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Stefan Kretzschmar, Thomas Mogensen, SG Flensburg-Handewitt
Stefan Kretzschmar über die SG Flensburg-Handewitt. © SPORT1/imago

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar glaubt, dass die SG ohne ihr Herz und ihren Motor nicht mehr in die Champions League kommt. Er nennt Gründe, warum Magdeburg die Gunst der Stunde nutzt.

Liebe Handball-Freunde,

was der SG Flensburg-Handewitt gerade passiert, ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch tragisch für die Mannschaft und den Verein.

Im Champions-League-Spiel gegen Wisla Plock haben acht Spieler verletzungs- oder krankheitsbedingt gefehlt. So etwas kann kein Team kompensieren.

Ich kann mich auch nicht erinnern, dass sowohl ein Trainer als auch sein Assistent die Spielberechtigung für eine Partie beantragt haben. Zwar hat Lubomir Vranjes dann nicht gespielt, sein Co-Trainer Maik Machulla dafür recht lang und gar nicht so schlecht.

Flensburg hat kreativ dagegen gehalten und aus seinen Möglichkeiten ein gutes Spiel gemacht - da hätte man schlimmere Befürchtungen haben können als das 29:31, das am Ende herauskam.

Besonders schwer wiegen die Ausfälle von Holger Glandorf und Thomas Mogensen. Glandorf wäre für keine Mannschaft der Welt zu ersetzen, er ist der Motor und Energizer. Mogensen ist das Herz des Teams.

Holger Glandorf von der SG Flensburg-Handewitt holt zum Wurf aus
Holger Glandorf ist absoluter Leistungsträger in Flensburg © Getty Images

Gegen die Rhein-Neckar Löwen gehen die Flensburger entsprechend als Außenseiter (Sa., 16.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im GRATIS-LIVESTREAM). Wenn die Löwen als Zweiter dem mittlerweile sehr gefestigten THW Kiel im Zweikampf um die Meisterschaft Paroli bieten wollen, dann dürfen sie sich keine Blöße mehr geben.

Flensburg wird sicher weiter aufopferungsvoll kämpfen, aber im Kampf um Platz 3 und die Qualifikation zur Champions League sehe ich angesichts der vielen Verletzten den SC Magdeburg vorne.

Magdeburg spielt eine richtig gute Rolle in dieser Saison, die Mannschaft hat zueinander gefunden. Sie ist sehr kampfstark, hat aber mit Marko Bezjak und Andreas Rojewski auch kreative Spieler.

Die Abwehr ist robust, und in letzter Zeit zeigt auch Torhüter Jannick Green Krejberg verlässlich gute Leistungen. So können sie immer wieder Gegenstöße laufen - vorne ist Robert Weber in bestechender Form.

Magdeburg hat nun zehn Spiele in Serie gewonnen, entsprechend groß ist das Selbstvertrauen. Diese Welle können sie nun reiten. Die Voraussetzungen für weitere Siege sind sehr gut.

Gegen den TSV Hannover-Burgdorf sind sie natürlich der Favorit (So., 17.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im GRATIS-LIVESTREAM). Hannover hat sich in den vergangenen Wochen nicht mit Ruhm bekleckert. Die Mannschaft spielt sehr wechselhaft.

THW Kiel v SC  Magdeburg - DKB DHL
Marko Bezjak ist einer der kreativen Köpfe in Magdeburg © Getty Images

Mich freut es jedenfalls, diese kleine Renaissance des Magdeburger Handballs mitzuerleben. Die Stadt ist sehr erfolgsverwöhnt, aus den 70er und 80er Jahren, auch nach der Jahrtausendwende.

Die GETEC-Arena ist in vielen Spielen wieder der Hexenkessel, der sie war, als ich dort noch gespielt habe. Die Euphorie ist zurück in Magdeburg, und das ist schön zu beobachten.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann.

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