vergrößernverkleinern

München - Nikolaj Jacobsen im SPORT1-Interview: Als "Zaubermaus" wurde er in Deutschland bekannt, als Trainer hat er einen anderen Ruf.

Von Martina Farmbauer

Nikolaj Jacobsen kehrte im Sommer - zehn Jahre nach seinem Abschied vom THW Kiel - nach Deutschland zurück.

Jacobsen wagte den Schritt von Aalborg Handbold zu den Rhein-Neckar Löwen.

Verdiente er sich als Spieler im Norden Deutschlands noch den Spitznamen "Zaubermaus", so genießt der 42 Jahre alte Däne heute als Trainer einen gänzlich anderen Ruf.

"Es ist beeindruckend, wie er (Nikolaj Jacobsen, Anm. d. Red.) das in seiner ersten Trainerstation durchzieht. Er hat sehr schnell sehr viel Respekt bekommen", sagt SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar über den neuen Trainer der Löwen.

Am Samstag (ab 16 Uhr LIVE im TV, im GRATIS-LIVESTREAM sowie im LIVE-TICKER) trifft Jacobsen als Tabellenführer mit den Rhein-Neckar Löwen auf seinen Ex-Klub THW Kiel.

Vor dem Spitzenspiel der DKB HBL (die stärkste Liga der Welt - LIVE im TV auf SPORT1) sprach SPORT1 mit Nikolaj Jacobsen.

SPORT1: Herr Jacobsen, Sie sind mit 42 Jahren einer der jüngsten Trainer der DKB HBL und stehen mit den Rhein-Neckar Löwen auf Platz eins der Tabelle. Wie erklären Sie das?

Nikolaj Jacobsen: Das kann man sehr gut erklären: Ich habe eine sehr gute Mannschaft. Ich möchte auch nicht über mich sprechen, das sollen andere machen.

SPORT1: Dann lassen wir doch andere über Sie sprechen. SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar hat gesagt, dass Sie nicht nur ein sehr junger sondern auch ein sehr autoritärer Trainer seien.

Jacobsen: Das stimmt. Ich weiß, was ich will, wie ich spielen lassen will. Das ist auch wichtig, wenn du Trainer bist und etwas umsetzen möchtest. Von daher habe ich eine klare Linie.

SPORT1: Sie selbst waren auf dem Platz früher eher der Zauberer. Inwieweit beeinflusst Sie das auch als Trainer?

Jacobsen: Ich weiß nicht, ob ich ein Zauberer war. Für mich ist das Wichtigste, dass ich Erfolg habe. Und Erfolg geht über die Mannschaft. Aber es soll auch Platz für die einzelnen Künstler geben. Ich will ja nichts von Patrick Groetzki, Uwe Gensheimer oder Andy Schmid wegnehmen.

SPORT1: Andy Schmid ist eine zentrale Figur in Ihrem Spiel, nicht nur als Torschütze, sondern auch als Spielgestalter. Er spielt derzeit überragend, was haben Sie mit ihm gemacht?

Jacobsen: Wir kennen uns noch von früher und verstehen uns gut. Ich habe Andy ja nach Dänemark geholt, bevor er zu den Löwen gekommen ist. Er ist ein sehr cleverer Spieler, mit dem es sehr einfach ist, zusammenzuarbeiten.

SPORT1: Inwieweit hat Sie denn das Chaos um Manager Thorsten Storm und in der sportlichen Leitung gestört?

Jacobsen: Ich war neu und wusste nicht so viel davon. Mit Oliver Roggisch habe ich einen sehr guten Mann an meiner Seite, der sehr viel von mir weggenommen hat. Ich habe mich um die Mannschaft gekümmert und Oli hat die anderen Sachen gemacht. Ich habe nicht so viel mitgekriegt und mich voll auf den sportlichen Teil konzentriert.

SPORT1: Ein typischer Fall von nordischer Gelassenheit?

Jacobsen: Ich glaube schon. Das waren sowieso Sachen, an denen ich nicht so viel ändern konnte, von daher konnte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Bei dem anderen musste ich denen vertrauen, die sich darum kümmern.

SPORT1: Sie kommen aus dem Norden, Sie waren lange im Norden, jetzt sind Sie in der südlichen Hälfte Deutschlands. Wie gefällt es Ihnen hier, haben Sie sich schon eingelebt?

Jacobsen: Wir spielen ja zweimal in der Woche, aber sonst gefällt es mir sehr hier, das Wetter ist ja viel besser hier unten. In Dänemark und in Kiel, wo ich sechs Jahre war, ist viel Regen und viel Wind.

SPORT1: Wer kein Segler ist, ist wahrscheinlich ganz froh, dass Sie das Wetter im Norden gelassen haben. Dafür haben Sie aber das Siegergen aus Kiel mitgebracht, oder?

Jacobsen: Ich möchte das an meine Spieler weitergeben. Wir möchten den ersten nationalen Titel gewinnen. Ich habe als Spieler und als Trainer schon Titel gewonnen und möchte mit dieser Erfahrung dazu beitragen.

SPORT1: Also dieses Quäntchen, das den Löwen vielleicht in der vergangenen Saison gefehlt hat?

Jacobsen: Das muss man sich als Mannschaft erarbeiten. Die Spieler hier bekommen auch mehr Erfahrung. Irgendwann geht der Knoten auf und ich hoffe, dass er platzt, während ich hier bin.

SPORT1: Bei Kiel läuft es noch nicht so, wie man das vor der Saison gedacht hat. Ist es jetzt schon Ihre Chance, die Kieler zu packen?

Jacobsen: Ich glaube, wir haben gute Chancen. Das Gefühl hatten wir auch schon vor der Saison. Wir wissen natürlich, dass Kiel gut ist, das wissen alle. Aber wir haben bis jetzt auch guten Handball gespielt. Und wenn man auf die Tabelle schaut, ist auch Flensburg nicht so weit weg. Also ich denke nicht, dass es ein Selbstläufer für Kiel wird.

SPORT1: Welche Bedeutung hat denn dann das Spiel am Samstag?

Jacobsen: Wir sind im Oktober, und bis jetzt hat noch keine Mannschaft die Meisterschaft gewonnen. Bis zum 5. Juni ist es noch ein langer Weg.

(SHOP: Jetzt Handball-Artikel kaufen)

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel