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Stefan Kretzschmar und Rasmus Lauge
Rasmus Lauge (r.) beeindruckt SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar mit seinen Leistungen in Flensburg © SPORT1/Imago

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar sieht Flensburg nach dem Kiel-Coup mit dem starken Rausmus Lauge als möglichen Meister, aber favorisiert im Kracher die abgezockten Löwen.

Hallo Handball-Fans,

Da haben die Flensburger ein schönes Ausrufezeichen gesetzt. Mit zehn Toren in der Champions League gegen den THW Kiel zu gewinnen, ist schon eine Hausnummer.

Damit haben sie sich endgültig als einer der großen drei Anwärter im Meisterschaftskampf herauskristallisiert, trotzdem werden sie auch wieder schwächere Spiele machen - dafür ist diese Liga einfach zu gut.

Die Offensive der Flensburger kann sich aber in jedem Fall sehen lassen. Gegen sein Ex-Team Kiel hat vor allem Rasmus Lauge einmal mehr seine Klasse gezeigt. Er hat schon in der Hinrunde völlig befreit aufgespielt und in Flensburg seine Rolle gefunden.

In Vranjes' Philosophie passt er als "Spielfuchs" sensationell rein. Für Lauge ist das der ideale Verein, entsprechend groß ist sein Anteil an der Entwicklung.

Im Topspiel Erster gegen Dritter schätze ich dennoch die Rhein-Neckar Löwen stärker ein (Mi., ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM). Sie haben in Göppingen gegen einen sehr unangenehmen Gegner eindrucksvoll gewonnen und relativ wenig Tore zugelassen.

Die Löwen sind eine Spitzenmannschaft und Titelanwärter Nummer eins. In ihrer Situation kannst du keine andere Devise mehr ausgeben als die Meisterschaft. Das hat Uwe Gensheimer auch völlig richtig gemacht.

Sie gehen ihr Ziel jetzt auch offensiv an, ich bin sehr überrascht wie routiniert und souverän diese Mannschaft auftritt. Das war nach den Göppinger Verstärkungen so nicht zu erwarten.

Trotzdem wäre ein Löwen-Sieg gegen Flensburg noch keine Vorentscheidung, du kannst in dieser starken Liga immer Punkte lassen. Man sieht jetzt an Kiel, dass dich immer auch Verletzungen erwischen können.

Trotz aller Probleme verbietet es sich aber, den THW abzuschreiben. Sie haben sich auch noch einmal verstärkt und müssen die Neuen wie Blazenko Lackovic noch integrieren.

Der Kader ist nach wie vor gespickt mit außergewöhnlicher internationaler Klasse. Die Kieler musst du immer auf der Rechnung haben.

Abgesehen vom spannenden Titelkampf ist der neue Handball-Hype nach dem EM-Titel ein sehr positives Zeichen. Die Europameister waren überall präsent, Handball war auf einmal in aller Munde.

Die Zuschauer identifizieren sich mit den Nationalspielern und feiern sie bei jedem Ligaspiel. Es ist schön, dass Handball jetzt mit einem richtig positiven Image besetzt ist.

Wir dürfen aber jetzt nicht abheben, sondern müssen weiter arbeiten. Das ist ein Spagat, den Spieler und Trainer hinbekommen müssen. Im Idealfall geht aus dieser Europameisterschaft ein Superstar hervor.

Andreas Wolff oder Tobi Reichmann sind jetzt auch bei den Kindern und Jugendlichen bekannt, das ist sehr wichtig - auch um sich von anderen Ballsportarten abzuheben.

Die Zeit bis zu den Olympischen Spielen müssen DHB und Liga nutzen, um die Leute weiter in die Hallen zu locken. Die Gesichter müssen in Erinnerung bleiben. Alle müssen Hand in Hand arbeiten, dazu zählt für mich auch die ältere Generation wie Heiner Brand. Da muss auch mal über den eigenen Schatten gesprungen werden. So kann man richtig etwas bewegen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 43, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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