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SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar über den Rücktritt von DHB-Präsident Bernhard Bauer
Stefan Kretzschmar über den Rücktritt von DHB-Präsident Bernhard Bauer © SPORT1 / Getty Images

Stefan Kretzschmar zeigt sich enttäuscht über den Rücktritt von DHB-Präsident Bernhard Bauer. Dem bestmöglichen Nachfolger stehen interne Personalien im Weg.

Hallo Handball-Fans,

ich bin von der Nachricht des Rücktritts von DHB-Präsident Bernhard Bauer völlig überrascht worden.

Nach den Entwicklungen in den letzten Wochen war das eigentlich nicht zu erwarten. Es gab ja eigens ein Krisengespräch mit Uwe Schwenker als Vermittler in dem zumindest nach außen hin Burgfrieden geschlossen wurde.

Man hatte eigentlich den Eindruck, dass alle Parteien beim DHB wissen worum es geht und an einem Strang ziehen wollen. Doch offensichtlich war das doch nicht der Fall.

Es ist wirklich traurig für den deutschen Handball, dass Bauer zurücktritt, weil er ein hervorragender Präsident war. Er hat unheimlich viel im deutschen Handball bewegt und ihn wieder in ein positives Licht gerückt, in dem er lange nicht war. Auch durch ihn wurde der deutsche Handball in der Welt wieder sehr sympathisch wahrgenommen.

Die genauen Hintergründe des Rückritts kenne ich nicht und könnte mir auch vorstellen, dass es tatsächlich familiäre Gründe gibt, aber es ist ja kein Geheimnis, dass es Querelen zwischen Vizepräsident Bob Hanning und Bauer gab. Bauers offizielles Statement zum Rücktritt, wonach einige im Verband ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen würden, sagt natürlich vieles.

Wir wissen alle, dass Hanning kein einfacher Typ ist, auch wenn er vielleicht nicht der alleinige Grund für den Rücktritt ist.

Der neue Mann muss jetzt jemand sein, der ein gewisses Renommee und eine gewisse Ruhe hat und dadurch auch für das Amt eines Funktionärs geeignet ist. Im Idealfall genießt er dazu noch ein hohes Ansehen im Welt-Handball.

Ich würde nach wie vor am liebsten Heiner Brand als DHB-Präsidenten sehen. Allerdings wäre eine Zusammenarbeit mit ihm und Hanning wohl noch bedeutend schwieriger, da sich die beiden mittlerweile gar nicht mehr verstehen.

Martin Schwalb wäre natürlich auch ein sehr kommunikativer Typ, der Dinge der Öffentlichkeit super verkaufen kann und viele Sympathien auf seiner Seite hat. Aber auch sein Verhältnis mit Bob Hanning ist schwer zu beurteilen.

Wer auch immer am Ende das Amt übernehmen wird, ich bin überzeugt davon, dass der DHB diese große Lücke schließen wird.

Doch in erster Linie bleibt jetzt erst einmal die Enttäuschung über den Rücktritt eines hervorragenden Präsidenten.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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