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Die Spieler der SG Flensburg-Handewitt feiern den Einzug ins Finale des REWE Final Four
Die Spieler der SG Flensburg-Handewitt feiern den Einzug ins Finale des REWE Final Four © Imago

Hamburg - Flensburg stürzt die Löwen im Pokalhalbfinale spektakulär ins Tal der Tränen - der eigene Fluch ist aber noch nicht besiegt. Letzte Hürde auf dem Weg zum Titel ist der kampfstarke SCM.

Die Bühne war perfekt gerichtet, und der Hauptdarsteller wusste sie zu nutzen.

Direkt vor der ganz in Rot getauchten Kurve der eigenen Fans wehrte sich die SG Flensburg-Handewitt mit Händen und Füßen gegen die drohende Verlängerung.

Jim Gottfridsson war es dann, der ein denkwürdiges Halbfinale beim REWE Final Four in Hamburg entschied. Der Schwede verwandelte aus dem Rückraum unmittelbar vor der Schlusssirene, die SG-Fans rasteten völlig aus, Gottfridsson selbst versank in der Jubeltraube unter seinen Mitspielern.

„In dem Spiel war alles drin“, sagte Rechtsaußen Lasse Svan, und Kapitän Thomas Mogensen charakterisierte die packende Partie treffend: „Schöner Handball war es nicht, aber ein geiler Fight“.

24:23 (10:10) hieß es am Ende einer Abwehrschlacht für Flensburg gegen die leicht favorisierten Rhein-Neckar Löwen.

Löwen bleibt Titel erneut verwehrt

Die unterlegenen Mannheimer stürzten einmal mehr ins Tal der Tränen. Trotz elf Treffern des überragenden Nationalmannschaftskapitäns Uwe Gensheimer verlassen sie Hamburg  auch nach dem achten Anlauf beim Final Four mit leeren Händen.

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Nikolaj Jacobsen war nach der Niederlage mitgenommen © Getty Images

„Die Mannschaft tut mir leid. Wir hatten alle Chancen, das Spiel zu gewinnen“, sagte der sichtlich angegriffene Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen.

Die Flensburger dagegen stehen nun zum sage und schreibe fünften Mal in Folge im Pokalfinale. Dort geht es am Sonntag (14.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) gegen Magdeburg.

Magdeburg will Durststrecke beenden

Der SCM setzte sich nach einer deutlichen Leistungssteigerung im zweiten Durchgang mit 27:26 (12:15) gegen Titelverteidiger Füchse Berlin durch und verhinderte eine Neuauflage des Finales 2014.

Die Magdeburger greifen damit nach dem ersten Titel nach dem Sieg im EHF-Cup 2007. „Das wäre natürlich von immenser Bedeutung für den Verein“, sagte Kapitän Fabian von Olphen zu SPORT1 und kündigte an: „Wir werden in jeder Aktion kämpfen.“

Ebenso für Kampfeslust aber vor allem für Drama stehen die Flensburger. „So macht es doch viel mehr Spaß“, antwortete Svan schmunzelnd auf die Frage, ob sein Team auch noch Spiele ohne derart wilde Wendungen abliefern könne.

Flensburg dreht die Partie

Denn Mitte der zweiten Halbzeit hätten wohl nur noch wenige der 13.300 Zuschauer in der ausverkauften Hamburger Arena ihr Geld auf die SG setzen wollen. Mit vier Toren lagen die Flensburger zurück, die Löwen hatten deutlich Übergewicht.

Stück für Stück aber kämpfte sich das Team von Ljubomir Vranjes wieder heran. Der frisch gekürte „Trainer des Jahres“ des Weltverbandes IHF brauchte in den Schlusssekunden dann eine gehörige Portion Glück, um noch als Sieger vom Feld zu gehen. „Viel hätte ich nicht darauf gegeben, dass der reingeht“, meinte Mogensen über den nicht unhaltbaren Ball von Gottfridsson.

Dramatisches Finale steht bevor

Nun also das fünfte Pokalfinale in Folge. Viermal haben sie verloren, weshalb man spätestens im letzten Jahr auch nicht mehr umhin kam, einen Fluch zu bemühen.

2014 allerdings tröstete sich die SG mit dem sensationellen Gewinn der Champions League, diese Chance haben sie dieses Jahr nicht.

Dafür sollte das Wissen, diese großen Spiele gewinnen und vor allem auch noch drehen zu können, ihr am Sonntag gegen den SCM einen leichten Vorteil verschaffen.

 „Wir haben die Erfahrung aus vielen Finals – wir werden sehen, ob es hilft“, meinte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.

So oder so: Man muss mit Drama rechnen.

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