Hallo Handball-Fans,

mit dem Sieg des THW Kiel gegen die Rhein-Neckar Löwen wird das Titeltrennen in der DKB Handball-Bundesliga wieder spannender als zuvor.

Wir haben mit den Löwen, Kiel und der SG Flensburg-Handewitt einen Dreikampf an der Spitze, der womöglich bis zum letzten Spieltag spannend bleibt. Wobei Kiel mit diesem Kader der Topfavorit auf den Titel ist.

Die Kieler haben am Samstag im Spitzenspiel in Mannheim das vielleicht deutlichste Ausrufezeichen dieser drei Teams gesetzt - und das ohne ihre verletzten Rückraumstars Aron Palmarsson und Filip Jicha. Es ist halt nicht so, dass der Rest eine Gurkentruppe darstellt, die sich durchwurschtelt.

Der THW kann auch solche Ausfälle verkraften, wie dies kein anderer Verein in Deutschland und vielleicht sogar Europa kann.

Diesmal haben das Joan Canellas und Marko Vujin in beeindruckender Weise geschafft. Vujin ist der wurfstärkste Linkshänder im rechten Rückraum, den es derzeit in Europa gibt.

Wenn er einen Sahnetag hat wie gegen die Löwen, dann ist es schwer, gegen ihn zu verteidigen. Die Torhüter sehen manchmal gar nicht, wenn einer seiner Bälle im Tor einschlägt.

Canellas hat das Spiel verstanden; jede einzelne seiner Aktionen hat Sinn, und er hat das Spielfeld unter Kontrolle - auch wenn sein Spiel nicht immer etwas für Handballästheten ist.

Er ist mit einer solchen Erfahrung und Coolness ausgestattet, dass er in 90 Prozent der Fälle die richtige Entscheidung trifft und einem Spitzenspiel seinen Stempel aufdrücken kann.

Dennoch haben die Löwen das Spiel selbst hergeschenkt. Man kann nicht sagen, dass Niklas Landin, der zur kommenden Saison zum THW wechselt, unter der mentalen Last eingeknickt ist. Er war sehr motiviert am Anfang und hat das Spiel in der ersten Hälfte geprägt.

Da war er der Garant dafür, dass die Löwen sich einen teilweise großen Vorsprung herausspielen konnten. Das war eine Weltklasseleistung.

Nach der Halbzeit hat er immer noch gut gehalten. Aber die Löwen haben viele Fehler gemacht und es versäumt, einen höheren Vorsprung herauszuspielen und ihren Torhüter zu unterstützen.

Nun nimmt am Samstag der langjährige Löwen-Manager Thorsten Storm seine Arbeit in Kiel auf. (SHOP: Jetzt Handball-Artikel kaufen)

Aber ich gehe nicht davon aus, dass es nach Landin einen Exodus von Mannheim nach Kiel geben wird. Ich wüsste auch gar nicht, welche Spieler das noch betreffen könnte. Uwe Gensheimer hat sich entschieden, Andy Schmid seinen Vertrag verlängert, Bjarne Myrhol geht nach Dänemark.

Der THW wird sich anderweitig auf dem Markt umschauen, um sich mit Spielern zu verstärken, die in sein Konzept passen.

Im Schatten des Gipfels hat Flensburg das zweite Topspiel bei Frisch Auf Göppingen klar gewonnen. Aus welchem Grund sollte die SG nicht in der Lage sein, bis zum Schluss oben dran zu bleiben?

Flensburg hat das Potential dazu. Die SG macht das, was sie im Vergleich mit Kiel und den Löwen individuell nicht leisten kann, durch mannschaftliche Geschlossenheit und Spielwitz wett. Hoffentlich bis zum Ende, damit das Titelrennen wieder genauso spannend verläuft.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 41, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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