Video

Für Uwe Schwenker war der Insolvenzantrag des HSV Hamburg "nicht wirklich überraschend". Der Ligapräsident sieht die Situation im Gespräch mit SPORT1 sogar als Chance.

Der Insolvenzantrag des HSV Hamburg hat Uwe Schwenker, den Präsidenten des Ligaverbandes der DKB Handball-Bundesliga, nicht wirklich überrascht.

"Es gab über Wochen einen sehr regen Austausch mit HSV-Geschäftsführer Christian Fidzek. Wir waren in etwa eingestellt auf diese Situation", sagte Schwenker in der Halbzeitpause des Pokalkrachers zwischen Kiel und Flensburg bei SPORT1.

Ein Punktabzug für den Bundesligisten ist zwar wahrscheinlich, steht aber noch nicht fest. "Die Insolvenz muss erst eröffnet werden, dann ist es soweit, dass der HSV am Ende der Saison acht Punkte abgezogen bekommen kann. Dazu kämen auch die vier Punkte wegen Nichtverbesserung des bilanziellen Eigenkapitals", so Schwenker.

Lizenz nur unter Auflagen erteilt

Im Moment gebe es einen Antrag wegen der drohenden Insolvenz, der durch Fitzek gestellt wurde. Fitzek versuche gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Gideon Böhm ein entsprechendes Sanierungskonzept in die Wege zu leiten.

Die Lizenz für den HSV wurde zu Beginn der Saison nur unter Auflagen erteilt. Grundlage dieser Lizensierungsentscheidung war eine Patronatserklärung von Unternehmer Andreas Rudolph über mehrere Millionen Euro. Was mit diesen Millionen nun ist, konnte Schwenker nicht beantworten.

"Da muss man zurückhaltend und vorsichtig sein. Fakt ist: Wir haben einen sehr kompetenten Lizenzierungsausschuss, der mit kompetenten Wirtschaftsprüfern besetzt ist. Die haben sich einen entsprechenden Finanzplan vorlegen lassen", meinte Schwenker.

Zusätzlich seien als Sicherheit wegen etwaiger Liquiditätslücken Verpflichtungserklärungen eingefordert und auch erbracht worden. "Inwieweit die zum jetzigen Zeitpunkt bedient worden sind, kann ich aus heutiger Sicht noch nicht sagen. Das muss der HSV in Verbindung mit den Insolvenzverwaltern jetzt erklären."

Imageschaden für die Liga?

Die erneute Finanznot der Hamburger könnte auch einen Imageschaden für die Liga zur Folge haben.

"Sowas ist natürlich nie schön", sagte Schwenker, der die Situation aber auch Chance für den HSV, die Stadt Hamburg und die Wirtschaft in Hamburg sieht: "Sie können zeigen, dass sie auch den Bundesligahandball wollen und dass man sich unabhängig von allen Mäzenen machen kann und das Ganze auf breite Beine stellen kann."

Als erstes sehr positives Zeichen sehe der 56-Jährige ein Gespräch, dass Fitzek mit dem Insolvenzverwalter und dem Vertreter der Barclaycard-Arena geführt hat: "Die haben als Gläubiger auch klar signalisiert, dass sie sich dieser Geschichte erstmal positiv anstellen werden."

Zunächst wird der HSV seinen Spielbetrieb bis zum Ende des Kalenderjahres fortsetzen.

"Dann wird man versuchen, gemeinsam ein tragfähiges Sanierungskonzept auf den Weg zu bringen. Nicht nur um die Saison zu Ende zu spielen, sondern auch eine positive Fortführung auch in Zukunft in Hamburg erwirtschaften zu können", sagte Schwenker.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel