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Stefan Kretzschmar glaubt, dass Kiel vier bis fünf der zehn weltbesten Akteure in seinem Kader hat
Stefan Kretzschmar glaubt, dass Kiel vier bis fünf der zehn weltbesten Akteure in seinem Kader hat © SPORT1 / DPA Picture-Alliance

SPORT1-Kolumnist Stefan Kretzschmar nimmt nach Kiels K.o. im Meisterrennen Kader und Personalpolitik des THW ins Visier. Eine Trainerdiskussion ist für ihn tabu.

Hallo Handball-Fans,

den Meistertitel hat der THW Kiel mit der Derbypleite gegen Flensburg endgültig verspielt. Zuvor hatten die Kieler in der Bundesliga zu Hause kein einziges Spiel verloren - und dann verpatzen sie das entscheidende, um an den Löwen dranzubleiben. Ein herber Schlag. Das nagt sicherlich an ihrem Selbstvertrauen und an dem, was sie seit Jahren darstellen.

Die ganz große Dominanz im Welthandball und auch deutschen Handball ist zumindest einigermaßen vorbei. Und es wird jetzt auch schwerer für die Kieler, die besten Spieler der Welt an die Förde zu locken. Neben Kiel und dem FC Barcelona gibt es im Welthandball mit Paris, Kielce, Veszprem und Vardar Skopje sehr finanzkräftige Klubs.

Die Kieler müssen sich umstellen, auch auf jüngere Spieler setzen und härter um Titel kämpfen als in den Jahren davor. Das liegt weniger an den Verantwortlichen beim THW, sondern ist dem Markt geschuldet, der sich in Richtung anderer europäischer Spitzenvereine verschoben hat.

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Der Verlust von Filip Jicha war natürlich auch eine Schwächung - auch wenn Kiel für den Kapitän viel Geld kassiert hat.

Noch will ich aber nicht von einer enttäuschenden Saison sprechen. Denn sollte Kiel den Titel in der Champions League holen, ist das keine gerettete, sondern eine grandiose Saison.

Doch selbst wenn es ein titelloses Jahr wird: Ich glaube nicht, dass Gislason in Frage gestellt werden darf. Er ist ein herausragender Trainer, der das über Jahre nachgewiesen hat.

Ich mag es, wenn Vereine auch auf der Trainerposition auf Kontinuität setzen und einem verdienten Trainer nicht aufgrund einer kleinen Durststrecke das Vertrauen entziehen.

Der Kieler Kader ist in jedem Fall bestens gerüstet fürs nächste Jahr. Die Torhüter-Position ist mit Andreas Wolff und Niklas Landin doppelt weltklasse besetzt. Im Rückraum kommen zu Domagoj Duvnjak, Steffen Weinhold und Marko Vujin mit Nikola Bilyk und Lukas Nilsson zwei großartige Talente.

Auch außen und am Kreis hat der THW überragende Leute. Im Ganzen spielen für mich in Kiel vier oder fünf der zehn weltbesten Spieler!

99 Prozent aller Mannschaften würden mit diesem Kader völlig durchdrehen. Jeder Trainer eines Teams, das sich so einen Kader leisten kann, macht Purzelbäume vor Glück.

Angesichts dessen, was auf dem Markt machbar ist, finde ich den Kader der Kieler für 2016/17 sehr interessant.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 43, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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