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Häuser-Fitzek-Grafik
Christian Fitzek (r.) ist beim HSV als Geschäftsführer tätig - vorher war er bereits Trainer und Sportlicher Leiter © SPORT1

München - Christian Fitzek, Geschäftsführer des HSV, verteidigt bei SPORT1 Gaudins Entlassung - und spricht über die Nachfolge.

Von Martina Farmbauer

Am Freitagmittag gab es wieder eine gute Nachricht für den HSV Handball.

Jogi Bitter, der Torhüter, verkündete seine Vertragsverlängerung bis 2017.

"Pudelwohl" fühle er sich schließlich in Hamburg. Und: "Der HSV liegt mir am Herzen und die positiven Entwicklungen im Verein sind nach der schweren Zeit im Sommer unverkennbar."

Die jüngste Entwicklung des Klubs war allerdings nicht ganz so positiv: Nach einer Misserfolgsserie in der DKB HBL musste Trainer Christian Gaudin seinen Hut nehmen.

Ein Schritt, der Fragen hinterlässt: Hamburg steht als Neunter in der DKB HBL tabellarisch nicht ganz schlecht da - wenn man die Querelen im Sommer und die finanziellen Rettung durch Mäzen Andreas Rudolph bedenkt.

Trotzdem: Geschäftsführer Christian Fitzek verteidigt im SPORT1-Interview den Schritt - und erklärt, wie es in der Trainerfrage weitergehen soll.

SPORT1: Herr Fitzek, noch vor Wochen sah die Lage beim HSV nicht schlecht aus. Die Fans kehrten zurück, die Mannschaft gewann Spiele in Serie. Nun ist der Trainer weg. Was ist passiert?

Christian Fitzek: Vor Wochen haben wir noch gesagt, sportlich ist alles toll, das ist richtig. Von den sechs Spielen, die danach kamen, haben wir aber fünf verloren - die meisten zu Hause gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel. Und das eine Spiel, das wir gewonnen haben, hätten wir nicht gewinnen dürfen. Das ist eine sportliche Situation, die einen zum Überlegen bringt.

SPORT1: Ihr Klub ist Neunter und der Europapokal wurde öffentlich nicht als Ziel ausgegeben. Ist eine Trainerentlassung in dieser Situation nicht Aktionismus?

Fitzek: Das ist kein Aktionismus. Wenn man sich die Tabelle anschaut, dann sind wir fünf Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt und haben drei Spiele gegen sehr starke Gegner vor der Brust, von denen ich nicht weiß, ob wir eins gewinnen können. Und wenn man dann weiß, dass man zu Hause schon gegen die vermeintlich schlagbaren Gegner gespielt hat, macht das die Lage eher schwerer als einfacher.

HSV Hamburg-Christian Gaudin
Christian Gaudin ist als HSV-Coach entlassen worden © Getty

SPORT1: Christian Gaudin gilt als junger und fähiger Trainer. Dass er angesichts der Turbulenzen im Sommer Zeit brauchen würde, schien klar. Ist es nicht der falsche Weg, einem Coach wie ihm diese Zeit nun nicht zu geben?

Fitzek: Ich habe am Montag noch sehr lange mit dem Christian gesprochen. Ihm war natürlich auch klar, dass die Niederlagen gegen Minden, Balingen und Lemgo uns sehr stark unter Druck gesetzt haben. Wir müssen die Ergebnisse analysieren.

SPORT1: Was kam heraus?

Fitzek: Ein klarer Abwärtstrend war erkennbar. Wir haben gegen den Tabellenletzten, - vorletzten und -viertletzten zu Hause verloren, beim Tabellendrittletzten auswärts. Das ist eine Situation, die hat mit Geduld oder mit ruhig arbeiten nichts mehr zu tun. Da muss man das Ganze sehen. Und wenn man dann sieht, wie die Spiele in letzter Zeit verlaufen sind, dann haben wir uns Sorgen gemacht. Die Frage war: Ist der Trainer in der Lage, diesen Abwärtstrend noch einmal aufzuhalten. Eine Entscheidung war notwendig. Diese haben wir getroffen.

SPORT1: Es heißt, Andreas Rudolph soll in der Halbzeitpause des Lemgo-Spiels in die Kabine gestürmt sein. Was ist dran?

Fitzek: Alle Beteiligten waren in der Halbzeit in der Kabine, auch Herr Rudolph. Und dass man da bei einem Rückstand gegen den Tabellenletzten zu Hause keinen Debattierclub aufmacht, ist auch klar. Aber das hat mit Herrn Rudolph nichts zu tun. Wir waren alle sehr enttäuscht. Auch der Trainer ist sehr laut geworden.

SPORT1: Unabhängig davon: Eigentlich hieß es, Herr Rudolph habe sich aus dem operativen Geschäft weitgehend zurückgezogen. Stimmt das gar nicht?

Fitzek: Herr Rudolph nimmt großen Anteil an dem Projekt, an dem er mit sehr viel Geld beteiligt ist. Ich spreche und telefoniere oft mit ihm und berate mich mit ihm, er ist auch bei einigen Spielen dabei.

SPORT1: Muss der Klub Christian Gaudin eine Abfindung zahlen?

Fitzek: Das sind arbeitsrechtliche Details. Es ist auch völlig unerheblich, ob wir eine Abfindung oder das Gehalt bis zum Vertragsende bezahlen. Da werden immer so Milchmädchenrechnungen gemacht, von wegen: Jetzt müssen die auch noch einen neuen Trainer bezahlen und haben sowieso kein Geld. Aber aktuell müssen wir keinen neuen Trainer bezahlen, weil Jens Häusler das Training leitet. Das heißt, momentan kostet uns das keinen Euro mehr. Und wenn wir eine Abfindung zahlen würden, dann könnten wir sogar noch Geld sparen.

SPORT1: Wer sind die Kandidaten oder mit wem haben Sie schon gesprochen: Rolf Brack? Velimir Petkovic? Martin Heuberger? Niels Pfannenschmidt? Oder ein aufstrebender Trainer aus der 2. Liga? Wie sieht der Fahrplan aus?

Fitzek: Wir haben keinen Kandidatenkreis. Wir haben mit Jens Häusler einen Trainer, der die nächsten drei Spiele macht und dann werden wir uns im Januar zusammensetzen und überlegen, wie es mit der Trainerposition weitergeht. Welcher Trainer passt zum HSV, wie muss ein HSV-Trainer aussehen? Wir erstellen ein Profil und dann suchen wir uns den Trainer. Es könnte auch sein, dass Häusler weitermacht.

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