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Stefan Kretzschmar rechnet nicht mit einer vorzeitigen Entscheidung im Titelrennen © SPORT1

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar bewertet die Spitzenpartien des vergangenen Spieltages im Hinblick auf den Titel. Uwe Gensheimers möglichen Wechsel könnte er verstehen.

Hallo Handball-Fans,

Flensburgs Sieg im Derby gegen Kiel ist für mich keine Überraschung. Zuhause mit der Kulisse im Rücken war es ihnen absolut zuzutrauen, Kiel zu schlagen.

Natürlich hat der THW Weltklassespieler in seinen Reihen - aber wenn man da mal durchwechseln will, wird es für Alfred Gislason mit Ausnahme der halbrechten Position schon schwer. Domagoj Duvnjak und Joan Canellas müssen momentan fast die komplette Distanz gehen.

Flensburg dagegen hat vor der Saison enorm in die Breite investiert und jetzt mehr Wechselmöglichkeiten. Flensburgs Sieg ist aber keine Vorentscheidung oder ein Richtungsweiser in der Meisterschaftsentscheidung.

Es zeigt einfach, dass sich beide Mannschaften auf Augenhöhe befinden und dass auch Flensburg das Potenzial hat, Deutscher Meister zu werden. Es wird aber diese Saison keine deutliche Geschichte werden - für keine Mannschaft.

Ich erwarte in der Tat einen spannenden Vierkampf bis zum Ende. Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass für mich auch die Rhein-Neckar Löwen und Magdeburg eine durchaus realistische Chance auf die Meisterschaft haben.

Der SC Magdeburg hat ja am Sonntag gegen die Löwen eindrucksvoll bewiesen, wozu er in der Lage ist. Am Ende ist es sehr unglücklich für den SCM gelaufen.

Hätten sie kurz vor Schluss nicht den Siebenmeter verworfen, wäre das Spiel wahrscheinlich anders ausgegangen.

Jetzt haben die Löwen gewonnen. Respekt, Glückwunsch! Sie haben das souverän gemacht, trotz des langen Rückstandes nicht die Nerven verloren und ihren Stiefel im Stile einer Klassemannschaft runtergespielt.

Sollte ihr Kapitän Uwe Gensheimer den Verein verlassen, würden die Löwen den in meinen Augen besten Linksaußen der Welt verlieren. Dass er Begehrlichkeiten weckt und sich ein finanzstarker Verein wie Paris St. Germain um ihn bemüht, spricht in erster Linie für seine sportlichen Fähigkeiten.

Uwe Gensheimer
Gensheimer spielt seit 2003 bei den Löwen © Getty Images

Der Junge steht jetzt vor einer brutal schwierigen Entscheidung. Einerseits kann er in seiner Region unsterblich werden und mit seinem Heimatverein Titel feiern. Was ich sehr sympathisch finde als Ansatz.

Anderseits bietet sich ihm die Möglichkeit, sich persönlich und kulturell noch einmal weiter zu entwickeln, eine Fremdsprache zu lernen.

Es ist natürlich verlockend, zu einem absoluten Top-Verein der Welt zu gehen und mit Weltstars wie Karabatic, Hansen und Narcisse zu spielen.

Da muss man die Argumente ganz genau abwägen. Ich würde ihn weder für das eine noch das andere verurteilen.

Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf das Duell meiner Leipziger gegen den SCM im Rahmen des nächsten Handball-Doppelpacks auf SPORT1 am Mittwoch - da werden zwei Herzen in meiner Brust schlagen...

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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