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SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar checkt die vier Titelkandidaten der DKB HBL © SPORT1 Grafik: Paul Haenel/Getty Images/Mago

München - Kiel, die Löwen, Flensburg und Melsungen kämpfen in der DKB HBL um den Titel. Doch wer hat die besten Chancen? SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar checkt die Favoriten.

In der DKB Handball-Bundesliga deutet sich ein hochspannendes Saisonfinale an. Nach etwa zwei Dritteln der Saison führt der THW Kiel (38:6) die Liga mit zwei Punkten Vorsprung vor den Rhein-Neckar Löwen (36:6) an.

Die Löwen können allerdings durch einen Sieg im Spitzenspiel gegen die MT Melsungen (ab 20.10 Uhr im LIVESTREAM und LIVETICKER) Rang eins erobern.

Knapp hinter dem Topduo lauert die SG Flensburg-Handewitt (35:7), auch Überraschungsteam Melsungen liegt noch in Schlagdistanz (34:10).

Die Konstellation an der Tabellenspitze weckt schon jetzt Erinnerungen an die Saison 2013/14. Damals lieferten sich die Löwen mit dem THW über Wochen ein Wettschießen um die Meisterschaft. Am Ende holte Serienmeister Kiel lediglich dank des um zwei Treffer besseren Torverhältnisses erneut den Titel.

Vor der entscheidenden Saisonphase checkt SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar, welches Team die besten Chancen auf den Titel hat.

THW Kiel

Stärken: Die Kieler sind in puncto Erfahrung und Gewinnerqualität vorn und haben bei der ersten Sieben und derzeit auch beim Torwart einen sehr großen Vorteil. Sie sind wieder voll auf der Höhe und zu Recht auch Tabellenführer. Die Kieler machen momentan einen guten Eindruck. Falls die Verletzten wie Weinhold und Dissinger rechtzeitig zurückkommen, ist es schwer, an Kiel vorbeizukommen.

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Schwächen: Der THW hat arge Verletzungsprobleme, es könnte am Ende bei dem überschaubaren Kader eine Kraftfrage sein. Ein Spieler wie Domagoj Duvnjak muss jedes Spiel 60 Minuten gehen. Das kennen wir aus der Vergangenheit von Kiel, dass die Schlüsselspieler kaum Pausen bekommen. Ich erinnere an Filip Jicha, der in den vergangenen Jahren teilweise sogar verletzt bzw. angeschlagen spielte.

Rhein-Neckar Löwen

Stärken: Die Löwen haben den stärksten Kader - für meine Begriffe auch in der Breite. Sie sind auf Position 1 und 2 und auch auf den Halbpositionen gut besetzt. Sie haben zudem eine sehr gute Abwehr und mit Andy Schmid den überragenden Spielmacher der Liga.

Schwächen: Für meine Begriffe sind sie aber zu sehr von Schmid abhängig. Die Löwen haben von allen Spitzenmannschaften das unspektakulärste Torwartduo. Sie sind gut, aber nicht unbedingt Weltklasse. Mikael Appelgren hat zuletzt gegen Melsungen im Pokal sehr gut gehalten, ist aber kein Weltklasse-Torhüter.

SG Flensburg-Handewitt

Stärken: Bei Flensburg ist der Team-Zusammenhalt Trumpf. Die Teamchemie stimmt, das ist sicherlich die am besten zusammengewachsene Mannschaft mit der besten Fighter-Mentalität. Die SG hat eine tolle Abwehr und einen tollen Torwart. Taktisch können sie zudem am versiertesten agieren. Sie spielen einen sehr schnellen Ball. Flensburg ist der Underdog der drei Großen, aber dennoch sehr ernst zu nehmen.

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Schwächen: Sie haben nicht den großen Shooter, aber ihr Spiel ist auch nicht so aufgezogen. Mit Jakobsson und Glandorf auf der halbrechten Positon hat Flensburg zwar Shooter, die Spiele auch einmal allein entscheiden können. Aber auf den anderen Positionen sind sie in erster Linie spielerisch besetzt mit Lauge, Mogensen und Mahe. Flensburg muss Mannschaften klug auseinanderspielen, um zu Torerfolgen zu kommen. Das ist sehr aufwendig.

MT Melsungen

Stärken: Das ist eine tolle, sehr robuste Mannschaft. Sie haben die beste Abwehr von allen vier Teams. Sie verdichten in der Mitte unglaublich gut, sodass man dort kaum zu Torerfolgen kommt. Man muss die Halbpositionen angreifen, um auch über die Außen zum Erfolg zu kommen. Sie werden aus dem Pokal gelernt haben, ich bin gespannt auf das Bundesliga-Spiel bei den Löwen.

Schwächen: Ganz bitter ist der Ausfall von Keeper Johan Sjöstrand, der in der gesamten Hinrunde ganz starke Partien gezeigt hat. Da bin ich mir nicht sicher, ob die Alternative gut genug ist. Auch wenn manche Spieler explodieren, die zuvor in der zweiten Reihe gestanden haben - der Verlust von Sjöstrand ist eine Schwächung. Gegen eine sehr starke Abwehr wie die Löwen tut sich Melsungen im Angriff wiederum spielerisch schwer.

Fazit

Kiel, die Löwen und Flensburg sehe ich absolut auf einer Linie. Da kann jeder Meister werden. Ein Titelgewinn Melsungens wäre wirklich die Überraschung des Jahres schlechthin.

Es könnte auch wieder auf ein erneutes Wettballern hinauslaufen, weil ich im Handball alles für möglich halte. Mir ist auch egal, wer am Ende Meister wird. Als Handball-Fan freue ich mich einfach über ein spannendes Titelrennen. Das war ja auch nicht immer so.

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