Video

Göppingen - Nach einer denkwürdigen Pleite in Göppingen drohen dem THW Kiel schon früh die Felle davonzuschwimmen. Der Handball-Meister steht vor einem Rätsel.

Rene Toft Hansen wirkte rat- und auch ein wenig sprachlos.

Kurz vor dem Interview bei SPORT1 ging sein THW Kiel mit 21:29 (9:13) bei Frisch Auf Göppingen unter - zuletzt hatte der Meister 2006 in der DKB HBL so hoch verloren.

Der Däne haderte - mit den Worten, mit der schlechtesten Leistung seit fast zehn Jahren. Immer wieder hob er verzweifelt die Arme, seine Mimik sprach Bände: "Das war unglaublich schlecht. Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht", sagte Toft Hansen gegenüber SPORT1. Er fügte an: "Das ist nicht normal beim THW Kiel."

Nächster Rückschlag im Titelkampf

Auch Trainer Alfred Gislason war wegen der höchsten Bundesliga-Niederlage seiner Amtszeit bedient: "Ich bin über viele Sachen sehr enttäuscht bei uns", sagte der Isländer nach dem neuerlichen Gruselauftritt seiner Stars mit finsterer Miene.

Der Gigant wankt: Nach sieben Spieltagen und bereits zwei Niederlagen beträgt der Rückstand auf den souveränen Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen inzwischen vier Punkte. Die Felle im Titelkampf drohen früh davonzuschwimmen.

(DATENCENTER: Die Tabelle der DKB HBL)

Schon in der Champions League hatte der Branchenprimus in der Vorwoche einen bösen Fehlstart (22:29 in Zagreb) erlebt.

"Eine Katastrophe"

Die Partie in Göppingen legte die größte Baustelle des Serienmeisters der vergangenen Jahre schonungslos offen: Vor allem im Rückraum läuft es nach den Abgängen von Kapitän Filip Jicha (FC Barcelona) und Spielmacher Aron Palmarsson (MKB Veszprem) nicht rund.

Spieler wie Ex-Welthandballer Domagoj Duvnjak, EM-Torschützenkönig Joan Canellas und Weltklasse-Linkshänder Marko Vujin können ihr Potenzial zurzeit nicht regelmäßig abrufen, sie kamen in Göppingen zusammen auf gerade einmal drei Feldtore.

"Unser Angriff war eine Katastrophe. Wir haben zu viele einfache Fehler und Göppingen die ganze Zeit Gegenstoßtore gemacht", teilte Toft Hansen mit. Gislason zählte nach dem "sehr behäbigen" Auftritt bei seinem Team zwölf technische Fehler und über 20 Fehlwürfe. Es dauerte bis zur 14. Minute, bis der THW sein zweites Tor erzielte. "Ich habe keine Ahnung, was da los war", schob Toft Hansen bei SPORT1 konsterniert nach.

Flensburg atmet nach Drama durch

Die Kieler sind nicht der einzige Großklub, der in der Liga hinter seinen Ansprüchen bleibt: Auch die SG Flensburg-Handewitt blieb zum dritten Mal in Folge ohne Sieg.

Beim Nordrivalen überwog am Mittwochabend trotzdem die Erleichterung, beim 30:30 gegen die Füchse Berlin zumindest noch einen Punkt in letzter Sekunde gerettet zu haben.

Von einem Taumeln wie in Kiel kann in Flensburg auch nicht die Rede sein, zu stark der seit fünf Spielen ungeschlagene Gegner Berlin in Form, zu gut sind die Eindrücke, die man mit dem klaren Sieg in der Champions League gegen Mitfavorit Paris St. Germain (39:32) hinterlassen hat.

SG-Trainer Ljubomir Vranjes befand folglich auch: "Man kann sagen, dass wir einen Punkt gewonnen haben."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel