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TSV Hannover-Burgdorf sorgt für Furore in der Handball-Bundesliga
Hannovers Handballer um Europameister Kai Häfner (rechts) kommen in dieser Saison aus dem Feiern gar nicht mehr heraus © Imago

Hannover und München - Hannover sorgt für ein Beben in der Handball-Bundesliga. Gleich zu Saisonbeginn schockt der Außenseiter drei Titel-Kandidaten. Ein Spanier bringt die gute Laune zurück.

Drei Monate ist es her, da war die Stimmung bei der TSV Hannover-Burgdorf im Keller.

Als Geheimfavorit in die Vorsaison gestartet wurden die Recken nach einer desaströsen Rückrunde mit 14 Niederlagen und zwei Unentschieden bis ans Tabellenende durchgereicht und konnten den Abstieg nur um Haaresbreite abwenden.

Trainer-Shootingstar Jens Bürkle war gescheitert und musste gehen. Nach acht Jahren in der Handball-Bundesliga drohte der stetige Aufstieg der Recken sein Ende zu finden - doch dann kam Trainerfuchs Antonio Carlos Ortega und es folgte ein perfekter Start in die neue Saison mit fünf Siegen in fünf Spielen, der die Liga auf den Kopf stellt. (Tabelle der Handball-Bundesliga)

"In der Rückrunde war nicht alles schlecht, jetzt ist auch nicht alles rosarot. Der größte Unterschied ist, dass die Ergebnisse passen. Diese Welle wollen wir weiter reiten, behalten aber auch immer die nötige Demut", ordnet Geschäftsführer Benjamin Chatton den Auftakt bei SPORT1 ein.

Spanisches Duo auf der Trainerbank

Und doch war es Chatton, der mit seinen Personalentscheidungen für die Trendwende in Hannover sorgte: Völlig überraschend gewann er den Spanier Ortega im Sommer für das Amt des Cheftrainers.

Als Co-Trainer brachte dieser auch noch Landsmann und Weltmeister Iker Romero zurück in die HBL. Der hatte sich zwischen 2011 und 2015 auf der Zielgeraden seiner aktiven Karriere bei den Füchsen Berlin in die Herzen der deutschen Handballfans gespielt.

Ex-Füchse-Spieler Iker Romero arbeitet nun im Trainerteam von TSV Hannover-Burgdorf
Ex-Füchse-Spieler Iker Romero arbeitet nun im Trainerteam von Hannover-Burgdorf © Getty Images

Auf der einen Seite der 46 Jahre alte Taktik-Fachmann Ortega mit jeder Menge internationalem Renommee. Auf der anderen Seite der zehn Jahre jüngere Trainer-Novize Romero, ein Heißsporn und Gute-Laune-Garant. Diese Mischung schlug im kühlen Hannover ein wie eine Bombe.

"Wer Iker kennt, der weiß, dass er ein total positiver Typ ist, der erst einmal ganz viele Dinge sieht, die gut laufen, bevor er Dinge kritisiert, die vielleicht schlecht sind. Das hat uns in der Gesamtbetrachtung geholfen", konstatiert Chatton.

Hannovers Klubs die Mannschaften der Stunde

Die Folge: Fünf Siege in Serie zum Auftakt und Verwunderung bei den Handball-Experten.

Der Paukenschlag gegen Titel-Favorit Flensburg (32:29) wäre vielleicht noch als Eintagsfliege durchgegangen. Die Siege beim THW Kiel (31:29) und zuletzt gegen den SC Magdeburg (32:30) ließen aber selbst Skeptiker verstummen. Keine Frage: Die TSV Hannover-Burgdorf ist, ganz analog zu Hannover 96 in der Fußball-Bundesliga, die Mannschaft der Stunde.

"Dass es bei beiden Hannoveraner Klubs gerade so gut läuft, ist eine wunderbare Momentaufnahme. Jetzt warten wir nur noch auf 96, bis wir beide Tabellenführer sind. Ich kann nur nicht versprechen, wie lange wir noch warten können", scherzt Chatton.

Der Erfolg der Handballer bleibt den Fußballkollegen nicht verborgen: 96-Trainer Andre Breitenreiter verfolgte die Aufholjagd gegen Magdeburg als Zuschauer in der Halle, Präsident Martin Kind gehörte zu den ersten Gratulanten.

Europameister Häfner sorgt für Glanzpunkte

Neben dem Coup auf der Trainerbank kann sich Chatton auch für seine Kaderplanung auf die Schulter klopfen. Die personelle Zusammensetzung in Hannover ist so ausgereift wie nie.

Klub-Ikonen, erfahrene Ex-Nationalspieler, junge Hoffnungsträger - die Mischung stimmt. "Wir mussten nur drei Neuzugänge integrieren. Der Großteil des Kaders ist gleich geblieben. Die Spieler sind eingespielt und haben viel Qualität. Sie sind richtig gut und mussten nur daran glauben", erklärte Co-Trainer Romero das Erfolgsgeheimnis der ersten Wochen.

Für die Glanzpunkte in der homogenen Truppe sorgen Europameister Kai Häfner und das dänische Olympiasieger-Duo Casper Mortensen und Morten Olsen.

Kapitän ist der Leistungsträger

Häfner, seit 2014 in Hannover, ist auch dank seiner Erfolge in der Nationalmannschaft zum Gesicht des Klubs gereift. Ortega ernannte ihn vor Saisonbeginn zum Kapitän. Und der 28-jährige Linkshänder zahlt das Vertrauen mit Rang drei in der Liste der besten Feldtorschützen der Liga zurück.

"Nach dem EM-Titel hat sich Kai nicht ausgeruht, sondern hatte immer den Anspruch, sich weiter zu verbessern. Jetzt darf er nicht nur mit Leistung, sondern auch darüber hinaus vorne weg gehen. Das scheint momentan zu passen", findet Chatton - nur eines von vielen Puzzleteilen, die in Hannover derzeit einfach passen.

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