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SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar sieht Göppingen im Titelrennen. Die Champions-League-Pleite der Löwen sei absehbar gewesen.

Hallo Handball-Fans,

der 7. Spieltag in der DKB Handball-Bundesliga wartete mit einer Überraschung auf. Zuerst verliert der VfL Gummersbach beim Aufsteiger HC Erlangen - Glückwunsch für den ersten Sieg in der Bundesliga. Und eine Woche später schlagen sie den SC Magdeburg, einen der Mitfavoriten auf die Europapokalplätze.

Daran sieht man besonders gut: dieses Jahr ist die Liga ausgeglichener und spannender als jemals zuvor. Jeder kann jeden schlagen.

Was mich nicht überrascht, ist der momentane Höhenflug von Frisch Auf Göppingen.

Dass sich die Mannschaft zum letzten Jahr verbessern würde, war klar. Sie spielte 2013/2014 doch unter ihren Möglichkeiten.

Aber die Göppinger haben sich sensationell verstärkt. Kevynn Nyokas spielt einen überragenden Part, auch sein Bruder Olivier bei HBW Balingen.

Auf die Nyokas-Brüder habe ich mich schon vor der Saison gefreut. Sie sind zwei spektakuläre Spieler, die einer Mannschaft ein neues Gesicht geben können.

Nun ist Kevynn zwar verletzt, aber dank der ersten Erfolgsserie spielen die Göppinger mit einer gewissen Selbstverständlichkeit in der Spitzengruppe mit.

Die Mannschaft von Magnus Andersson hat zwar noch nicht alle Favoriten auf den Titel geschlagen, aber sie steht zu Recht da oben.

Momentan haben sie einen guten Lauf. Sie haben einen super Kader und eine tolle Spielanlage. Sie sind zwar nicht mein Topfavorit auf den Titel, aber mit ihnen darf zu rechnen sein.

Was mich ebenso nicht überrascht hat, ist die Niederlage der Rhein-Neckar Löwen in der Champions League bei MKB Veszprem (Bericht).

Die Punkte in Veszprem muss man nicht einplanen (DATENCENTER: Die Champions League).

Die Löwen, die in einer unfassbar starken Gruppe spielen, haben ihr erstes Spiel zu Hause gegen Montpellier gewonnen, eine Mannschaft, die ein großes Kaliber ist.

Dass sie aufgrund ihrer guten Form gegen Veszprem gut mitspielen, ok. Aber in der zweiten Hälfte hat sich die individuelle Stärke der Ungarn dann doch durchgesetzt

Veszprem ist ein Topfavorit auf den Titel. Wer schon einmal dort gespielt hat, der weiß, die Halle ist ein Hexenkessel, sie haben fanatische Fans.

Die Rhein-Neckar Löwen verlieren nach ihrem Sieg zu Beginn, Flensburg und Kiel gewinnen nach ihren Auftaktniederlagen.

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Ich denke da an Vezprem, Barcelona, Paris und die oligarchengestützten Vereine aus dem Osten.

Topspieler kommen nicht mehr automatisch in die starke deutsche Liga, inzwischen bleiben sie auch in den heimischen Ligen, weil das Geld da ist.

Es ist keine Selbstverständlichkeit mehr, dass deutsche Teams beim Final Four dabei sind.

Dass am Ende doch zwei deutsche Mannschaften teilnehmen, ist im Bereich des Möglichen. Früher war es klar.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 41, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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