vergrößernverkleinern
Uwe Gensheimer krönt mit dem Titelgewinn seine Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen © Getty Images

Die Rhein-Neckar Löwen krönen eine wahnsinnige Saison. Besonders Uwe Gensheimer muss man diesen Erfolg gönnen. Trotz seines Abschieds sieht die Zukunft rosig aus.

Fragt man Sportler im Moment des Triumphs nach ihrer Gefühlslage, ist die Antwort oft so unbefriedigend wie logisch: unbeschreiblich.

So ging es auch den Spielern des neuen deutschen Handballmeisters. Die Rhein-Neckar Löwen wussten nicht, ob es pure Freude oder doch eher Erleichterung war, die die Tränen fließen ließ.

Es kann, es darf nicht viele Menschen geben, die den Löwen diesen Titel nicht gönnen. Dafür waren sie in der Vergangenheit zu oft zu nah dran. Die Dramen zu schmerzhaft, ihr Wille zur Wiederkehr zu groß. Und dafür ist diese Meisterschaft einfach zu verdient.

Dass der Fluch des ewigen Zweiten gebrochen und das Trauma besiegt ist, berührt keinen mehr als Uwe Gensheimer, Kapitän, Identifikationsfigur, Herz und Seele des Mannheimer Klubs.  Sein Traum ist wahr geworden, sich mit einem großen Titel zu verabschieden, bevor er sich im Sommer der Weltauswahl von Paris anschließt, eine neue Herausforderung sucht und bestimmt auch richtig gutes Geld verdient. Es sei ihm gegönnt.

Video

Schließlich widerstand er nicht nur einmal der Versuchung, seine Heimat zu verlassen um sich einem Klub mit Titelgarantie anzuschließen. Der THW Kiel wollte ihn, der FC Barcelona wollte ihn. Und doch blieb Gensheimer lange dem Verein treu, in dem er seit 2003, quasi seit der Gründung, spielt. Dieser Titel mit dieser Mannschaft wird ihm mehr bedeuten als alles, was noch kommen mag.

Dass die Löwen ihren Vorsprung dieses Mal ins Ziel brachten, markierte das würdige Ende einer Saison, die an Höhepunkten reicher nicht hätte sein können. Vom sensationellen EM-Sieg der Nationalmannschaft über den überraschenden Pokaltriumph des SC Magdeburg, das epische Champions-League-Finale mit der Krönung von Tobias Reichmanns polnischem Klub Kielce bis hin zu den Titeltränen in Lübbecke.

Dass Teams wie die SG Flensburg-Handewitt, die wahrlich eine fantastische Saison gespielt hat, am Ende mit leeren Händen da stehen, sagt viel über die Leistungsdichte im deutschen Handball aus.

Und dass der entthronte Branchenprimus THW, der ebenfalls keinen Titel  gewann, nun einen Umbruch mit vielversprechenden Talenten vollzieht, spricht dafür, dass auch die nächste Spielzeit keine langweilige wird. Zumal die Löwen wichtige Leistungsträger wie den alles überragenden Andy Schmid und Erfolgstrainer Nikolaj Jacobsen langfristig gebunden haben.

Video

Eine solche Vielfalt, eine solch spannende Ausgangslage können sich andere Sportarten in Deutschland nur wünschen. Man schaue auf die Fußball-Bundesliga. Handball-Herz, was willst du mehr!

Na gut, eine olympische Medaille der deutschen Auswahl könnte noch einen draufsetzen. Das als logische Konsequenz anzunehmen, wäre jedoch vermessen.

Wobei: Verwundern würde es nicht, sollte Gensheimer und Co. in Rio de Janeiro im August Edelmetall um den Hals baumeln.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel