SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar sagt, worauf es bei Löwen gegen Kiel ankommt und zieht Parallelen zum Fußball.

Hallo Handball-Fans,

es wäre Wahnsinn, vor dem Gipfel der Löwen gegen Kiel (Sa., 16 Uhr LIVE im TV und im GRATIS-STREAM) einen Tipp abzugeben. Da müsste man das Orakel befragen - und diesen Status habe ich ja nicht immer...

Die Kieler haben zuletzt gute Ergebnisse erzielt und sich anscheinend gefangen. Aber wir sprechen über die beiden besten Mannschaften der DKB Handball-Bundesliga, da lasse ich mich auf keinen Fall dazu hinreißen, eine Prognose abzugeben. Ich habe einfach kein Gefühl.

Vorhersagen sind in dieser Saison ohnehin schwierig zu treffen, und zwischen diesen beiden Mannschaften erst recht. Sie sind identisch, gerade in der gleichen Verfassung, jeder ist in der Lage, dieses Spiel zu gewinnen.

Das wichtigste Duell ist das der Torhüter, das was Niklas Landin gegen Johan Sjöstrand oder gegen Andreas Palicka zeigen kann. Und dann wird es wichtig sein, wie die Kieler Andy Schmid verteidigen, der sich momentan in einer unglaublichen Verfassung präsentiert. Ihn muss man nicht nur als Torschützen ausschalten, sondern auch in der Achse mit Bjarte Myrol, seinem kongenialen Kreisläufer.

Und dann hat er mit Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki die beste Flügelzange Deutschlands an seiner Seite.

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So wird es bei den Kielern besonders auf die Abwehr ankommen und darauf, dass Domagoj Duvnjak seinen Aufwärtstrend fortsetzt - vor allem nach Filip Jichas Ausfall.

Von der Qualität des Kaders und der Stärke der Individualisten ist Kiel sicher nicht nur wieder das Bayern München des Handballs, sondern sogar noch stärker geworden als in der Vorsaison. Sie holen sich ähnlich wie Bayern die besten Spieler von wichtigen Konkurrenten und schwächen damit auch die anderen.

Die Löwen haben nach dem Ausstieg ihres Großinvestors wie Dortmund einen sehr sympathischen Weg gewählt und eine Mannschaft geformt, die einen sehr schönen und sehr schnellen Handball spielt. Für mich den schönsten Handball der Liga!

Für "Überläufer" Landin wird das ein besonderes Spiel sein, weil er sich natürlich nichts nachsagen lassen möchte. Wenn man weiß, dass man zu einem neuen Klub wechselt, dann will man erst recht zeigen, dass man für seinen aktuellen Arbeitgeber alles gibt.

In Kiel stößt er nächstes Jahr zu einer Mannschaft, mit der er alles erreichen kann. Ein solcher Wechsel ist legitim.

Ich mag aber auch den Weg, wie ihn Gensheimer gegangen ist: dass man seinem Heimatverein die Treue hält und auf ein paar Euro verzichtet. Das, was für einen zählt, ist das Zuhause. Und es ist einem zehnmal mehr wert, mit diesem Verein einmal einen Titel zu erreichen und dann unsterblich zu werden in der Region, in der man groß geworden ist, als zu einem Verein zu gehen, wo die Wahrscheinlich größer ist. Aber dort gibt es dann eben mehrere Süpieler dieses Kalibers.

Ich habe es in Magdeburg auch gemacht, weil ich alles hatte. Ich fühlte mich wohl, ich habe dem Verein viel zu verdanken gehabt. Und deshalb war die Vision auch klar, irgendwann Titel zu gewinnen mit diesem Verein, der einem das Vertrauen geschenkt hat, als er einen geholt und ausgebildet hat.

Wenn man das kann, dann gibt es einem nicht den ultimativen Kick, nach Barcelona oder nach Kiel zu gehen. Als wir damals die Meisterschaft und die Champions League gewonnen haben, war das einfach das Größte.

Vielleicht gelingt es Gensheimer mit den Löwen ja auch - ein Sieg gegen Kiel wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur möglichen Meisterschaft.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 41, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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