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Oliver Roggisch kann sich mit den neuen Regeln nicht anfreunden
Oliver Roggisch kann sich mit den neuen Regeln nicht anfreunden © SPORT1

München - Die neu eingeführten Handball-Regeln stoßen weiter auf Kritik. Auch Oliver Roggisch und Stefan Kretzschmar fürchten bei SPORT1 um die Attraktivität ihres Sports.

Die vom Weltverband IHF eingeführten neuen Handball-Regeln stoßen weiter auf Ablehnung.

Die Änderungen gelten seit 1. Juli 2016 und kamen bereits bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zum Einsatz. In der am Wochenende beginnenden DKB HBL und beim Pixum Supercup am Mittwoch zwischen den Rhein-Neckar Löwen und dem SC Magdeburg (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) wird ebenfalls nach den neuen Regeln gespielt.

Die ehemaligen Profis Oliver Roggisch und Stefan Kretzschmar äußerten bei SPORT1 Kritik an den neuen Regularien.

Kritik an Einführung

Roggisch, sportlicher Leiter der Rhein-Neckar Löwen und DHB-Teammanager, kritisierte vor allem die Art und Weise, wie die Regeländerungen umgesetzt wurden. "Bisschen schade finde ich, dass viele Dinge entschieden werden ohne die Spieler mit einzubeziehen", sagte der langjährige Nationalspieler bei den Sport Bild Awards in Hamburg.

"Das wird einfach durchgesetzt. Jetzt kommt auch noch das Harz-Verbot. Das sind Dinge, da sollte man auch mal die Spieler fragen, wie wir darüber denken", forderte Roggisch.

"Sport nicht kaputt machen"

Mahnend hob er den Zeigefinger: "Wir haben einen unglaublich attraktiven Sport, der auch von der Schnelligkeit lebt. Alle paar Jahre die Regeln zu ändern, halte ich für fatal. Da müssen wir aufpassen, dass wir unseren Sport nicht kaputt machen."

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Zustimmung erhielt er von seinem ehemaligen Nationalmannschaftskollegen Kretzschmar. "Unser Problem ist ja, dass viele von den Event-Fans da draußen unseren Sport nicht verstehen. Während beim Fußball jeder mitreden kann, diskutiert man im Handball so ziemlich jede Schiedsrichterentscheidung", sagte der SPORT1-Experte.

Vor allem der siebte Feldspieler mache für Kretzschmar keinen Sinn. "Wenn der Gegner wegen eines Fouls zwei Minuten bekommt und den sechsten Feldspieler bringen kann, wo ist dann die Bestrafung?", fragte der 43-Jährige bei SPORT1. "Natürlich ist der Torwart in der Zeit nicht drin, aber es gibt ja trotzdem eine Gleichzahl vorne - Spieler gegen Spieler."

SPORT1 gibt einen Überblick über die neuen Regeln:

- Kein Leibchen für 7. Feldspieler

Der Torhüter darf weiterhin für einen siebten Feldspieler fliegend ausgewechselt werden. Neu ist, dass der Feldspieler kein Leibchen mehr tragen muss. Dann darf er aber nicht den eigenen Torraum betreten, sondern muss wieder gegen den Torhüter ausgetauscht werden.

- Passives Spiel

Noch mehr Dynamik im Spiel erhofft man sich von einer neuen Regel bezüglich des Zeitspiels. Nach der Anzeige des "passiven Spiels" durch die Schiedsrichter sind für das angreifende Team nur noch maximal sechs Pässe erlaubt, bevor die Referees das Zeitspiel abpfeifen. Bislang lag diese Entscheidung im Ermessen der Schiedsrichter.

- Blaue Karte

Die Blaue Karte wird zusätzlich zu Gelb und Rot eingeführt. Zeigt sie ein Schiedsrichter nach einem Platzverweis zusätzlich, wird automatisch ein schriftlicher Bericht verfasst. Dann ist die Disziplinarkommission für weitere Sanktionen - wie Sperren oder Geldstrafen - zuständig.

- Letzte 30 Sekunden

Statt wie bisher in der letzten Minute werden nun grobe Regelwidrigkeiten oder verhinderte Würfe (Anwurf, Abwurf, Freiwurf, Einwurf) in den letzten 30 Sekunden besonders hart geahndet. Der Spieler erhält nun eine Rote Karte (ohne Bericht) und der Gegner einen Siebenmeter.

Allerdings werden "normale" Fouls auch in den letzten 30 Sekunden nicht automatisch mit einem Siebenmeter bestraft.

- Verletzte Spieler

Ein auf dem Feld behandelter Spieler muss das Feld verlassen und darf erst nach drei abgeschlossenen Angriffen seiner Mannschaft wieder zurückkehren. Kommt er vorher zurück, wird auf Wechselfehler entschieden.

Ausgenommen davon ist jedoch ein Torhüter, der nach einem Kopftreffer liegenbleibt.

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