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Die ruhmreichen Zeiten des HSV mit Pascal Hens, Toto Jansen und Matti Flohr sind vorbei
Die ruhmreichen Zeiten des HSV mit Pascal Hens, Toto Jansen und Matti Flohr sind vorbei © Getty Images

München - Der Lizenzentzug für den HSV Handball hat auch für die DKB HBL Konsequenzen. Gibt's den Neustart mit Torsten Jansen? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Die DKB HBL hat den Elbstädtern am Mittwochabend die Lizenz für die laufende Spielzeit entzogen.

Was bedeutet das für die Liga? Und welche Folgen hat der insolvente Verein zu befürchten?

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen:

Was hat der Verein konkret falsch gemacht?

Der HSV Hamburg hat augenscheinlich auf gravierende Art und Weise gegen die Liga-Lizenzauflagen verstoßen. Hier kommt ein Dokument aus dem Februar des vergangenen Jahres ins Spiel, das die ehemalige Geschäftsführung um den inzwischen freigestellten Christian Fitzek der Liga offenbar vorenthalten hatte.

Die DKB HBL ohne den HSV Handball: So sähe die bereinigte Tabelle aus © SPORT1

Zu einer Verpflichtungserklärung des ehemaligen Mäzens Andreas Rudolph über eine Absicherung von rund 2,5 Millionen Euro gab es eine vertragliche Einschränkung - bei der Erteilung der Lizenz hatte die HBL davon aber keine Kenntnis.

"Die absichernde Wirkung" von Rudolphs Verpflichtungserklärung sei durch die vertragliche Ergänzung "ganz gravierend eingeschränkt" wenn nicht "sogar aufgehoben" worden, hieß es nun in der Urteilsbegründung.

Bei genauer Kenntnis darüber hätte die Lizenzierungskommission im Frühjahr 2015 von vornherein "keine positive Lizenzentscheidung für den HSV Handball getroffen".

Was macht der Klub nun? 

Noch kann der Verein entscheiden, ob er den Spielbetrieb fortsetzen möchte. Davon ist jedoch nicht auszugehen.

Auf SPORT1-Nachfrage hieß es von der mit der Insolvenzabwicklung betrauten Hamburger Kanzlei Münzel & Böhm hierzu: "Eine Entscheidung wird es erst in der kommenden Woche, wahrscheinlich am Dienstag." 

Was machen die Spieler des HSV?

Den Spielern soll laut eines Berichts der Hamburger Morgenpost schon schriftlich gekündigt worden sein. Dass sie ablösefrei wechseln dürfen, stand ohnehin zuvor bereits fest. Damit wäre eine Fortsetzung des Spielbetriebs unmöglich.

Der Kader des HSV ist längst in Auflösung begriffen. Ex-Nationalspieler Adrian Pfahl (Göppingen), die Torhüter Johannes Bitter (Stuttgart) und Jens Vortmann (Leipzig) sowie Kreisläufer Ilija Brozovic (Kiel) haben schon neue Klubs gefunden.

Der Däne Hans Lindberg steht vor einem Wechsel zu den Füchsen Berlin, unklar ist die Zukunft des früheren Weltmeisters Pascal Hens.

Neuaufbau in Liga drei mit Jansen?

Allerdings: Weltmeister Torsten Jansen soll nach Informationen der Bild zurückkommen. Der 39-Jährige hatte von 2003 bis 2015 beim HSV gespielt, war dann zum THW Kiel gewechselt, wo er aber verletzungsbedingt nie richtig in Tritt kam.

Nun könnte Jansen den HSV bei einem Neuanfang in der Dritten Liga führen.

Wie reagiert der Ligaverband?

Die HBL erwägt nun eine Klage gegen den HSV Hamburg.

"Wir werden in jedem Fall eine rechtliche Prüfung vornehmen lassen, um zu gucken, ob ich meiner Pflicht als Geschäftsführer nachkommen muss und unsere Rechte und ausstehenden Forderungen an den HSV nicht auch auf diesem Weg eintreiben muss", sagte HBL-Chef Frank Bohmann am Donnerstag.

Bohmann schätzt den "immateriellen Schaden", den die Marke Handball-Bundesliga erlitten hat, als "nicht unerheblich" ein und hält zudem Klagen von geschädigten Klubs, Unternehmen und Personen für möglich.

"Ich gehe davon aus, dass sich viele Beteiligte darüber klar werden, wie sie ihre rechtlichen Positionen vertreten werden", sagte der HBL-Chef: "Das kann dazu
führen, dass es zu Klagen vor Zivil- und Strafgerichten kommt."

Was sind die Folgen für den HSV?

Sportlich steht der HSV als Absteiger fest. Darüber hinaus kommen möglicherweise noch viel schwerwiegendere Probleme hinzu. Auf den insolventen Klub droht eine ganze Welle von Klagen zuzukommen.

"Fakt ist, dass es eine Reihe von geschädigten Klubs, Unternehmen und Personen gibt. Jeder, der sein Geld nicht bekommen hat, wird überlegen, wie er damit umgeht", sagte Liga-Boss Frank Bohmann.

Dies gilt für den Zweitligisten GWD Minden, der nach heutigem Kenntnisstand nicht hätte absteigen müssen und der seine juristischen Optionen bereits prüft.

Im wahrscheinlichen Falle eines Rückzugs gilt es aber auch für die Klubs, die den HSV in der Rückrunde eigentlich noch begrüßen sollten.

Hamburg hat die Möglichkeit, Einspruch gegen das Urteil einzulegen. Eine Entscheidung ist darüber noch nicht gefallen. "Nun muss aber erst mal geprüft werden, ob alles korrekt abgelaufen ist, alle relevanten Personen müssen informiert werden", teilte eine Sprecherin des HSV mit.

Es bleibt also nur ein kompletter Neuanfang in der Drittklassigkeit oder darunter, denn der Lizenzentzug gilt auch für die 2. Bundesliga. Hinter den Kulissen planen die Verantwortlichen schon – allerdings ohne den langjährigen Mäzen und Präsident Andreas Rudolph.

Die U23 des Klubs, die dem eingetragenen Verein und nicht der insolventen Profiabteilung angehört, strebt als Tabellenführer der Oberliga den Aufstieg in die 3. Liga an.

Was bedeutet das Aus während der Saison für die Konkurrenz?

Die 20 Spiele, die die Hamburger bereits absolviert haben, dürften aus der Wertung genommen werden.

Das Gesamtbild der Tabelle würde dadurch nicht verfälscht, alle Teams blieben in derselben Reihenfolge. Die drei bisherigen Rückrundenspiele hat der HSV allesamt gewonnen, wodurch keinem Team mehr Punkte abgezogen werden würden.

Einzige echte Verlierer wären Aufsteiger SC DHfK Leipzig und der SC Magdeburg, die die Norddeutschen im jeweils ersten Aufeinandertreffen besiegt haben und hinter ihnen platziert sind.

Hannover-Burgdorf müsste mit einem Punkt weniger zurechtkommen. Alle Spitzenteams haben je zwei Zähler aus den Duellen mit Hamburg mitgenommen.

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