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Die SG Flensburg-Handewitt ist zum Start der Königsklasse bei KIF Kolding Kopenhagen untergegangen

SPORT1-EXperte Stefan Kretzschmar sieht die Vorherrschaft der deutschen Teams in Europa bedroht. Andere Länder würden aufholen.

Hallo Handball-Fans,

zum Start der Champions League haben wir Licht und Schatten der Teams aus der DKB Handball-Bundesliga gesehen.

Die Rhein-Neckar Löwen haben ihre Aufgabe gegen Montpellier gut gelöst und den Pflichtsieg in der Todesgruppe geschafft.

Das Team wirkt schon früh in der Saison extrem homogen und sammelt mit solchen Siegen immer mehr Selbstvertrauen, udem spielt Andy Schmid gerade auf einem unglaublich hohem Niveau.

Den Löwen ist dieser Saison sowohl in der Liga als auch in der Champions League sehr viel zuzutrauen.

Weniger gut lief es für den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt, gerade die Flensburger haben bei KIF Kolding Kopenhagen eine Riesenklatsche bekommen.

Die Dänen haben zwar ganz stark gespielt haben - vor allem Kim Andersson, der frühere Kieler -, dass man so auseinandergenommen wird, war aber sicher nicht zu erwarten. Das war schon heftig.

Es liegt gerade nach dem Auftritt in Magdeburg nahe, dass die Klub-WM doch mehr Kraft gekostet haben könnte. Es zeigt sich aber auch, dass die Abgänge von Steffen Weinhold und Michael Knudsen dem Team richtig wehtun.

Beide waren Persönlichkeiten, die das Team auf und neben dem Platz geführt haben. Gerade Knudsen, der abgezockte Hund, fehlt sowohl im Deckungszentrum als auch im Angriff, wenn es in den wichtigen Spielen um die Wurst geht.

Flensburg wird diese Lücken nicht mit ihren jungen Spielern kompensieren können. Erst recht nicht von heute auf morgen. Man hat sich nach meiner Ansicht auch eher ergänzt als verstärkt.

Die Mannschaft wird noch einige Zeit brauchen, bis sie wieder ihr hohes Niveau erreicht.

Flensburg sollte sich in der Liga drauf konzentrieren wieder die Champions League zu erreichen. So eine Überraschung wie der Titel dort letztes Jahr: fast unmöglich. Die "Flensation" muss in der Stadt noch die nächsten zehn Jahre gefeiert werden.

Der Auftakt der Kieler überrascht mich viel mehr. Anscheinend kann auch eine solche Startruppe den Ausfall von Filip Jicha nicht verkraften.

Zagreb hat aber auch einfach eine kämpferisch starke und leidenschaftliche zweite Halbzeit gespielt. Auch in der Bundesliga hat Kiel gezeigt, dass sie gegen schwächere Teams Federn lassen können - dies ist jetzt auch in der Champions League passiert.

Die Fehlerquote ist erstaunlich hoch für das Niveau, dass das Team besitzt. Es scheint, dass sich die Mannschaft noch immer nicht gefunden hat. Das geht bei einer Fülle von Weltstars auch nicht immer direkt, Trainer Alfred Gislason kann ich deshalb jetzt noch keinen Vorwurf machen. Sollte sich dieser schwankende Kurs jedoch weiter fortsetzen, dann wird sich auch Alfred mal hinterfragen müssen.

Die beiden Niederlagen beweisen, dass die Dominanz der deutschen Klubs bröckelt und nicht mehr so ausgeprägt ist, wie in den vergangenen Jahren.

Kiel hat für mich weiterhin den besten Kader in Europa, aber die Gegner haben weitere taktische Mittel gefunden, wie die deutschen Teams bearbeitet und bekämpft werden müssen.

Zudem haben Barcelona, Paris oder Veszprem in ihren finanziellen Möglichkeiten stark zugelegt und sich genau wie der THW viele starke Spieler geschnappt. Dieses Monopol gilt nicht mehr nur für die Bundesliga.

Vergessen darf man auch nicht das Mäzenatentum in Skopje, wo auch etwas großes aufgebaut werden soll. International ist die Spitze noch stärker zusammengerückt.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 41, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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