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Stefan Kretzschmar arbeitet ehrenamtlich im Aufsichtsrat in Leipzig
Stefan Kretzschmar findet die Situation in Hamburg bedenklich © Getty Images

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar hofft, dass Hamburg weiter spielen darf. Sonst wäre es "eine extreme Wettbewerbsverzerrung". Er rechnet mit mehreren Spielerabgängen.

Am Abend stiegen im DHB-Pokal die Kracher zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt sowie den Rhein-Neckar Löwen und der MT Melsungen. Die Schlagzeilen bestimmte im Vorfeld aber keiner der vier Vereine, sondern der HSV Hamburg.

Am Mittwoch wurde offiziell bekannt, dass der Bundesligist ein Insolvenzverfahren eingeleitet hat.

"Es ist traurig, dass man vor so einem Pokalkracher Flensburg gegen Kiel überhaupt über eine andere Mannschaft reden muss", sagte SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar bei SPORT1.

Kretzschmar: "Wäre Wettbewerbsverzerrung"

Der Spielbetrieb soll zunächst aber weitergeführt werden. Laut der Kanzlei Münzel & Böhm, die vom Amtsgericht Hamburg mit dem vorläufigen Insolvenzverfahren beauftragt worden war, hat sich Arena-Geschäftsführer Uwe Frommhold bereiterklärt, die Halle für die Heimspiele gegen den SC Magdeburg (20. Dezember) und Frisch Auf Göppingen (27. Dezember) zu öffnen.

"Das ist in der Tat die gute Nachricht. Und es hoffen auch alle in der Liga, dass der HSV die Saison bis zum Ende spielen kann", meinte Kretzschmar: "Es wäre sonst eine extreme Wettbewerbsverzerrung für die gesamte Liga."

Kretzschmar hat dabei nicht nur den möglichen sportlichen Verlust für die Liga im Kopf. "In erster Linie denkt man, wie es Ljubomir Vranjes auf Twitter bereits gesagt hat, an die Familien der Spieler, an die Beteiligten, die darunter leiden, dass ein gesamter Verein in Insolvenz geht. Das macht einen sehr nachdenklich und traurig."

Weitere Wechsel wahrscheinlich

Nach dem bevorstehnden Wechsel von Adrian Pfahl zu FrischAuf Göppingen hält Kretzschmar den Abgang weiterer Schlüsselspieler für wahrscheinlich.

"Das sind alles Spieler, die durch Handball ihre Familien ernähren. Wenn es beim HSV nicht weiter geht, muss man sich absichern - wenn nicht in Hamburg, dann woanders", so der 42-Jährige: "Deswegen werden sicherlich die Spielerberater einiger Profis momentan mit heißen Telefonen am Ohr rumlaufen und versuchen, für ihre Spieler das Beste herauszuholen."

Die Akteure des HSV hoffen zwar, dass es weitergeht und würden auch gerne bleiben, da man mit der Stadt und dem Verein verbunden sei. "Aber wenn ein gutes Angebot für einen guten Spieler kommt, wird man sich sicherlich darüber Gedanken machen, den Verein zu wechseln."

Darüber, ob das Lizenzierungsverfahren der Liga gescheitert sei, könne man sich "überhaupt kein Urteil erlauben".

Kretzschmar fordert allerdings gleiches Recht für alle: "Wenn der HSV nicht nachweisen kann, dass er ökonomisch gesehen bundesligatauglich ist, dann muss er genauso bestraft werden, wie jeder kleine Verein auch bestraft werden würde."

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