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Insolvenzverwalter Gideon Boehm (r.) verkündete das Aus des HSV Handball
Insolvenzverwalter Gideon Boehm (r.) verkündete das Aus des HSV Handball © Getty Images

Hamburg - Der HSV Handball zieht sich endgültig aus der DKB HBL zurück. Zuvor war ihm bereits die Lizenz für die laufende Saison entzogen worden. Die Folgen für die Liga wiegen schwer.

Die Zeit des HSV Hamburg in der DKB Handball-Bundesliga (DKB HBL) ist abgelaufen.

Nach dem Lizenzentzug in der Vorwoche hat sich der insolvente Klub am Montag nach fast 14 Jahren in der Eliteliga mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb abgemeldet. Sämtliche Ergebnisse der bereits als erster Absteiger feststehenden Hamburger in dieser Saison werden annulliert.

Auf den Deutschen Meister von 2011 und Champions-League-Sieger von 2013 wartet der schwierige Neuanfang in der vierten Liga.

Spieler suchen das Weite

"Unter den gegebenen Umständen ist es nicht mehr möglich, ausreichende Sponsoren oder Förderer zur Finanzierung der verbleibenden Saison zu finden", sagte Insolvenzverwalter Gideon Böhm.

Die Anreise zu den Auswärtsspielen, die Kosten für die Heimspiele, die Organisation der Spiele, die Betreuer und nicht zuletzt die Spieler selbst seien nicht mehr zu finanzieren.

Ohnehin hatten zuletzt immer mehr Spieler den HSV verlassen. In Ex-Nationalspieler Matthias Flohr (Skjern Handbold) erklärte am Samstag der siebte Profi seinen Abschied von der Elbe. "Es war eine turbulente Zeit, aber jetzt bin ich froh, mich wieder nur noch auf Handball konzentrieren zu können", sagte der 33-Jährige, der seit 2004 in Hamburg unter Vertrag gestanden hatte.

Zuvor hatten sich unter anderem auch Ex-Nationalspieler Adrian Pfahl (FA Göppingen) und Ex-Nationaltorhüter Johannes Bitter (TVB Stuttgart) neue Arbeitgeber gesucht.

Lizenzbetrug beim HSV?

Dem HSV Handball war "aufgrund gravierender Verstöße gegen zwingend einzuhaltende Verpflichtungen" die Lizenz entzogen worden, die DKB HBL schöpfte damit das maximal mögliche Strafmaß aus, das die Lizenzrichtlinien bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen vorsehen.

Der Grund für die Entscheidung der DKB HBL liegt in einem Schriftstück, das die ehemalige Geschäftsführung um den inzwischen freigestellten Christian Fitzek der Liga offenbar vorenthalten hatte.

Zu einer Verpflichtungserklärung des ehemaligen Mäzens Andreas Rudolph über eine Absicherung von rund 2,5 Millionen Euro gab es eine vertragliche Einschränkung - bei der Erteilung der Lizenz hatte die DKB HBL davon keine Kenntnis.

"Die absichernde Wirkung" von Rudolphs Verpflichtungserklärung sei durch die vertragliche Ergänzung "ganz gravierend eingeschränkt" wenn nicht "sogar aufgehoben" worden, hieß es in der Urteilsbegründung. Bei genauer Kenntnis darüber hätte die Lizenzierungskommission im Frühjahr 2015 von vornherein "keine positive Lizenzentscheidung für den HSV Handball getroffen".

Schwere Folgen für die Liga

Die Folgen für die Liga wiegen jetzt schon schwer.

"Solch eine Situation gab es auch noch nicht", hatte DKB HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann nach dem Lizenzentzug gesagt: "Fakt ist, dass es eine Reihe von geschädigten Klubs, Unternehmen und Personen gibt. Jeder, der sein Geld nicht bekommen hat, wird überlegen, wie er damit umgeht."

Dies gilt für den Zweitligisten GWD Minden, der nach heutigem Kenntnisstand nicht hätte absteigen müssen und der seine juristischen Optionen bereits prüft. Durch den Rückzug gilt es aber auch für die Klubs, die den HSV in der Rückrunde eigentlich noch begrüßen sollten.

Der HSV plant unterdessen schon seinen Neuanfang, bei dem der langjährige Mäzen und Präsident Rudolph keine Rolle mehr spielen soll. Die U23 des Klubs, die dem eingetragenen Verein und nicht der insolventen Profiabteilung angehört, strebt als Tabellenführer der Oberliga den Aufstieg in die Dritte Liga an.

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