswahl ein bisschen effektiver werden.

Die Mannschaft wurde nach dem Abgang von Gensheimer mit Gudjon Valur Sigurdsson und Dejan Manaskov sportlich adäquat ergänzt. Sigurdsson hat mich bisher überzeugt. Er hat unfassbares athletisches Niveau. Man merkt ihm seine 37 Jahre überhaupt nicht an. Er ist eine absolute Verstärkung für die Löwen.

Auch wenn sie bei der bislang einzigen Niederlage gegen Flensburg einen schlechten Tag hatten, sind die Löwen in dieser Saison in der Lage, Großes zu erreichen.

Eurer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 43, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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