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HSV Handball
Gegen den HSV Hamburg wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet © Getty Images

Hamburg - Gegen den finanziell angeschlagenen HSV Hamburg wird ein Insolvenzverfahren eröffnet. Den Spielbetrieb muss der Klub aus der Hansestadt aber noch nicht einstellen.

Zwei Millionen Euro fehlen, das Insolvenzverfahren ist eröffnet, der Abgrund erreicht: Der Pleite-Klub HSV Hamburg steht endgültig vor dem Aus.

"Der Spielbetrieb ist noch nicht eingestellt, aber ich gehe davon aus, dass wir das in Kürze mitteilen müssen", sagte Insolvenzverwalter Gideon Böhm am Freitag. Für den deutschen Meister von 2011 und Champions-League-Sieger von 2013 war es ein schwarzer Freitag. Sogar der Vorwurf der Lizenz-Erschleichung steht im Raum.

Klar ist: Der einstige Herausforderer des Rekordmeisters THW Kiel liegt endgültig am Boden. Das Geld des Handball-Klubs reicht nicht mehr aus, um die Saison in der DKB HBL zu Ende zu spielen. "Die Spieler sind ratlos", sagte Böhm.

Stars wie Hens dürfen ablösefrei gehen

Den Hamburgern droht nun der totale Aderlass, Stars wie die Ex-Weltmeister Johannes Bitter oder Pascal Hens können fristlos kündigen und ablösefrei wechseln. Drei Spieler sind ohnehin schon weg. "Ich habe großes Verständnis dafür, wenn die Spieler jetzt wechseln wollen", sagte Böhm.

Bis zuletzt hatten die Hanseaten auf eine erneute Finanzspritze des langjährigen Mäzens Andreas Rudolph gehofft. Der Millionär hatte für die laufende Spielzeit gegenüber der DKB HBL eine Verpflichtungserklärung über rund 2,5 Millionen Euro zur Sicherung des Spielbetriebes abgegeben.

Doch offenbar gab es dazu noch eine vertragliche Einschränkung, die der ehemalige Geschäftsführer Christian Fitzek der HBL nicht mitgeteilt hat.

Sogar "Lizenzbetrug" beim HSV?

Es gebe "berechtigte Zweifel daran", dass die gewährte Lizenz "makelbehaftet" sei, sagte Böhm - ein klarer Seitenhieb auf Fitzek, der die HBL getäuscht haben könnte. "Es gibt verschiedene Wahrnehmungen, wie mit dieser eingeschränkten Verpflichtungserklärung umzugehen ist", sagte Böhm. Der Streit wird nun juristisch geklärt.

"Wenn es diese besagte Nebenabrede zwischen einem Gesellschafter und dem Verein gibt, und der Lizensierungskommission liegt so etwas nicht vor, dann wäre das natürlich schon ein echter Hammer", sagte Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin und Vizepräsident des DHB: "Wenn es tatsächlich Nebenabreden gegeben hat, wäre das ein ganz, ganz schwerer Schlag, und das wäre dann Lizenzbetrug." 

Liga reagiert geschockt

Das Präsidium der HBL werde den Vorgang "sehr sorgsam prüfen", sagte Hanning. Aber eines sei klar: "Gegen Lizenzbetrug, egal, welcher Verein so etwas macht, ist die Folge der Lizenzentzug. Das wäre dann ein absolutes Drama. Ich hoffe nicht, dass sich so etwas bewahrheitet."

Rudolph soll bis zu 50 Millionen Euro über Sponsoring und andere Zuwendungen in den Klub gepumpt haben. Nun war der Medizintechnik-Unternehmer nicht mehr bereit einzuspringen, schon kurz vor dem Jahreswechsel hatte er erklärt, dass der Klub seiner Meinung nach nicht zu retten sei.

Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens sei ein "Schock", sagte HBL-Boss Frank Bohmann: "Aber das kommt nicht völlig überraschend. Wir würden es bedauern, wenn der HSV ausscheiden müsste. Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Zum Vorwurf, die Hamburger könnten bei der Lizenzvergabe gemauschelt haben, hielt sich Bohmann zunächst zurück: "Der Insolvenzverwalter wird mir aber noch Unterlagen zuschicken. Danach kann ich mich erst konkret äußern."

Spielbetrieb schon länger defizitär

Der HSV Hamburg wird nun wohl zeitnah abgewickelt - eine schlechte Nachricht für die Liga und den deutschen Handball. Schließlich zog der Großstadt-Klub die Fans an. Aber an der Elbe wurde offenbar schon länger schlecht gewirtschaftet, die Handballer lebten stets über ihre Verhältnisse. Zuletzt standen monatlichen Einnahmen von etwa 100.000 Euro Ausgaben von 340.000 Euro gegenüber.

Zwar besteht noch die theoretische Möglichkeit, dass der HSV die Saison zu Ende spielt, aber "im Moment kriege ich das Geld nicht zusammen", sagte Böhm, der auch nicht an eine Zukunft des HSV glaubt: "Der Spielbetrieb ist defizitär."

Der Jurist hält Spitzen-Handball in Hamburg aber grundsätzlich für möglich und bemängelte, dass der Klub erst so spät (16. Dezember) den Antrag auf Insolvenz gestellt habe: "Dass wir wenig Zeit hatten, ist unbestritten."

Nach diesem schwarzen Freitag muss der HSV demnächst wohl wieder in den Niederungen des Handballs einen Neuanfang wagen. Vielleicht in der zweiten Liga. Vielleicht auch in der dritten.

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