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Experte Stefan Kretzschmar lobt die SG Flensburg-Handewitt für deren Zukunftsplanung. Die erste Niederlage gab es für den Titelfavoriten allerdings schon © SPORT1

Hallo Handball-Fans,

der fünfte Spieltag hat für eine kleine Überraschung gesorgt. Dass Flensburg zuhause gegen Melsungen verliert, dokumentiert aber vor allem die Stärke von Melsungen.

Für Flensburgs nächsten Gegner Wetzlar könnte die Partie am Dienstag (ab 20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) ein wilder Ritt werden, denn die SG ist durch die Pleite schon etwas unter Zugzwang.

Melsungen spielt bisher eine sehr überzeugende Saison und hat einen guten Teamgeist. Basis ist die robuste, kompromisslose Abwehrarbeit, für die die Müller-Zwillinge sinnbildlich stehen. Mit Johan Sjöstrand haben sie vom THW Kiel zudem einen Torwart verpflichtet, der sich in einer sehr guten Verfassung befindet. Bisher ist Melsungen noch verlustpunktfrei und sie haben in jedem Fall das Potential, in die Viererphalanx von Kiel, Flensburg, den Löwen und Magdeburg einzubrechen und sich dort dauerhaft zu etablieren.

Das stärkt die These, dass es eine geile und spannende Saison wird. Die Bundesliga ist nun mal nach wie vor - auch wenn die Floskel abgedroschen klingt - die ausgeglichenste und stärkste Liga der Welt. Da kann man nirgendwo mal so im Vorbeigehen gewinnen. Auch die hohen Siege sind nicht selbstverständlich, da muss man sich in jedem Spiel total konzentrieren und immer 100 Prozent abrufen.

Trotz des Rückschlags gegen Melsungen kann Flensburg sich sehr glücklich schätzen. Mit der Vertragsverlängerung mit Trainer Ljubomir Vranjes haben sie ein wichtiges Signal für die Zukunft gesetzt. Vranjes und Flensburg, das passt einfach wie die Faust aufs Auge. Er hat dort vor knapp fünf Jahren die Chance erhalten, Cheftrainer zu werden und mit einem Champions-League-Titel und einem Pokalsieg die Sache bisher bravourös gemeistert. Unfassbar, was Vranjes sich in Flensburg für einen Ruf erarbeitet hat.

Natürlich weckt das international Begehrlichkeiten. Es gibt in der Welt aber nicht so viele Klubs, die so lukrative Angebote machen, dass man als Coach der SG wirklich ins Nachdenken kommt. Die Vertragsverlängerung zeigt, dass sich Vranjes sehr wohl fühlt in Flensburg.

Die Rhein-Neckar Löwen bestätigen mit dem fünften Sieg im fünften Spiel ihre Meisterschaftsambitionen. Bei den Löwen aber schon vom kommenden deutschen Meister zusprechen, wie es Hannovers Trainer Jens Bürkle nach dem Spiel getan hat, halte ich für verfrüht. Erstens werden es die Gegner den Löwen nicht immer so einfach machen wie Hannover. Und zweitens können auch die Löwen nicht die komplette Spielzeit so nah am Optimum spielen. Die momentanen Leistungen mit den Kantersiegen gegen Göppingen und in Hannover - sowie dem Auswärtserfolg in Magdeburg - sind dennoch ein Ausrufezeichen.

Magdeburg dagegen muss sich noch finden. Sie haben bisher nicht so überzeugt, knapp in Nettelstedt gewonnen, knapp gegen Balingen. Ich würde aber nicht von einer negativen Überraschung sprechen. Punktemäßig ist mit sechs Zählern alles noch halbwegs im grünen Bereich, zumal die Leistung bei der knappen Niederlage gegen die Löwen voll in Ordnung war.

Es wird spannend, wie die Top-Klubs die Dreifachbelastung überstehen. Für die Kieler geht die Mission Champions League ja bereits am Donnerstag mit dem Vorrunden-Duell gegen HC PPD Zagreb los.

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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