Video

Nach der eindeutigen Niederlage im Derby sieht Kiels Manager Thorsten Storm die Favoritenrolle bei Flensburg. Die Transfers der SG zahlen sich aus - zumindest im Moment.

"Heute hat der große Meisterschaftsfavorit zu Hause gegen uns gewonnen", sagte Kiel-Manager Thorsten Storm nach der deutlichen 25:30-Pleite bei SPORT1.  

Ein bisschen Understatement war das, ein bisschen Koketterie - aber auch ein bisschen Wahrheit. Ist der Machtwechsel im Norden nun bereits vollzogen und Flensburg der neue Titelkandidat Nummer eins?

Nimmt man das Duell am Sonntag als Maßstab, trifft dies zu.

Kiel lief bei der 25:30-Pleite das gesamte Spiel über einem Rückstand hinterher. In den entscheidenden Phasen des Spiels zeigte sich Flensburg als abgezocktere Mannschaft.

"Wir haben ein Statement gesetzt"

"Flensburg war heute klar besser", sagte Kiels Kreisläufer Rene Toft Hansen nach der Partie im SPORT1-Interview.

"Wir haben heute ein Statement gesetzt", sagte der Ex-Kieler Rasmus Lauge. Überbewerten wollte er den Erfolg jedoch nicht. Vor zwei Wochen gewann Kiel in einer ebenfalls umkämpften Partie noch den Supercup gegen Flensburg.

Die Niederlage am Sonntag schrieb der Meister eher sich selbst als der Stärke des Gegners zu.

"Wir haben heute viele Siebenmeter verworfen, das Torwartduell klar verloren", sagte Storm bei SPORT1. "Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht, um hier gewinnen zu können."

Schwächen zeigte die Mannschaft aber bereits im Heimspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf.

Kiel vermisst Jicha und Palmarsson

Die Abgänge von den Weltstars Aron Palmarsson (Veszprem) und Filip Jicha (FC Barcelona) sind so schnell nicht zu kompensieren.

Dass die Führungsqualitäten und Erfahrung der beiden Rückraumspieler im Kieler Spiel in fehlen, zeigte sich Mitte der zweiten Halbzeit, als der THW am Drücker war.

Zweimal übernahm der 23-Jährige Christian Dissinger die Verantwortung, jeweils schloss der Neuzugang zu überhastet ab.

Die Kiel-Fans werden auf einen ähnlichen Verlauf wie vergangene Saison hoffen. Damals tat sich Kiel bis Weihnachten ebenfalls schwer.

Im Dezember 2014 steckte man in Flensburg bereits die dritte Pleite der Saison ein. Was folgte, war eine starke Rückserie, in der man kein einziges Spiel mehr verlor.

Patzer vermeiden

Flensburg dagegen patzte unter anderem bei den Kellerkindern HC Erlangen (22:22) und Bergischer HC (31:36). In der Sommerpause reagierte der Verein. Mit den Neuzugängen Kentin Mahe, Petar Djordjic, Henrik Toft Hansen und Rasmus Lauge rüstete Flensburg ordentlich auf.

"Anders als das Flensburg der vergangenen Jahre haben wir diese Spielzeit einen sehr breiten Kader und können hoffentlich über die gesamte Saison ständig Topleistungen zeigen", sagte Lauge bereits vor der Kiel-Partie im SPORT1-Interview.

Ausrutscher gegen die Kleinen der Liga will Flensburg in dieser Spielzeit vermeiden. Mit dem Sieg im direkten Duell hat man zudem den ersten Big Point im Meisterschaftkampf gesetzt.

Abschreiben sollte man Kiel deswegen aber noch nicht. Zehn der vergangenen elf deutschen Meistertitel gingen an den THW. Storms zurückhaltende Aussage in der Favoritenfrage passt vermeintlich so gar nicht zum Selbstverständnis der Kieler.

Flensburg derzeit das bessere Team

Der Manager versuchte seine Aussage herunterzuspielen: "So wurde es ja von den Spezialisten gehandelt. Wir wollen dennoch weiter um die Meisterschaft kämpfen."

Derzeit haben sich die Machtverhältnisse im hohen Norden aber verschoben. Den aktuellen sportlichen Anzeichen nach ist Flensburg die bessere Mannschaft. Bereits am 3. Oktober kommt es in der Champions League zum nächsten Aufeinandertreffen der beiden.

Dann muss sich Flensburg in Kiel beweisen - und kann seinen Status als Deutschlands neue Nummer eins untermauern.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel