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Hannover und Kiel - Mit einem Sieg bei der TSV Hannover-Burgdorf tütet der THW Kiel die Meisterschaft quasi ein - allerdings liegen die Norddeutschen lange klar hinten.

Am Ende hüpften die Spieler um Kapitän Filip Jicha auf dem Hallenboden wie Schuljungen im Klassenzimmer nach der letzten Stunde vor den Sommerferien:  

Dem THW Kiel ist die 20. Meisterschaft in der DKB HBL praktisch nicht mehr zu nehmen. (SERVICE: Die Tabelle)

Der Titelverteidiger gewann am vorletzten Spieltag bei der TSV Hannover-Burgdorf nach einem wahren Kraftakt mit 28:26 (13:15) und geht mit zwei Punkten Vorsprung auf Verfolger Rhein-Neckar Löwen ins Saisonfinale am Freitag.

Die Löwen gewannen zuhause gegen die TSG Friesenheim mit 37:21 (16:8). Friesenheim steht damit als dritter Absteiger nach der SG BBM Bietigheim und dem HC Erlangen fest. (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan)

THW mit klar besserer Tordifferenz 

Den Kielern indes ist der Titel sozusagen nicht mehr zu nehmen.

Zumal die Norddeutschen am letzten Spieltag zuhause gegen den TBV Lemgo die weitaus leichtere Aufgabe haben als die Löwen, die beim Tabellenvierten SC Magdeburg spielen. Zudem spricht die Tordifferenz (+25) eindeutig zugunsten der Kieler.

Kein Wunder also, dass sich nach dem Zittersieg alle aufgestauten Emotionen Bahn brachen. 

Gislason wie durchs Wasser gezogen

Schweißgebadet herzte Trainer Alfred Gislason seine Akteure nach dem Abpfiff.

Bei SPORT1 meinte er auf die Frage, ob der Titel nun tatsächlich in trockenen Tüchern sei: "Statistisch ist es ja unmöglich, dass wir es verspielen."

"Und wir wollen diesen Vorsprung natürlich behalten", ergänzte der Isländer. "Ich glaube nicht, dass sich die Mannschaft mit einer Niederlage aus der Saison verabschieden will. Wir hoffen natürlich auch, dass Magdeburg noch einmal Gas gibt."

"Erste Viertelstunde war grausam"

In der Stunde des Triumphs sparte Gislason auch nicht mit Selbstkritik: "Unsere erste Viertelstunde war grausam, die Abwehr war gar nicht da. Es war ungeheuer schwierig, wie sind erst überhaupt nicht ins Spiel gekommen. Danach war es ein großer Kampf." 

Uwe Gensheimer wird von Paris St. Germain umworben
Uwe Gensheimer bezwang mit den Rhein-Neckar Löwen die TSG Friesenheim © Getty Images

Tatsächlich sah es lange Zeit so aus, als könne Hannover dem THW nach dessen enttäuschendem Champions-League-Wochenende die dritte Niederlage in Folge zufügen.

Die Gastgeber erwischten einen perfekten Start, lagen von Beginn an in Führung und bauten diese bis zur 18. Minute auf 12:5 aus.

Rückstand zur Pause

Bis zur Halbzeitpause hatte Kiel den Rückstand dann bereits bis auf zwei Tore aufgeholt, sah sich aber auch in der zweiten Häfte mit erbittertem Widerstand der Gastgeber konfrontiert.

Erst in der Schlussphase erspielte sich der THW einen knappen Vorsprung und rettete den schließlich ins Ziel - ehe die Jubelparty begann.

THW-Manager Thorsten Storm hatte bei SPORT1 bereits vor der Partie erklärt: "Man gewöhnt sich an Erfolge, aber sie sind nicht selbstverständlich. Wir werden uns zerreißen, weil es eine Riesensache ist, Deutscher Meister zu werden."

Bester Werfer der Gastgeber war Regisseur Csaba Szücs mit sechs Treffern, fünf Mal traf Domagoj Duvnjak für Kiel.

Myrhol glänzt bei den Löwen

Erfolgreichste Werfer der Löwen gegen Friesenheim waren Kreisläufer Bjarte Myrhol und Linksaußen Stefan Sigurmansson mit jeweils sechs Treffern. Je vier Mal trafen Kreisläufer Oliver Tesch und Rückraumspieler Stephan Just für Friesenheim.

Die Löwen verabschiedeten nach der Partie fünf Spieler, unter anderem wird Torhüter Niklas Landin den Verein verlassen und sich dem THW Kiel anschließen.

Landin und sein Teamkollege Andy Schmid sind von den Trainern und Managern der 19 Erstliga-Vereine zum besten Torhüter und zum besten Spieler der Saison 2014/15 gewählt worden.

Beide hatten die Auszeichnung bereits im vergangenen Jahr erhalten.

Im Stenogramm:

TSV Hannover-Burgdorf - THW Kiel 26:28 (15:13)
Tore: Szücs (6), Häfner (5), Johannsen (4/1), Gudmundsson (3), Andreau Candau (2), Hykkerud (2), Lehnhoff (2/2), Karason (1), Kastening (1) für Hannover - Duvnjak (5), Canellas (4/2), Dahmke (4), Jicha (4), Toft Hansen (3), Ekberg (3), Palmarsson (2), Vujin (2), Weinhold (1) für Kiel
Zuschauer: 4150

Rhein-Neckar Löwen - TSG Friesenheim 37:21 (16:8)
Tore: Sigurmannsson (6/2), Myrhol (6/1), Schmid (3/1), Steinhauser (3), Larsen (3), Groetzki (3), Reinkind (3), Ekdahl du Rietz (3), Schmidt (3), Gensheimer (2), Kneer (1), Guardiola Villaplana (1) für die Rhein-Neckar Löwen - Just (4), Tesch (4), Grimm (3/2), Büdel (3), Kogut (2), Dietrich (2), Schmidt (2), Claus (1) für Friesenheim
Zuschauer: 8204.

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