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Hendrik Pekeler-TBV Lemgo-Boden

München - Nationalspieler Hendrik Pekeler vom TBV Lemgo spricht bei SPORT1 über Abstiegskampf, den Fluch der guten Tat und Jugendsünden.

München - Der TBV Lemgo und sein Kreisläufer Hendrik Pekeler hatten zuletzt wenig Grund zur Freude.

Nachdem zu Saisonbeginn in der DKB HBL sensationell der THW Kiel bezwungen wurde, rutschte die Mannschaft von Trainer Niels Pfannenschmidt immer tiefer in die Krise.

Ein Sieg in den letzten elf Spielen und der Sturz auf einen Abstiegsplatz. "Ich mache mir Sorgen", sagt Vereinslegende und Welthandballer Daniel Stephan.

Auf Nationalspieler Pekeler lastet in seiner letzten Saison beim Deutschen Meister 1997 und 2003 so viel Druck wie nie. Sein Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen steht fest, doch erst mal wie er mit dem TBV die Kurve kriegen.

Vor dem Spiel gegen die SG Flensburg-Handewitt (ab 20.10 LIVE im TV auf SPORT1 und LIVESTREAM) spricht Hendrik Pekeler im SPORT1-Interview über den Abstiegskampf, den Fluch der guten Tat gegen Kiel, seine Wechselgründe und seine Jugendsünden.

SPORT1: Nach den ersten EM-Quali-Spielen hat Stefan Kretzschmar seine Hoffnungen auf eine rosige Zukunft des deutschen Handballs unter anderen an Ihnen festgemacht. Warum ist die Lemgoer Gegenwart trotz Ihnen dunkelgrau?

Hendrik Pekeler: Wir schaffen es anders als in der vorigen Saison nicht, die engen Spiele für uns zu entscheiden. Wir haben jetzt vier Spiele mit einem Tor verloren. Wenn wir diese acht Punkte geholt hätten, wären wir im Mittelfeld. Aber so stehen wir da richtig unten drin.

SPORT1: Sie erzielen beim TBV durchschnittlich knapp drei Tore pro Spiel, sind aber natürlich als Kreisläufer stark von Anspielen aus dem Rückraum abhängig. Fehlt es da an Qualität?

Pekeler: Nein, das sehe ich nicht so. Im Rückraum hat sich bei uns gegenüber dem vergangenen Jahr bis auf die Verpflichtung von Tim Suton nicht allzu viel geändert. An Qualität mangelt es nicht.

SPORT1: Vor etwas mehr als einem Monat sagte Daniel Stephan: "Allen muss bewusst werden, dass man sich im Abstiegskampf befindet." Ist das mittlerweile passiert?

Pekeler: Allen ist bewusst, dass es für uns nur um den Klassenerhalt geht. Und die vergangenen Spiele haben gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind - das gegen Göppingen mal ausgenommen. Uns fehlt aber momentan auch das Quäntchen Glück.

SPORT1: Verblenden Ausreißer nach oben wie der Auftaktsieg gegen Kiel und das Beinahe-Remis bei den Rhein-Neckar Löwen den Blick für die Realität?

Pekeler: Der Sieg gegen Kiel tat uns nicht gut. Die Erwartungen im Umfeld sind nach dem Spiel enorm gestiegen und es wurde wieder von Europa gesprochen. Dabei darf man nicht vergessen, dass der THW zu dem Zeitpunkt noch nicht eingespielt war und auch noch erschöpft von der Vorbereitung. Deswegen sollte man dieses Spiel unbedingt aus den Köpfen streichen.

SPORT1: Zehn der letzten elf Bundesliga-Spiele gingen verloren. Was macht Ihnen Hoffnung, dass es ausgerechnet gegen Champions-League-Sieger Flensburg anders wird?

Pekeler: Die Flensburger haben am Sonntag in Barcelona gespielt, sind am Montag angekommen, danach sind sie gleich nach Lemgo gefahren, um zu trainieren. Vielleicht erwischen wir sie an einem Tag, an dem bei ihnen nicht alles geht. Und unsere aufsteigende Tendenz macht uns natürlich auch Mut.

SPORT1: Die SG hat zuletzt zweimal vom FC Barcelona die Grenzen aufgezeigt bekommen. Warum sind die Flensburger nicht so stark wie in der vorigen Saison?

Pekeler: Am Sonntag haben sie erst nach der Halbzeit den Faden verloren, im Hinspiel sind sie an ihrer Abwehr gescheitert. Sie haben mit Michael Knudsen einen sehr wichtigen Abwehrspieler verloren. Die Startruppe von Barcelona zu schlagen ist aber so oder so schwierig.

SPORT1: Sie selbst wechseln nach der Saison zu den Löwen. Wer hat Sie mit welchen Argumenten davon überzeugt, dass dies die richtige Entscheidung ist?

Pekeler: Meine Freundin, meine Eltern, mein Spielerberater und ich haben uns lange Gedanken gemacht. Am Ende haben Kleinigkeiten entschieden: Wie sieht's auf meiner Position aus, wo werde ich spielen, wie viel werde ich spielen, wo könnten wir uns wohlfühlen. Bei den Rhein-Neckar Löwen sind drei weitere deutsche Nationalspieler, und dass Oli Roggisch (als Co-Trainer, Anm. d. Red.) dabei ist, war auch ein Argument.

SPORT1: Sie hatten sich bereits mit 17 Jahren mal für ein Topteam entschieden. Beim THW Kiel gerieten Sie in Misskredit, da sie viel gefeiert und Trainings versäumt haben. Sie selbst sagten, es lag an den falschen Freunden. Wie haben Sie es geschafft, wieder die Kurve hin zu einem deutschen Topsportler zu kriegen?

Pekeler: Das Wichtigste war für mich, 2010 aus Kiel weg zu gehen, beim Bergischen HC neu zu starten. Und da hatte ich dann ja zwei norwegische Paten, die mir auch im Alltag zur Hand gegangen sind. Jetzt in Lemgo ist meine Freundin hierhergezogen und ich konzentriere mich seit mindestens drei Jahren wirklich ganz aufs Handballspielen. Vorher in Kiel war das anders, da war das Abenteuer. Ich bin mit 17 dahin gezogen, weg von den Eltern, meine erste eigene Wohnung, aus der Kleinstadt in die Großstadt - das war zu früh.

SPORT1: Gab es jemanden, der ihnen mit einer Brandrede den Kopf gerade gerückt?

Pekeler: Ich habe damals viel mit Martin Heuberger gesprochen, und er hat mir ein Ultimatum gesetzt: Wenn ich mich nicht gesteigert hätte, hätte ich in der Junioren-Nationalmannschaft keine Rolle mehr gespielt. Und das war ein Weckruf.

SPORT1: Mitte Januar steht in Katar für Sie die erste WM mit dem A-Nationalteam auf dem Programm. Wie sehr trübt das Hickhack um die Teilnehmer und Michael Bieglers Behauptung, Deutschland hätte die Wildcard bereits vor den Playoffs gegen Polen sicher gehabt, Ihre Vorfreude?

Pekeler: Das sollte uns Spieler nichts angehen. Wir freuen uns natürlich, dass wir bei der WM dabei sind, auch wenn wir es nach diesen Playoffs nicht verdient haben.

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