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Stefan Kretzschmar
Stefan Kretzschmar sieht den THW Kiel durch das Pokal-Aus gegen die Rhein-Neckar Löwen gewarnt © Getty/SPORT1

Stefan Kretzschmar sieht Kiel vor dem Spiel gegen die Füchse durch die Pleite gegen die Löwen gewarnt und spricht über den Videobeweis und die Zukunft von Lars Kaufmann.

Hallo Handball-Fans,

der Pokalkracher zwischen den Rhein-Neckar Löwen und dem THW Kiel hat für einigen Gesprächsstoff gesorgt.

Letztlich hat Kiel verdient verloren. Die Löwen haben gut gespielt und ihre Chancen genutzt. Der THW hat dagegen zu viele Fehler gemacht.

Trotz der Niederlage würde ich nicht sagen, dass sie Nerven zeigen. Aber Kiel muss in den kommenden Spielen schon wieder konzentrierter und druckvoller agieren als bei den Löwen.

Gerade in der Champions League warten noch andere Kaliber. Das Pokal-Aus war ein Augenöffner für Trainer Alfred Gislason, woran er in Zukunft mit den Kielern sicherlich noch arbeiten muss. Jetzt liegt der Fokus auf der Königsklasse und der DKB Handball-Bundesliga.

Dort geht es am Donnerstag (ab 18.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) gegen die Füchse Berlin.

Natürlich ist Kiel Favorit, aber die Füchse haben sich gut gefangen, sowohl in der Liga als auch im Pokal gegen Leipzig gute Leistungen gezeigt. Sie haben ihre Abwehr stabilisiert, die Torhüterleistung ist in Ordnung.

Wir erinnern uns alle noch ans letzte Heimspiel der Kieler gegen die Füchse - dieses 23:37, durch das sich der THW im irren Saisonfinale noch den Titel gesichert hat. Damals wurde Berlin abgefertigt, regelrecht deklassiert. Die Füchse wollen mit Sicherheit verhindern, dass sich das wiederholt.

Zum Thema Gensheimer-Jicha wurde genug gesagt und geschrieben. Dennoch wäre auch Angesichts dieser Diskussionen ein Videobeweis, ähnlich wie in der NBA, eine gute Einrichtung in der HBL.

Allerdings ist das technisch noch nicht umsetzbar, weil nicht in allen Hallen und bei jedem Spiel überhaupt Kameras sind. Prinzipiell wäre es super, wenn man in Zukunft jedes Spiel in der Handball-Bundesliga in einer guten Qualität produzieren und zumindest über einen Stream abrufbar machen würde.

Dann wäre auch vorstellbar, dass jeder Trainer pro Halbzeit einmal den Videobeweis fordern könnte, wenn er etwas Gravierendes sieht.

Der Videobeweis würde unseren Sport nicht kaputt machen oder der Emotionalität und dem Spielerischen schaden.

Gleichzeitig sind das natürlich Tatsachenentscheidungen der Schiedsrichter. Zu meiner Zeit gab es noch viel mehr versteckte Fouls. Das gibt es heutzutage gar nicht mehr so wie in den 80ern oder 90ern. Der Handball ist viel fairer geworden.

Dass die Zeit von Lars Kaufmann bei der SG Flensburg-Handewitt im Sommer zu Ende geht, muss niemanden sauer oder traurig machen.

So ist das Geschäft. Egal, wie groß die Verdienste eines Spielers sind - und Lars Kaufmann hat zweifelsohne viel geleistet für die SG - muss der Verein eben auch sehen, dass man sich frühzeitig verjüngt und verstärkt. Viele Klubs haben das in der Vergangenheit verpasst und aus Sentimentalität zu lange an verdienten Spielern festgehalten.

Ljubomir Vranjes will einen schnellen Ball spielen und Flensburg auf dieser Position verändern. Vielleicht gibt es auch schon einen Nachfolger.

Lars ist nach wie vor ein toller Spieler, der auch noch drei, vier Jahre problemlos auf hohem Niveau Handball spielen kann. An Angeboten wird es ihm nicht mangeln. Für einen Rücktritt wäre es bei ihm sowieso viel zu früh.

Wenn er fit ist, ruft er regelmäßig seine Leistung auf einem hohen Niveau ab. Ich bin sicher, dass wir ihn noch ein paar Jahre in der Bundesliga oder in Dänemark auf der Platte sehen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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