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Michael Biegler wird die polnische Nationalmannschaft auf die EM vorbereiten
Michael Biegler steckt mit dem HSV in einer prekären Situation © Getty Images

Hamburg und München - Wieder mal kämpft der HSV mit finanziellen Problemen. Trainer Michael Biegler erklärt bei SPORT1 die Probleme und die Folgen. Sein eigenes Schicksal bedauert er.

Die Gehälter zwei Monate nicht bezahlt, der Trainer im fernen Polen, der zarte sportliche Aufschwung in großer Gefahr.

Der HSV Hamburg gerät einmal mehr in Not. Besonders die Finanzkrise beim Champions-League-Sieger von 2013 verschärft sich vor der Partie gegen Klubweltmeister Füchse Berlin (Mi., ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. im GRATIS-LIVESTREAM) dramatisch.

"Die Zeit drängt, weil viele Spieler auf ihr Geld warten. Die leisten eine ehrliche Arbeit, genau wie der Trainer", pocht HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann bei SPORT1 darauf, dass die von "guten Namen" unterzeichneten Zusagen auch eingehalten werden: "Dann wäre die Misere wahrscheinlich beendet."

Auch HSV-Trainer Michael Biegler macht sich seine Gedanken. "Ein schöner Zustand ist es nicht. Natürlich hinterfragt man, wie lange man so etwas aufrecht erhalten kann", sagte er im Gespräch mit SPORT1.

Trainer Biegler lobt seine Spieler

Unmittelbar wirkt sich die existenzbedrohende Situation auf dessen Arbeit aus, der am Mittwoch (20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) im Duell gegen die Füchse Berlin letztmals im Jahr 2015 auf der Bank der Hanseaten sitzen wird - dabei stehen danach noch drei Spiele in der DKB HBL an.

Michael Biegler wird die polnische Nationalmannschaft auf die EM vorbereiten
Michael Biegler gerät auf Grund seinen zwei Trainerjobs in die Bredouille © Getty Images

Dass es vielleicht das letzte für immer seine kann, sei in Bieglers Gedanken kein Thema, aber "es mag schon sein, dass sich meine Spieler damit beschäftigen."

Bisher gelang es ihnen jedoch, die problematischen Rahmenbedingungen in den entscheidenden Momenten auszublenden. "Die Mannschaft schafft das überragend. Da steht bei jedem der Teamerfolg an erster Stelle", lobte Biegler sein Team.

Polen beansprucht Biegler

Die wirtschaftlichen Nöte des HSV hatten für ein Umdenken bei der polnischen Nationalmannschaft gesorgt, die Biegler im Zweitjob betreut.

Entgegen der ursprünglichen Planung bereitet der 54-Jährige die Auswahl nun doch in Plock und nicht in der Hansestadt auf die Heim-EM (15. Januar bis 31. Januar) vor.

"Es scheint ein Ergebnis der Unruhen zu sein. Geplant war, dass ich beide Mannschaften in Hamburg parallel trainieren kann. Das wäre auch eine riesige Herausforderung gewesen, aber durchaus machbar", so Biegler weiter: "Ab Donnerstag werde ich mich dann auf die polnische Nationalmannschaft fokussieren müssen, was ich natürlich als sehr schade empfinde."

Ab dem 14. Dezember ist Biegler damit weg - und der HSV setzt seine sportliche Entwicklung aufs Spiel. Wer im Duell gegen den SC Magdeburg (20.12.), bei der TuS N-Lübbecke (23.12.) und gegen Frisch Auf Göppingen (27.12.) als verantwortlicher Coach auf der Bank sitzen wird, ist noch nicht bekannt.

Springen Flohr und Hens ein?

Zuletzt wurde spekuliert, dass die HSV-Profis Matthias Flohr (derzeit verletzt) und Pascal Hens als Interims-Spielertrainer einspringen könnten. Ein Experiment mit ungewissem Ausgang zur absoluten Unzeit.

Wie es letztlich umgesetzt wird, weiß nicht einmal Biegler: "Da kann ich leider nicht weiterhelfen. Die zweite Hälfte im Dezember war völlig anders geplant. Ich bin nicht der Erste, der gefragt ist, wie das Ganze bewerkstelligt werden kann."

Denn in den vergangenen Wochen befand sich der HSV zumindest auf dem Bundesliga-Parkett im Aufwind und sorgte vor allem vorige Woche mit einem 31:24 bei der MT Melsungen für ein Ausrufezeichen.

Fitzek unter Druck

Wie oft die Profis derart starke Vorstellung noch abrufen, ohne dafür bezahlt zu werden, ist allerdings fraglich. Die seit Wochen ausstehenden Gehälter drücken stark auf die Stimmung - Leistungsträger wie Adrian Pfahl werden langsam ungeduldig.

"Der Vorgang verwundert uns als HBL und auch als Lizenzierungskommission", sagte Bohmann, "weil wir im Rahmen der Lizenzvergabe ein vom Wirtschaftsprüfer geprüftes Konzept vorliegen haben und auch Liquiditätszusagen, die unterzeichnet sind von einem guten Namen."

Doch die Situation ist offenbar schwer zu lösen. Aufgabe für die Verantwortlichen um Geschäftsführer Christian Fitzek ist es, die Gläubiger zu besänftigen und einmal mehr Andreas Rudolph, den früheren Präsidenten und Mäzen, zu einem Investment zu bewegen - sonst ist wieder die Lizenz in Gefahr.

"Ohne weitere Zuwendungen von ihm kommen wir nicht über die Runden", hatte Fitzek bereits im November gesagt: "Wir haben große Probleme."

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