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Rune Dahmke schenkte Carsten Lichtleins Gummersbachern beim 30:26 im Hinspiel sechs Tore ein
Rune Dahmke schenkte Carsten Lichtleins Gummersbachern beim 30:26 im Hinspiel sechs Tore ein © Imago

München - Mit Steffen Weinhold und Christian Dissinger fallen beim THW Kiel zwei EM-Helden aus und vergrößern das Lazarett. Blitztransfers sollen im Kampf um den Titel helfen.

Das Land ist noch berauscht vom Wunder von Krakau. Nur ausgerechnet in der Handball-Hochburg schlechthin könnte die Stimmung besser sein.

Während die Fans allerorten den ersten Ligaspielen der EM-Helden entgegenfiebern, blickt der THW Kiel mit Sorgenfalten auf der Stirn auf den Neustart der DKB Handball-Bundesliga gegen Gummersbach am Mittwoch (ab 18.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

Der THW geht am Stock.

Nach den Langzeitverletzten Patrick Wiencek und Rene Toft Hansen fallen nun mit Steffen Weinhold und Christian Dissinger zwei weitere Leistungsträger aus, Weinhold vielleicht sogar für den Rest der Saison.

Kiel "zahlt die Zeche"

Ironie des Schicksals: Lange musste sich der THW dem Vorwurf stellen, zu wenig auf deutsche Spieler zu setzen. Nur hat er fast die halbe Nationalmannschaft in seinen Reihen - und muss trotzdem auf andere setzen. Dementsprechend ist die Freude über den EM-Titel schwer gedämpft. "Wir zahlen einen Teil der Zeche", sagt Manager Thorsten Storm, der zuletzt ordentlich zu tun hatte.

Gleich drei Blitztransfers, das zeigt, wie groß die Not ist, wurden in der EM-Pause getätigt. Vom insolventen Konkurrenten HSV Hamburg holte der THW Kreisläufer Ilija Brozovic und für den Rückraum Dener Jaanimaa, am Freitag kam auch noch Routinier Blazenko Lackovic von Vardar Skopje hinzu. "Wir brauchten unbedingt noch eine Verstärkung", stellt Trainer Alfred Gislason unmissverständlich klar.

Die Titelmission ist in Gefahr.

Fokus zurück aufs Feld

Rune Dahmke, der einzige Kieler Europameister, der am Mittwoch auflaufen wird, hat die ausufernden Feierlichkeiten daher mittlerweile auch abgehakt.

"Jetzt gilt es, sich wieder zu fokussieren", so der Überflieger zu SPORT1: "Unser Trainer wird schon dafür sorgen, dass das klappt." Man werde bis zum ersten Spiel primär an der Taktik feilen, "so dass die Neuen reinkommen und uns direkt weiterhelfen können", sagt Dahmke und gibt den Optimisten: "Das hat etwas Vorbereitungscharakter. Aber wir kriegen das schon hin."

Frei nach dem Motto: Jetzt erst recht.

Auch Dissinger zeigt sich kämpferisch. "So hart trainieren wie es nur geht", schreibt er auf seiner Facebookseite: "Will wieder auf die Platte!" Das jedoch wird wohl einige Wochen dauern, so dass gegen den VfL andere richten müssen.

Lichtlein glaubt an Chance

Ein Sieg ist für den THW Pflicht, will man das Meisterschaftsrennen mit Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen und Verfolger SG Flensburg-Handewitt weiter offen gestalten.

"Ich sehe die Titelchancen weiter als relativ gut an", sagt Dahmke: "Gerade das Spiel gegen die Löwen, das wir zu Hause deutlich gewonnen haben, gibt uns einen Aufschwung. Es ist wieder alles drin."

Gummersbach seinerseits hat nichts zu verlieren und mit Carsten Lichtlein, Julius Kühn und Simon Ernst drei (gesunde) Europameister in seinen Reihen.

Lichtlein, der mit einem Wechsel zu den Löwen liebäugelt, sieht sein Team trotz des neuen Personals beim THW in der Außenseiterrolle: "Das sind alles erfahrene Leute, die dem THW auch sofort weiterhelfen. Kiel ist Kiel und trotz allem Favorit, vor allem zu Hause", sagt er und kündigt an: "Wir werden uns akribisch vorbereiten und wenn sich eine Chance ergibt, versuchen wir, sie zu nutzen."

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