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München - Spielmacher Andy Schmid überzeugt bei den Rhein-Neckar Löwen auch im Gipfeltreffen in Flensburg. Seine Aktion als Aushilfskeeper ruft beim Team nicht nur Freude hervor.

"Das ist das Schlimmste, was passieren konnte."

Die Aussage von Uwe Gensheimer von den Rhein-Neckar Löwen nach dem Gipfel der DKB Handball-Bundesliga bei der SG Flensburg-Handewitt ließ Böses erahnen.

Doch der Löwen-Kapitän spielte weder auf eine Pleite seiner Mannschaft oder eine schwere Verletzung an. Gensheimer sprach nach dem 32:25 (18:10)-Sieg im Spitzenspiel von der Szene der Partie - und deren Folgen.

Schmid mit unglaublicher Parade

Nach einem Ballverlust der Löwen war Andy Schmid, der statt Torhüter Mikael Appelgren als sechster Feldspieler auf der Platte stand, um die laufende Unterzahl der Gäste auszugleichen, zurückgeeilt, um zu retten, was zu retten war.

Und tatsächlich: Mit einer unglaublichen Parade wehrte Schmid den Versuch von Lasse Svan ab.

"Ich habe den Kopf weggedreht, weil ich ein bisschen Angst hatte. Ich habe meinen linken dünnen Arm ausgefahren, und zum Glück hat er den Ball da hingeworfen", sagte der Spielmacher nach der Partie bescheiden zu SPORT1.

Roggisch: "Dürfen wir uns die ganze Woche anhören"

Sein Team befürchtet allerdings, dass die Bescheidenheit nicht lange Bestand hat. "Ich weiß nicht, wie lange wir uns das anhören dürfen", sagte Gensheimer zu SPORT1.

Oliver Roggisch schlug in die gleiche Kerbe. "Das werden wir uns jetzt eine ganze Woche anhören dürfen", meinte der Co-Trainer, der allerdings auch begeistert war: "Dass er das kann - Respekt! So eine Parade von einem Feldspieler habe ich noch nie gesehen."

Dass er zu Glanztaten im Tor fähig ist, zeigte er allerdings bereits im Vorjahr gegen Balingen – nur nicht ganz so spektakulär.

Neben seinen Fähigkeiten als Aushilfskeeper überragte der Spielmacher in der ausverkauften Flens-Arena auch in seiner gewohnten Rolle als Spielmacher. Vor allem im ersten Durchgang war der Schweizer wie aufgedreht und von der gegnerischen Defensive nicht zu stoppen. Inzwischen ein bekanntes Bild.

Cooler Schweizer

2010 wechselte Schmid aus Dänemark von Bjerringbro-Silkeborg nach Mannheim. Anfangs war er noch "ein kleiner Schweizer", so Schmid im August 2014.

Das hat sich gehörig geändert. In den letzten zwei Jahren wurde er bereits zum wertvollsten Spieler der DKB HBL gewählt, in der laufenden Spielzeit ist der 32-Jährige auf dem besten Weg zum Triple. Schmid ist der Ausnahmekönner der Liga - und ziemlich cool zugleich.

Unvergessen die Szene, als er im Spitzenspiel gegen den THW Kiel im April bei einem Freiwurf in letzter Sekunde nicht mit der Mauer der Kieler zufrieden war und das Freistoßspray aus dem Fußball imitierte. Selbst in kritischen Situationen verliert Schmid nie die Ruhe, gleichzeitig kann er vom einen auf den anderen Moment eine ganze Abwehr auseinanderhebeln.

Der befürchtete Leistungsabfall nach dem Abgang seines kongenialen Partners Bjarte Myrhol am Kreis blieb aus, Schmid ist gemeinsam mit Gensheimer der Erfolgsgarant im Team von Nikolaj Jacobsen.

Modefirma mit Gensheimer

Auch abseits des Feldes ist Schmid ein kluger Kopf. Mit Gensheimer hat er 2013 mit der Modefirma uandwoo bereits ein zweites Standbein aufgebaut.

Wird das Schweizer Taschenmesser nun zum Meistermacher? Die Löwen (30:2) haben bereits fünf Punkte Vorsprung auf Flensburg (25:7). Auf Platz drei folgt Rekordmeister THW Kiel (24:6) vor der MT Melsungen (24:8).

Schmid will davon noch nichts wissen.

"Ich habe das so viele Male gehört", meinte Schmid: "Es ist schön, wenn wir so viele Spiele gewinnen. Es klingt wirklich sau langweilig, aber ob wir minus zwei, minus vier oder minus sechs Punkte haben - wir müssen an diese Leistung anknüpfen, dann kann uns kaum was stoppen."

Mit Alleskönner Schmid in MVP-Form sind die Löwen wahrlich nur schwer aufzuhalten. Da werden die Teamkollegen auch den einen oder anderen Spruch vertragen können.

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