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Stefan Kretzschmar glaubt nicht, dass die Rhein-Neckar Löwen den Titel noch aus der Hand geben © SPORT1/Imago

Stefan Kretzschmar hat im Herzschlagfinale der Bundesliga einen klaren Favoriten. Bei den diskutierten Regeländerungen ist der SPORT1-Experte geteilter Meinung.

Hallo Handball-Fans,

zuallererst gehe ich nicht davon aus, dass sich die Rhein-Neckar Löwen den Titel noch nehmen lassen. Ich bin mir nicht wirklich sicher, wie motiviert TuS N-Lübbecke im letzten Spiel (Sonntag die Konferenz ab 14.45 Uhr LIVE im TV und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) noch ist und ob sie nochmal alles reinwerfen werden. 

Es steht schon seit Längerem fest, dass die Mannschaft absteigen wird, zudem fällt das Team weitestgehend auseinander und es gab einen starken Zuschauerrückgang in diesem Jahr.

Es wäre für die Liga zumindest zu hoffen. Und auch der Fairnessgedanke würde das ganz klar fordern. Ob Lübbecke wirklich eine Mannschaft ist, die noch einmal richtig am Kabel ziehen und eine Überraschung erzielen kann? Daran glaube ich nach dieser Saison nicht.

Die wirklich wichtigen Prüfsteine haben die Löwen aber sowieso bereits hinter sich gelassen, die Mannschaft wirkt gefestigt und stark. 

Sollten aber die Rhein-Neckar Löwen gleich in der Anfangsphase zeigen, wer hier Herr im Hause ist, dann wird Lübbecke keine große Gegenwehr mehr leisten.

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Ich wünsche mir dennoch ein spannendes Finale. Auf Flensburger Seite kann man nicht mehr viel tun, außer sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren.

Klar kann noch der ein oder andere Spruch platziert werden, an den Sportsgeist appelliert werden - viel mehr nicht.

Den Löwen würde wegen der klar besseren Tordifferenz sogar ein Unentschieden reichen. Es müsste also mit dem Teufel zugehen, sollte diese Mannschaft noch die Meisterschaft aus der Hand geben.

Apropos Tordifferenz: In den vergangenen Jahren kamen zum Ende der Saison abenteuerliche Ergebnisse zustande. Ich kann mich noch an das Finale 2014 von den Löwen und Kiel erinnern, als beide Mannschaften des Öfteren mit 20 Toren Differenz gewonnen haben.

Das ist fast schon Wettbewerbsverzerrung. Deswegen würde ich die diskutierte Regeländerung zugunsten des direkten Vergleichs begrüßen.

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Bei der Regelung der Kadergröße bin ich zwiegespalten. 16 Spieler fordern ja nur die Mannschaften, die in der absoluten Doppelbelastung sind.

Und das sind die Spitzenteams wie der THW Kiel, die Rhein Neckar Löwen oder die Flensburger. Die Spieler dieser Teams müssen in der Tat ein mörderisches Programm gehen.

Wenn ich aber an die anderen Mannschaften in der Bundesliga denke, dann ist das Programm nicht mehr wirklich mörderisch. Da hat man fast noch zu wenig Spiele als zu viel, wenn man sieht, dass Melsungen teilweise vier Wochen frei hatte in der Saison.

Was auch noch gesagt werden muss: Manche Mannschaften fordern 16 Spieler, andererseits setzen die teilweise nicht mal ihre 14 Spieler ein. Da sitzen manchmal Spieler das ganze Spiel über auf der Bank. Klar machen sich dann andere Mannschaften, die weiter unten stehen, Sorgen, dass die Spitzenteams ihre besten Spieler holen.

Auch wenn man die Spieler schützen muss, die diese extreme Belastung haben. Das Thema Überbelastung betrifft meiner Meinung nach lediglich die Champions-League-Mannschaften.

Euer Kretzsche,

Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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