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Florian Kehrmann ist seit Mitte Dezember Trainer des TBV Lemgo
Florian Kehrmann ist seit Mitte Dezember Trainer des TBV Lemgo © Getty

München - Dem TBV Lemgo droht der erstmalige Abstieg. Viele Weggänge stehen schon fest. Trainer Florian Kehrmann spricht bei SPORT1 über seine Rettungsmission und den Plan B.

Die Situation beim TBV Lemgo ist kritisch.

Vier Spieltage vor Schluss steht der TBV in der DKB Handball-Bundesliga auf Abstiegsrang 16, dazu ein knüppelhartes Restprogramm, das unter anderem die Auswärtsspiele beim THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt beinhaltet. Der erste Abstieg aus der Bundesliga droht.

Doch noch ist der Glauben beim zweimaligen Deutschen Meister an den Klassenerhalt da. Vor allem dank Hoffnungsträger Florian Kehrmann. 

Kehrmann bringt neuen Schwung

"Wenn jetzt jeder den einen Schritt mehr macht und weiter konzentriert bleibt, dann haben wir eine Chance, die Klasse zu halten", sagt der TBV-Trainer bei SPORT1.

Der ehemalige Nationalspieler übernahm die Mannschaft im Dezember, als die Ostwestfalen mit 6:28 Punkten fast aussichtslos zurücklagen. "Seitdem haben wir eine gute Serie gehabt und 16:14 Punkte geholt. Das spricht für die Jungs und macht mir Mut", erklärt Kehrmann.

Trotz der unglücklichen Niederlage gegen den VfL Gummersbach sei das Nervenkostüm gefestigt. "Wer beim Auswärtsspiel in Minden in der Vorwoche, wo es noch um viel mehr ging, besteht, ist der Sache nervlich gewachsen."

Knapp vier Wochen Pause stehen für Lemgo vor der schweren Aufgabe in Flensburg an. Viel Zeit zum "durchschnaufen und vorbereiten".

Ungewohnte Region

Seit der Saison 1983/84 spielt der TBV in der Bundesliga. 1997 und 2003 gewannen die Lipper die Deutsche Meisterschaft, 2006 und 2010 holten sie jeweils den EHF-Pokal nach Lemgo. Hinzu kamen drei DHB-Pokal-Triumphe.

In dieser Spielzeit gelang unter Niels Pfannenschmidt, mit dem der TBV in die Saison startete, zum Auftakt ein Sensationssieg gegen Meister THW Kiel. Danach ging es bergab. Für die Blau-Weißen sind die unteren Tabellenregionen Neuland.

Noch nie ist der Traditionsverein aus der höchsten Spielklasse abgestiegen.

Kehrmann bleibt bei Abstieg

"Im Moment baue ich ganz groß auf das Umfeld in Lemgo. Wir haben in den letzten Spielen gemerkt, dass alle auch in Zukunft Bundesliga-Handball in Lemgo wollen", betont Kehrmann, dass die nötigen Rahmenbedingungen gegeben sind.

Sollte es doch zum Worst-Case kommen, versichert er, das sinkende Schiff nicht zu verlassen. "Ich habe nächstes Jahr Vertrag in Lemgo und werde nächstes Jahr deswegen auch in Lemgo sein", stellt der ehemalige Rechtsaußen, im deutschen Nationaltrikot Welt- und Europameister, klar.

Mehrere Abgänge wie Nationalspieler Hendrik Pekeler, der zusammen mit Toptalent Tim Suton zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt, Finn Lemke (zum SC Magdeburg) und Jens Bechtloff (zum Regionalrivalen TuS N-Lübbecke) stehen schon fest.

Trotz der prekären Lage laufen die - zweigleisigen - Planungen für die neue Saison. "Der Verein geht ja nicht blauäugig an die Sache heran. Wir haben alles im Blick. Wir haben einen Plan A und einen Plan B. Nicht mehr und nicht weniger", erklärt Kehrmann.

Schweres Restprogramm

Langfristig will der TBV wieder den Anschluss an die erfolgreichen Zeiten anpeilen. "Wer in seinem Handballleben als Spieler um Titel und in anderen Regionen als dem Abstiegskampf mitgespielt hat, der hat natürlich das Ziel, seinen Verein wieder nach vorne zu bringen", sagt der 37-Jährige.

Doch zunächst einmal zählen die Gegenwart und das nackte Überleben. Nach dem Spiel in Flensburg empfängt der TBV im Mai noch Hannover-Burgdorf und Hamburg, ehe es am letzten Spieltag nach Kiel geht. Hoffnungsträger Kehrmann muss seine Fähigkeiten als Retter zeigen.

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