Video

München - Auch das Topspiel in Wetzlar deutet auf einen Trend zu mehr Brutalität in der DKB HBL hin. SPORT1 benennt Ursachen der Verrohung, Liga-Chef Frank Bohmann nimmt Stellung.

In der DKB HBL herrschen neuerdings raue Sitten.

In dieser Saison kommt es zu einer auffälligen Häufung von überharten und teils brutalen Aktionen.

Der Prügel-Gipfel zwischen dem THW Kiel und der HSG Wetzlar mit einer Tätlichkeit und zwei Roten Karten war der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar als Trend hin zu mehr Brutalität beklagt.

Wo liegen die Ursachen? SPORT1 untersucht Gründe für die Verrohung im deutschen Handball.

  • Mehr Spannung

Kretzschmar stellt eine interessante These auf. Weil die Liga aktuell - speziell hinter den verlustpunktfreien Rhein-Neckar Löwen - so spannend und attraktiv ist, ist der Druck in jedem einzelnen Spiel höher.

"Der Druck in der HBL ist immer groß. Es ist aber sicher so, dass die Liga ist in diesem Jahr spannender ist. Es gibt weniger Spiele mit klaren Favoriten. Das summiert sich. Es ist auffällig, dass es sich in dieser Art und Weise niederschlägt", sagt "Kretzsche" bei SPORT1.

Tatsächlich gab es in dieser Saison deutlich mehr Überraschungen als in früheren Jahren. Mit Melsungen und Wetzlar mischen zwei Außenseiter die etablierten Topteams auf. Zudem steht keiner der drei Aufsteiger auf einem Abstiegsplatz.

  • Existenzangst

Der zu erwartende enge Fight gegen den Abstieg ist ein weiterer Faktor für die harte Gangart. Die letzten sechs Teams trennen nur sechs Punkte. Entsprechend kompromisslos wird um jeden Punkt gekämpft - auch gegen die vermeintlichen Spitzenteams.

"Im Abstiegskampf wird auch manchmal überreagiert, weil es für Mannschaften wie Lübbecke ums blanke Überleben geht", meint Kretzschmar. Und dabei ist gerade mal das erste Saisondrittel absolviert.

  • Natur der Sportart

Handball ist schon immer eine sehr körperbetonte Sportart, die nicht zuletzt daraus auch ihren großen Reiz zieht.

"Es ist auffällig, dass es jetzt an zwei Spieltagen drei rote Karten gab. Die Entscheidungen waren berechtigt. Ich kann daraus aber keinen Trend ablesen. Handball ist und bleibt ein Kontaktsport", erklärt DKB-HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann bei SPORT1.

  • Konsequente Linie der Schiedsrichter

Das Blitz-Rot gegen Hamburgs Abwehrchef Piotr Grabarczyk in der vergangenen Woche schlug hohe Wellen, zeigte aber auch den Mut der Schiedsrichter, ihn nach 36 Sekunden vom Feld zu schicken.

So konsequent werden die Regeln national und vor allem international relativ selten ausgelegt. Der Fokus auf Schläge gegen Hals und Gesicht ist absolut nachvollziehbar und richtig.

"Solche Aktionen sind bei den Schiedsrichtern generell ein großes Thema. Im Gesicht hat die Hand nichts verloren, das kann aber natürlich im Eifer des Gefechtes passieren. Das wird zu Recht auch hart bestraft", bestätigt Bohmann.

Kretzschmar glaubt, dass die Referees momentan sehr genau hinschauen, und kann sich "gut vorstellen, dass sie härter durchgreifen".

  • Kaum Folgebestrafungen

Ein weiterer Grund für die Härten liegt im Regelwerk. Im Gegensatz zu Fußball oder Basketball zieht eine Rote Karte nicht zwangsläufig ein Bericht des Schiedsrichters oder eine Sperre nach sich.

"Eine Rote Karte, die zur direkten Disqualifikation führt, kann durchaus eine längere Sperre nach sich ziehen. Voraussetzung dafür ist ein Vermerk des Schiedsrichters auf dem Spielberichtsbogen", sagt Bohmann.

Entsprechend können besonders die Abwehrspezialisten relativ unbeschwert zur Sache gehen und austeilen, ohne befürchten zu müssen, wochenlang auszufallen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel