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SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar über den THW Kiel © SPORT1-Grafik: Imago

München - SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar ist von Flensburgs Saisonstart beeindruckt. Magdeburgs Fehlstartern macht er Mut. Der THW müsse dagegen mit Unzufriedenheit rechnen.

Hallo Handball-Fans,

zwei Spieltage sind absolviert, Zeit für eine erste Einschätzung nach dem Saisonstart.

Besondere die SG Flensburg-Handewitt hat zum Auftakt in den ersten beiden Spielen ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. In Hannover mit 15 Toren Unterschied zu gewinnen, ist eine klare Ansage.

Wie die Flensburger dort aufgetreten sind, war in allen Belangen überzeugend. Flensburg hat damit verdeutlicht, warum sie für viele der Titelanwärter Nummer 1 sind - wobei der Franzose Kentin Mahe, Silbermedaillengewinner von Rio, und Torwart-Urgestein Mattias Andersson unter den vielen Weltklasseakteuren noch herausragen.

Wenn ein Perfektionist wie Trainer Ljubomir Vranjes anschließend sagt, er habe nichts zu bemängeln, dann kann einem schon angst und bange werden.

Jetzt geht es gegen die schwächelnden Magdeburger (Mi., 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im GRATIS-LIVESTREAM und im LIVETICKER). Die Rollen sind in der Hölle des Nordens, wo gefühlt seit Jahren kein Auswärtsteam gewonnen hat, klar verteilt. Aber vielleicht ist gerade das die Chance für den SCM.

Die Magdeburger sind - auch wenn sie erst einen Punkt geholt haben - nicht zu unterschätzen. Dass wir mit Leipzig zuletzt einen Punkt im Ostderby in Magdeburg holen konnten, war für uns der Wahnsinn, aber auch ein wenig glücklich.

Wenn es SCM-Trainer Bennet Wiegert gelingt, die guten Einzelspieler zu einem Team zu formen, ist Magdeburg in Zukunft nur schwer zu schlagen. 

Wer kann Flensburg im Kampf um die Schale stoppen? 

Souverän gestartet sind auch die Rhein-Neckar Löwen - mein Titelkandidat Nummer zwei.

Der THW Kiel dagegen hat bereits eine Niederlage in Wetzlar hinnehmen müssen. Sie tun sich zu Beginn der Saison traditionell schwer, der große Kader und die vielen Spitzenspieler sind aktuell eher ein Problem für Trainer Alfred Gislason.

Die Mannschaft muss sich einspielen und benötigt Zeit, gerade junge Spieler wie Lukas Nilsson oder Nikola Bilyk. Gislason muss für jeden Spieler einen Platz und die passende Rolle finden – eine Herkulesaufgabe!

Auch dass alle Spieler zufrieden sein werden, ist nicht garantiert, wenn mancher Star nur 15 Minuten auf dem Feld steht - das fängt schon beim Torhüter-Duell zwischen Niklas Landin und Andreas Wolff an. Allerdings wird sich der große Kader in der Mehrfachbelastung von Bundesliga, Champions League und Pokal noch bezahlt machen.

Und vielleicht wird aus dem Drei- sogar ein Vierkampf: Die Füchse Berlin gefallen mir bis jetzt sehr gut. Mit ihrem Sieg bei der Klub-WM - im Finale gegen Paris - und dem Auftakterfolg in Wetzlar ist Berlin vielleicht schon diese Saison in der Lage, um die Meisterschaft mitzuspielen.

Eurer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 43, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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