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Rhein-Neckar Loewen v THW Kiel - DKB HBL
Alfred Gislason ist seit 2008 Cheftrainer beim THW Kiel © Getty Images

München - Die Dominanz des Rekordmeisters ist Geschichte. Kiel stellt vor dem Gastspiel in Leipzig von Star-Ensemble auf Talentförderung um.

Drei Jahre ist es her, dass der THW Kiel unbesiegbar war. 2012 gewannen die Zebras das Triple, bestehend aus deutscher Meisterschaft, DHB-Pokal und Champions League, und in der Liga alle 34 Spiele.

Die Dominanz des Serienmeisters droht zu bröckeln. In der DKB HBL scheinen die Rhein-Neckar Löwen in dieser Saison auf dem Weg zum Titel kaum zu stoppen zu sein. Vor dem Spiel des THW am Sonntag beim SC DfHK Leipzig beträgt der Rückstand bereits vier Minuspunkte.

Stars verlassen THW

In der Champions League liegt der letzte Triumph schon drei Jahre zurück und in der laufenden Spielzeit sind drei Teams nach zehn Spieltagen in der Gruppe A besser platziert.

Der Verlust von Leistungsträgern wie Filip Jicha (zum FC Barcelona) und Aron Palmarsson (zu MKB Veszprem) wiegt zu schwer für den deutschen Rekordmeister.

Mit Dominik Klein steht der nächste großne Name vor dem Abschied. Der 31-Jährige Weltmeister von 2007, der jüngst sein umjubeltes Comeback mit dem Siegtreffer gegen Veszprem feierte, wechselt zur kommenden Saison zum französischen Erstligisten HBC Nantes.

Klein vermisst Vertrauen

Neben einem "sportlich großen Anreiz" und einem "guten Bauchgefühl" sei seine Freude darüber, dass "der Trainer auf mich baut", entscheidend für den Wechsel gewesen. Die Kieler wollten nur noch kurzfristig auf den Linksaußen setzen.

Doch gerade in dieser für die erfolgsverwöhnten Norddeutschen schwierigen Phase bleiben die Verantwortlichen ruhig und stellen den Verein für die Zukunft auf - mit veränderter Strategie.

"Dass man verstärkt auf jüngere Spieler setzt, ist richtig. Diesen Weg muss Kiel verstärkt gehen", lobt SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar die neue Ausrichtung des THW.

Mit Rune Dahmke haben die Kieler bereits in dieser Saison ein Eigengewächs perfekt integriert und zum Leistungsträger geformt. Auch der 24-Jährige Christian Dissinger erhält immer Spielzeit von Trainer Alfred Gislason.

"Kiel spielt immer um Titel"

Die für die Saison 2016/17 feststehenden Neuzugänge Raul Santos (23 Jahre/der Österreicher kommt vom VfL Gummersbach) und Nikola Bylik (19/HC Fivers Margareten) sowie der zur Saison 2017/18 zum THW wechselnde Andreas Wolff (24/ HSG Wetzlar) sollen in der Zukunft diesen Schritt machen. Die Verpflichtung weiterer hoffnungsvoller Talente ist anzunehmen.

Für Kretzschmar passen die Neuverpflichtungen gut in das neue Schema des THW: "Man investiert mit Raul Santos, dem vielversprechenden Torwart Andi Wolff und Bylik in die Zukunft, hat aber mit der ersten Sieben immer noch eine Weltklassemannschaft, die mehr als wettbewerbsfähig ist."

Von einem Übergangsjahr in der kommenden Spielzeit, sieht Kretzschmar ab. "In Kiel hast du nie die Möglichkeit, mal ein Jahr kürzer zu treten. Du spielst immer um alle Titel. Das ist immer der Anspruch", so der SPORT1-Experte.

Stars kommen nicht mehr automatisch

Laut Kretzschmar werden Geschäftsführer Thorsten Storm und sein Team zu den Umbaumaßnahmen und dem Vertrauen in junge Talente in gewisser Weise gezwungen.

"Für Storm ist es nicht mehr so einfach, immer die weltbeste Mannschaft zu kaufen - wie es vor vielen Jahren war. Namhafte Superstars verlassen in einem gewissen Alter die HBL, weil die Belastung in anderen Ligen nicht so groß ist", erklärt der ehemalige Nationalspieler bei SPORT1.

Die internationale Konkurrenz, insbesondere Paris Saint-Germain, der FC Barcelona und MKB Veszprem, hat an Attraktivität und vor allem an Finanzkraft gewonnen.

"Die Zeiten, in denen die besten Spieler der Welt automatisch zum THW Kiel gingen, sind vorbei. Inzwischen können andere Mannschaften wie PSG mehr bezahlen. Außerdem gibt es mehr Konkurrenten, die auf diesem Niveau mitmischen", fügt Kretzschmar hinzu. Die Kieler müssen sich umstellen.

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