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Christian Dissinger
Stefan Kretzschmar schwärmt von Kiels Christian Dissinger © SPORT1 Grafik: Philipo Heinemann/dpa Picture Alliance

München - SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar fiebert den Pokalkrachern auf SPORT1 entgegen. Von THW-Überflieger Dissinger schwärmt er. Heinevetter wird er bei der EM vermissen.

Hallo Handball-Fans,

Das Extra-Kribbeln DHB-Pokal darf sich kein Handball-Fan entgehen lassen!

Die beiden Spiele der vier besten Mannschaften in Deutschland sind das Highlight. Diese Do-or-Die-Spiele sind auch für die vier Mannschaften etwas Besonderes. Das Ergebnis ist bei beiden Spielen offen.

Selbst die Rhein-Neckar Löwen sind zu schlagen - die MT Melsungen hat in eigener Halle gezeigt, wie es geht. Man kann von Melsungen ordentlich Gegenwehr erwarten. Und die Löwen müssen bereit sein, diesen Kampf anzunehmen (Mittwoch, ab 19.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

Die drei Liga-Niederlagen zuletzt haben den ganz großen Hype in Melsungen ein bisschen geschmälert, ändern aber nichts daran, dass diese Mannschaft die Löwen noch einmal schlagen kann.

Die SG Flensburg-Handewitt spielt im denkbar schwersten Moment gegen den THW Kiel (Mittwoch, ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM), der gerade auf seinem bestmöglichen Niveau spielt. Die erste Halbzeit beim 38:33-Sieg in Leipzig war die beste, die ich seit langer Zeit vom THW gesehen habe.

Gegen Flensburg sind sie daher zum jetzigen Zeitpunkt der leichte Favorit. Weghauen wird der Rekordmeister die SG aber nicht, dafür ist Flensburg zu stark.

Der THW braucht wegen der harten Vorbereitung immer eine gewisse Zeit, um in die Saison zu kommen. Jetzt sind sie auf dem Zenit. Alle Spieler sind in einer überragenden Verfassung, allen voran Christian Dissinger, der gegen Leipzig nach Belieben getroffen hat. Der 24-Jährige ist in der Form seines Lebens. So stark habe ich ihn noch nie gesehen. Um als legitimer Nachfolger von Filip Jicha zu gelten, hat er noch einen weiten Weg vor sich, aber er hat sich toll entwickelt.

Bei seiner Verpflichtung im Sommer hat man sich noch gefragt, ob es so ein junger Mann, der so viele Verletzungen gehabt hat, beim THW schaffen kann. Er hat alle Kritiker eines Besseren belehrt.

Das ist für mich der Beweis, dass Trainer Alfred Gislason mit jungen Spielern arbeiten kann und dass sich junge deutsche Spieler auch beim THW durchsetzen können.

Das ist auch schön für uns im Hinblick auf die Europameisterschaft, schließlich wurde Dissinger ja auch von Dagur Sigurdsson für die Nationalmannschaft nominiert.

Überhaupt hat der Bundestrainer bislang für meine Begriffe alle Personalentscheidungen herausragend gefällt, denn er hat immer wieder junge Spieler in den Kader eingebaut.

Die Nicht-Nominierung von Silvio Heinevetter ist - wie Sigurdsson schon gesagt hat - keine Entscheidung gegen ihn, sondern für die herausragende Saison der anderen beiden anderen Torhüter Carsten Lichtlein und Andreas Wolff.

Ich glaube nicht, dass sich Heinevetter durch sein extrovertiertes Auftreten und seine Kritik an der Verbandsspitze geschadet hat. Sigurdsson interessiert so etwas nicht. Er schaut nur, ob ein Spieler teamfähig ist und da hat sich Heinevetter in meinen Augen nie etwas zu Schulden kommen lassen.

Ich hätte jemanden wie ihn immer gerne in einer Mannschaft. Er ist der Mann für das Besondere, er kann sich psychologisch im Kopf des Gegners festsetzen. Er ist niemand, der eine Mannschaft zerstört, sondern sich in ihren Dienst stellt.

Und er hasst es zu verlieren - wie ich früher auch. Damit pusht er eine Mannschaft und reißt sie mit.

Das wird uns in dieser Art und Weise bei der EM fehlen. Denn wir haben eigentlich niemanden, der so eine besondere Rolle ausfüllen kann.

Euer Kretzsche,

Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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