Wetzlar - Nach der Pleite in Wetzlar geben die Rhein-Neckar Löwen das Meisterrennen auf und flüchten sich in Pokalträume. Trainer Jacobsen und Kapitän Gensheimer nennen Schwächen.

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Als die Rhein-Neckar Löwen nach der Blamage mit hängenden Köpfen vom Parkett schlichen, waren sich alle über die bitteren Konsequenzen im Klaren.

"Es ist vorbei", sagte Trainer Nikolaj Jacobsen nach der überraschenden 27:31 (10:15)-Pleite bei der HSG Wetzlar lapidar, und auch Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer gab im Duell um die deutsche Handball-Meisterschaft mit Rekordchampion THW Kiel auf: "Jetzt ist die Sache durch."

Der Tabellenzweite liegt mit 53:9 Punkten zwei Zähler hinter Spitzenreiter Kiel (55:7), zudem ist die um 51 Treffer bessere Tordifferenz für die Zebras einen weiteren Zähler wert.

"Das war es mit dem Titelrennen ", erkannte auch Spielmacher Andy Schmid.

Jacobsen kritisiert seine Leistungsträger

Schon in der vergangenen Saison hatte Kiel die Löwen im engsten Meisterschaftrennen der Liga-Geschichte mit einem Vorsprung von nur zwei Treffern bezwungen.

Gegen Außenseiter Wetzlar leisteten sich die Gäste genau den Ausrutscher, den sie sich von ihrem Titelrivalen unlängst beim SC Magdeburg erhofft hatten - vergeblich.

"Diese Niederlage sitzt tief. Bei uns haben zu viele Leistungsträger nicht zu ihrer Normalform gefunden", sagte Jacobsen. Dem schwedischen Nationalspieler Kim Ekdahl du Rietz gelang nur ein Tor, dem norwegischen Bjarte Myrhol gar keins.

Wieder gegen einen Underdog

Nicht zum ersten Mal passierte dies in dieser Saison ausgerechnet gegen vermeintliche Underdogs, drei ihrer vier Niederlagen kassierten die Löwen gegen krasse Außenseiter. Sie hatten zuvor bereits gegen den Bergischen HC und den HC Erlangen gepatzt sowie das Hinspiel gegen den THW verloren.

Den in der Bundesliga an diesem Wochenende spielfreien Kielern könnte der Patzer der Mannheimer für die Champions League einen zusätzlichen Schub verliehen haben.

Im Kampf um die Qualifikation für das Final Four am 30./31. Mai in Köln müssen die Schleswig-Holsteiner am Sonntag (19.30 Uhr im LIVETICKER) gegen den ungarischen EHF-Pokalsieger Pick Szeged eine 29:31-Niederlage aus dem Hinspiel aufholen.

Jetzt soll der Pokalsieg her

In Wetzlar wurde der Jacobsen-Truppe insbesondere die schwache Wurfquote von unter 50 Prozent zum Verhängnis. 4412 Zuschauer in der Rittal-Arena staunten überdies über die zahlreichen Fehler im Aufbauspiel. "Manchmal haben wir geradezu den Kopf verloren", sagte Gensheimer.

Als letztes großes Ziel bleibt der Mannschaft nach dem Achtelfinal-Aus in der Königsklasse gegen Szeged nur noch das deutsche Final Four am 8./9. Mai.

"Jetzt muss der Pokalsieg in Hamburg unser Ziel sein", lenkte Jacobsen den Blick nach vorne. Und Geschäftsführer Lars Lamade meinte: "Es war von vornherein klar, dass der DHB-Pokal uns eine größere Titelchance bietet als die Meisterschaft."

HSG aller Sorgen ledig

Leicht wird es aber auch dort nicht. Die Löwen treffen im ersten Halbfinale am 9. Mai (14.00 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. im LIVESTREAM) auf Champions-League-Gewinner SG Flensburg-Handewitt.

Die Wetzlarer feierten derweil "ein kleines Handballwunder". HSG-Geschäftsführer Björn Seipp sagte: "Damit haben wir den Abstiegskampf endgültig hinter uns gelassen. Hut ab, das war ganz großes Kino!"

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