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Die Füchse Berlin gewannen 2014 den ersten Titel der Vereinsgeschichte
Die Füchse Berlin gewannen 2014 den ersten Titel der Vereinsgeschichte © Getty Images

Hamburg - Der Pokaltriumph stürzt die Füchse in kollektiven Freudentaumel, ein weiterer Titel ist drin. Die SG Flensburg leidet unfassbar.

Vom Final Four berichten Julian Meißner und Anett Sattler

Hamburg - Während die Party in der Kabine unter Orchestrierung von DJ Iker Romero ihren Lauf nahm, platzte der Architekt des Erfolges wenige Meter weiter fast vor Stolz.

Doch Bob Hanning wäre nicht er selbst, hätte er nicht gewusst, dass dieser Moment kommen würde.

Und so war alles vorbereitet für den größten Tag in der Vereinsgeschichte der Füchse Berlin mit dem überraschenden Pokalsieg, den der Manager in vollen Zügen genoss.

Abwehrschlacht gegen den Favoriten

"Das ist ein Traummoment, jetzt hier nach zehn Jahren harter Arbeit stehen zu dürfen", sagte Hanning, gekleidet in ein grünes Pokalsieger-Shirt: "Das ist etwas ganz Besonderes, an das man sich noch viele Jahre später erinnern wird."

22:21 (11:11) hieß es am Ende einer Abwehrschlacht gegen die zuvor etwas höher eingeschätzte SG Flensburg-Handewitt, die ihr viertes Pokalfinale in Folge verlor.

"Die Titelsehnsucht, die maximale Bereitschaft, um jeden Millimeter des Feldes zu kämpfen, hat den Ausschlag gegeben", erklärte Hanning: "Und es war natürlich eine überragende Abwehr mit einem überragenden Torhüter notwendig."

Spielmacher Jaszka lobt Heinevetter

Silvio Heinevetter war der entscheidende Faktor, da waren sich alle einig. Auch Spielmacher Bartlomiej Jaszka meinte im Gespräch mit SPORT1: "Wir haben überragend gekämpft. Und Heine und die Abwehr waren einfach super, so konnten wir leichte Tore machen."

Neben dem bescheidenen Matchwinner zwischen den Pfosten ("Ich bin brutal stolz auf das Team"), der zum besten Torhüter des Wochenendes gekürt wurde, zeichnete sich vor allem Konstantin Igropulo verantwortlich für den Erfolg (DATENCENTER: Der DHB-Pokal).

Der Linkshänder, mit 16 Toren erfolgreichster Werfer beim Final Four, traf am Sonntag neunmal und wollte nach dem Abpfiff die ganze Welt umarmen.

"In vier Monaten werde ich Vater, morgen habe ich Geburtstag. Alles ist perfekt", sagte er bei SPORT1. Als Souvenir sicherte er seiner Liebsten den Spielball, den er sich symbolisch unter das Trikot steckte - in der Kabine zog er blank und schickte ein Foto von sich selbst, nur mit dem Pokal bekleidet, in die soziale Medienwelt.

Hanning hatte da schon weltlichere Gedanken und schwenkte den Blick in die Zukunft, in der schon bald das Final Four um den EHF-Pokal in heimischer Halle ansteht.

"Für die Außendarstellung ist es in einer Metropole wie Berlin natürlich elementar wichtig, zu zeigen, dass man es kann", ordnete er die Bedeutung des Titels für das Projekt Füchse ein: "Ich erhoffe mir eine noch größere Akzeptanz in der Stadt. Und ich hoffe, dass wir, jetzt wo wir wissen, wie man Titel gewinnt, vielleicht sogar in vier Wochen den ersten europäischen Titel gewinnen können. Aber jetzt wollen wir es erst einmal das hier genießen."

Von Genießen konnte auf Flensburger Seite dagegen nach der vierten Finalniederlage im DHB-Pokal in Folge keine Rede sein, die Spieler waren schlichtweg am Boden zerstört.

Vranjes ringt nach Worten

Kurz nachdem sie, Jacob Heinl mit einem lauten Fluch, das Gros schweigend und mit gesenktem Kopf, in der Kabine verschwunden waren, versuchte der ebenfalls sichtlich angegriffene Trainer Ljubomir Vranjes Worte zu finden.

"Es ist einfach brutal", sagte der kleine Schwede dann mit starrer Miene: "Ich bin leer, kann fast nicht atmen. Mein Herz tut weh."

Geschäftsführer Dierk Schmäschke suchte die Schuld bei den Schiedsrichtern und berichtete unumwunden, er fühle sich angesichts der letzten zwei Spielminuten "verpfiffen".

"Wir werden wiederkommen"

Und bei Holger Glandorf, der mit seinem Team in der ersten Halbzeit schon mit fünf Toren vorne gelegen hatte, klang es wie das Pfeifen im Walde als er meinte: "Wir werden wiederkommen."

Vier Niederlagen in vier Finals in Folge – den Flensburgern muss die Berliner Quote mit dem Titelgewinn direkt bei der ersten Teilnahme am Final Four wie ein Hohn vorkommen.

Und während die SG ihre Heimreise in den hohen Norden betrübter Stimmung antrat, machten sich die Berliner auf zum Feier-Marathon: Los ging es beim Italiener in Hamburg-Altona, wo die von Hanning einst zu Hamburger Zeiten kreierten "Antipasti a la Bob" aufgefahren wurden.

Weitere Details der Feier waren noch zu klären, die Fahrt hatte Hanning für die Partygesellschaft vorsorglich organisiert. Je nach Laune von DJ Iker dürfte es laut geworden sein im Zug zurück nach Berlin.

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